Ob der Gemeinderat ein Gutachten in Auftrag geben wollte, war die Frage, die Bürgermeister Christoph Schulz beantwortet wissen wollte. Dabei ging es in der Sitzung des Gremiums am Montagabend insbesondere um die Strahlenbelastung des Mobilfunkmasts in Levertsweiler und eine mögliche Mastversetzung.

Auf Anraten von Wolfgang Blüher, Vorsitzender des Regionalforums Mobilfunk Bodensee/Oberschwaben, zeigte sich der Bürgermeister bereit, einen "runden Tisch" zu organisieren und die Mobilfunkbetreiber wie auch Experten vom Gesundheitsministerium zu einer Diskussion einzuladen, um die Erfolgsaussichten auszuloten, ob es eine Bereitschaft zur Veränderung des Standorts geben könnte.

"Das Gutachten bringt Ihnen nichts, wenn die andere Seite nicht veränderungsbereit ist", wiederholte er mehrmals. Damit bezog sich Schulz immer wieder auf die rechtliche Seite, die den Mobilfunkanbieter Vodafon absichert. Der unterzeichnete Vertrag hat eine Laufzeit bis 2037 "und wir als Gemeinde sind verpflichtet, den Funkmast bis dahin zu dulden", schilderte er die Situation. "Rechtlich gibt es keine Chance, es geht nur über Goodwill", betonte auch Blüher immer wieder.

Ziemlich ratlos waren die Mitglieder nach den geschilderten Tatsachen. Alois Müller (CDU), Gemeinderat und Ortsvorsteher der betroffenen Raumschaft, fasste zusammen: "Ich sehe heute keine vertragliche Lösung, den Mast kriegen wir nicht weg." Hubert Frank, Ortsvorsteher von Magenbuch, fand andere Worte: "Wir haben gehört, dass Mobilfunk Fluch und Segen gleichzeitig ist." Er schilderte die schlechte Versorgung in seiner Gegend, nachdem vor einem Jahr die Leistung modifiziert wurde und teilweise nichts mehr ging. "Die Leute halten ihre Telefone hoch, um Empfang zu bekommen." Ganz schlimm sei es bei den Landwirten. Was richtig oder falsch sei, könne er nicht sagen. "Aber wenn die Leistung in Magenbuch noch schlechter wäre, wäre das eine Katastrophe", mahnte Frank. Dennoch war er sich bewusst, dass mehr Leistung zu Lasten der Gesundheit ginge.

Darauf wies Carl-Friedrich Beck, Sprecher der Bürgerinitiative in Levertsweiler, deutlich hin und wurde bestärkt durch die Erkenntnisse Blühers. Fazit war, dass das Gesundheitsrisiko dort am höchsten ist, wo der Mast besonders nahe ist.

Die Argumente von Angela Frank von der Landesanstalt für Kommunikation fanden ebenfalls Gehör. Sie schilderte die rasante Entwicklung des Breitbandnetzes seit 2008 und sah in der Smartphone-Anwendung den Treiber für den immer größer werdenden Bedarf. Zwar habe sich schon einiges getan und die Kommunen sind "sehr aktiv geworden, aber die Breitbandziele der Bundesregierung sind noch lange nicht erfüllt". Stattdessen betonte sie: "Insgesamt ist der Wert grottenschlecht für einen Industriestandort von unserer Bedeutung."

Einig waren sich alle Anwesenden, dass sie sich dieser Entwicklung nicht versperren wollten. Beck informierte über private Schutzmaßnahmen wie Netze in den Putz der Hausmauer einzuarbeiten, verwies aber darauf, dass das nicht billig wäre. Für ihn wäre es schon eine Erleichterung, wenn der Betrieb in der Nacht eingestellt werden könnte, damit der Körper während des Schlafens zur Ruhe kommen könnte, denn die Anlage läuft 24 Stunden am Tag.

In der Gemeinde gibt es insgesamt vier Anlagen, wobei zwei auf privatem Gelände sind und die Gemeinde damit keinen Einfluss hätte. Allerdings kamen die Räte durch den offenen Austausch drauf, dass ein entsprechend hoher Sendemast keine Gefahr bedeuten würde. Blüher machte allerdings darauf aufmerksam, dass die hochfrequenten elektromagnetischen Felder überall da seien, wo kein Kabel liege. "Viele haben ein schnurloses Telefon, einen WLAN-Router, eine Mikrowelle."