Von einem normalen Museumsbetrieb kann in Neuhausen trotz der Eröffnung keine Rede sein. Die großen und beliebten Veranstaltungen wie der Fuhrmannstag im Sommer oder der Mühlentag am Pfingstmontag sind abgesagt, weil Großveranstaltungen generell bis Ende August verboten sind. Was danach bis zum Saisonende im Spätherbst wird, hängt nach Auskunft von Pressesprecherin Andrea Blumers davon ab, wie sich die Pandemie weiterentwickelt.

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Die vorgesehene Sonderaktion „Haus des Jahres“, bei der ein bestimmtes Gebäude und seine ehemaligen Bewohner vorgestellt werden, musste auf kommendes Jahr verschoben werden. Die Tuttlingerin spricht von einer „dynamischen Situation“, deren Verlauf niemand vorhersagen könne.

Einige Häuser bleiben gesperrt

Doch nicht nur die großen Termine, die bei entsprechendem Wetter Tausende von Besuchern anlocken, sind abgesagt. Dem Corona-Rotstift fallen im FLM Führungen und die öffentlichkeitswirksame Schweinehut durch das Museumsdorf zum Opfer.

Damit die Abstandsregeln auch in den kleinen Räumen der historischen Gebäude eingehalten werden können, ist der Zugang zu den Museumshäusern reglementiert. Die Pressesprecherin erläutert: „Von den 25 Häusern sind neun für den Publikumsverkehr gesperrt.“ Die anderen Gebäude dürfen nur von jeweils „einem Haushalt“ betreten werden.

„Häuser-Ampeln“ zeigen an, wo sich gerade andere Besucher aufhalten

Die Überwachung dieses Limits löste Museumsschreiner Elmar Fritz mit einer eigenen Konstruktion, der „Häuser-Ampel“. Die Pressesprecherin erläutert: „Wir haben keine Türsteher beschäftigt.“ Das Museum appelliere an die Eigenverantwortung der Besucher. Die „Häuser-Ampel“ ist eine Holzvorrichtung mit einem roten und einem grünen Feld. Wer ins Gebäude geht, verdeckt mit einem Schieber das grüne Zeichen. Gleichzeitig wird das rote Signal sichtbar und signalisiert, dass jetzt das Überschreiten der Haustürschwelle verboten ist.

Diese Methode habe sich in den ersten Tagen der Öffnung bewährt, sagt Andrea Blumers. Nur im Ausnahmefall sei vergessen worden, beim Verlassen wieder auf das grüne Feld umzustellen. Die mit der Geländekontrolle beauftragten Museumsmitarbeiter hätten die Situation im Griff gehabt. Die Ampeln seien nur an drei oder vier Häusern angebracht. Andere Gebäude, wie die ehemalige Dorfkirche, seien von außen für die Besucher leicht einzusehen.

Maskenpflicht im Museumsladen

Viele Menschen nutzten das Angebot des Museumsladens. Auch dort herrscht Maskenpflicht. In dem kleinen Verkaufsraum darf sich außerdem jeweils nur ein Kunde aufhalten. Die Besucher hätten diese Regeln akzeptiert, berichtet die Pressesprecherin, und ein hohes Maß an Geduld gezeigt. Die kleine Kaffeepause im Schatten oder ein erstes Eis waren die Belohnung für das Warten. Andere hatten für den Museumsrundgang eigenes Vesper mitgebracht. Sie nutzten den Besuch zu einem Mini-Picknick.

Ungewöhnliche Ruhe auf dem Kinderspielplatz

Eine der Attraktionen des FLM ist der Kinderspielplatz. Zumindest am Samstagnachmittag herrschte dort Stille. Nur ein Junge lag in einem Schaukelnest und genoss die ungewöhnliche Ruhe. „Genießen“ ist das Stichwort, wenn Blumers über die Reaktionen der Museumsgäste berichtet. „Die Leute und besonders die Kinder haben die Möglichkeit, sich nach Wochen wieder frei bewegen zu können, offensichtlich genossen“, fasst die Pressesprecherin ihre Beobachtungen vom Eröffnungswochenende zusammen.

Besucher können sich auf weitläufigem Gelände aus dem Weg gehen

Der Rundgang über das Museumsgelände wurde am Samstag zu einem für ein Wochenende ungewöhnlichen Erlebnis. Die wenigen Besucher verloren sich im weitläufigen Gelände. Die beiden Museums-Esel konnten sich in aller Ruhe um das frische Grün auf ihrer Koppel kümmern. Eine friedlich-harmonische Stimmung war auch bei den Menschen zu spüren.

Geduldiges Warten vor dem Museumsladen

Auf dem Dorfplatz, an dessen Rand der Museumsladen untergebracht ist, sammelten sich Besucher zur Rast. Jeweils einer aus der Gruppe wurde dazu bestimmt, etwas zu essen und trinken für alle zu besorgen. Weil der Einkäufer nicht alles auf einmal tragen konnte, musste er ein zweites Mal in den Museumsladen zurück. Dabei galt es, wieder zu warten, bis der Verkaufsraum frei war. Doch niemand äußerte wegen der Warterei Unmut.

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Im Gegenteil – ein Junge, der vollbepackt aus dem Laden kam, wurde von seiner Familie mit Lachen begrüßt. Man nahm ihm die Sachen ab und er durfte, ermuntert von der Gruppe, wieder in den Laden zurück, um Nachschub zu holen.

Amtswechsel in der Krise

Für Andreas Weiß waren die ersten Öffnungstage ein besonderes Erlebnis. Der Volkskundler ist seit dem 1. April der neue Museumschef. Er löst Almut Grüner ab, die jetzt ein Museum in der Schweiz leitet. Wie empfindet er es, sein neues Amt unter den absoluten Ausnahmebedingungen antreten zu müssen? Weiß gibt zu, dass er sich zunächst die Frage gestellt habe, warum es gerade jetzt sein müsse. Beispielsweise sei ein Begrüßungsabend mit den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern geplant gewesen, der ebenfalls gestrichen werden musste.

Doch diese Phase habe er mittlerweile überwunden. Er verweist auf die positiven Chancen der ungewöhnlichen Situation: „Ich kann mich jetzt intensiver und schneller einarbeiten, als das sonst möglich gewesen wäre“, sagt er.

Vorerst gilt reduzierter Eintritt

Weil das Informationsangebot derzeit so eingeschränkt ist, entschlossen sich die Verantwortlichen in Tuttlingen, den Eintrittspreis zu reduzieren. Anstatt 7,50 Euro kostet das Betretungsrecht für die weitläufige Anlage bis zum Ende des Ausnahmezustandes 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre durften die Eingangspforte schon bislang kostenlos passieren.

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