Bei der Bürgermeisterwahl in Neuhausen am 20. September zeichnet sich ein hoher Anteil an Briefwählern ab. Wie Wahlleiter und Hauptamtsleiter Hans-Hager am Freitag berichtete, gingen bereits an den ersten beiden Tagen 301 Briefwahlanträge im Rathaus ein. Hager: „Bei 3087 Wahlberechtigten ist das ein Anteil von rund zehn Prozent.“ Das seien bereits deutlich mehr Briefwähler als beispielsweise bei der jüngsten Europawahl im Mai 2019. Aufgrund dieser Erfahrungen rechnet der Beamte in den nächsten Tagen mit noch mehr Anträgen für Briefwahlunterlagen. Verantwortlich für diese Entwicklung macht Hager die Corona-Pandemie.

Wahlergebnis wird vermutlich erst gegen 20 Uhr veröffentlicht

Hager rechnet mit einem reibungslosen Ablauf der Abstimmung. Bei nur einer Kandidatin dürfte die Stimmenauszählung unproblematisch werden. Trotzdem hält sich der Wahlleiter mit einer Prognose für die Bekanntgabe des Wahlergebnisses zurück. „Sie hören mich nicht 19 Uhr sagen“, meint er im SÜDKURIER-Gespräch. Weil zunächst noch die Wahlergebnisse aus den Ortsteilen Worndorf und Schwandorf ins Rathaus übermittelt werden müssen, könnte das vorläufige amtliche Wahlergebnis erst gegen 20 Uhr veröffentlicht werden können.

Günter Binder, Gemeinderat (UWV) und Ortsvorsteher von Schwandorf: „Ich hätte mir für einen echten Wahlkampf mindestens zwei Kandidaten gewünscht.“
Günter Binder, Gemeinderat (UWV) und Ortsvorsteher von Schwandorf: „Ich hätte mir für einen echten Wahlkampf mindestens zwei Kandidaten gewünscht.“ | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Marina Jung ist die einzige Bewerberin um die Nachfolge von Rathauschef Hans-Jürgen Osswald. Der Kommunalpolitiker hatte beim Neujahresempfang der Gemeinde im Januar überraschend seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekanntgegeben. Die Entscheidung falle aus „persönlichen Gründen“. Näheres wollte Osswald nicht mitteilen. Er hat die Gemeinde 16 Jahre geleitet.

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Für Marina Jung ist die Tatsache, einzige Kandidatin zu sein, kein Grund, in Sachen Wahlkampf auf das Bremspedal zu treten. Wie sie im Zeitungsgespräch betonte, habe sie Wert darauf gelegt, dass die für den 11. September vorgesehene zentrale Kandidatenvorstellung in der Homburg-Halle stattfindet. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem Hinweis, dass an diesem Abend viele Bürger, die sie bisher noch nicht persönlich kennen lernen konnte, die Möglichkeit zu einer Begegnung hätten.

Bisherige Gespräche für Jung positiv

Die Überzeugungskampagne der Verwaltungsfachfrau aus Villingen-Schwenningen ist schon in vollem Gang. Jung: „Ich hatte schon Kontakt zu einigen Vereinen und Einzelpersonen in Neuhausen und seinen Ortsteilen.“ Diese Kontakte seien, so die Kandidatin, alle positiv verlaufen. Besonders beeindruckt zeigte sich Marina Jung vom Corona-Krisenmanagement der Vereine.

Hartmut Storz, Gemeinderat (UWV): „Ich hätte mit mehrere Kandidaten gewünscht damit die Bürger wirklich eine Wahl haben.“
Hartmut Storz, Gemeinderat (UWV): „Ich hätte mit mehrere Kandidaten gewünscht damit die Bürger wirklich eine Wahl haben.“ | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Vor zwei Jahren hatte sich die Kandidatin bereits vergeblich um das Amt des Oberbürgermeisters in ihrer Heimatstadt beworben. Wieso findet sie jetzt die Führung einer im Vergleich zur Doppelstadt relativ kleinen Gemeinde interessant? Die Antwort Jungs klingt nüchtern und beinhaltet gleichzeitig ein Lob für Neuhausen: „Ich hatte ja schon vor zwei Jahren den Berufswunsch, Chefin einer Kommunalverwaltung zu werden. Jetzt suchte ich eine Gemeinde, die zu mir passen würde.“ Weil Neuhausen ein „sehr interessantes Gemeinwesen“ sei, habe sie sich entschlossen, sich hier für das Amt als Bürgermeisterin zu bewerben. Aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer bisherigen Erfahrungen in der Kommunalverwaltung sieht sich die Frau aus der Doppelstadt sachlich und fachlich gut gerüstet für den Rathausalltag in der Drei-Dörfer-Gemeinde. Sie sie sich auch bewusst, dass es im Alltag einer kleinen Verwaltung nicht immer reibungslos läuft.

Vorerst soll Hauptwohnsitz Villingen-Schwenningen bleiben

Sollte sie gewählt werden, wird sie zunächst den bisherigen Hauptwohnsitz ihrer Familie in Villingen-Schwenningen beibehalten und täglich zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln. Alles in allem zeigte sich die Bewerberin erleichtert darüber, dass nun die heiße Phase des Wahlkampfs beginnen kann.

Wahlkampf zwischen mehreren Bewerbern wäre einigen lieber gewesen

Wie sehen die kommunalpolitisch engagierten Kenner in Neuhaus die Lage? Günter Binder ist Ortsvorsteher von Schwandorf und dank seiner jahrzehntelangen Mitarbeit im Gemeinderat einer dieser genannten Insider. Binder bedauert, dass sich nur ein einziger Kandidat um die Osswald-Nachfolge bemüht. Er betont: „Ich hätte mir für einen echten Wahlkampf mindestens zwei Bewerber gewünscht.“ 2004 erinnert sich der Ortsvorsteher, bei der ersten Wahl Osswalds zum Bürgermeister, seien es vier Kandidaten, darunter eine Frau, gewesen. Die Entscheidung sei trotzdem bereits im ersten Wahlgang gefallen. Der Schwandorfer hofft dennoch auf eine hohe Wahlbeteiligung.

Romana Denzel, Gemeinderätin (GWB): „Wir von der Liste haben uns gewundert, dass es nur eine Kandidatin gibt.“
Romana Denzel, Gemeinderätin (GWB): „Wir von der Liste haben uns gewundert, dass es nur eine Kandidatin gibt.“ | Bild: SK

Unzufrieden mit der aktuellen Situation ist Gemeinderat Hartmut Storz. Auch er hätte sich mehrere Kandidaten gewünscht „damit die Bürger wirklich eine Wahl haben“. So ist aus seiner Sicht der Urnengang schon gelaufen: „Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, ist Marina Jung schon so gut wie gewählt.“ Seine Ratskollegin Ramona Denzler erklärt: „Wir von der Liste haben uns gewundert, dass es nur eine Kandidatin gibt.“

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