Ihr seid aus einem kleinen Ort im Wendland auf die großen Bühnen der Welt gekommen und seid immer viel unterwegs. Was bedeutet Heimat für euch?

Sascha Madsen: Für die Band ist Heimat auf jeden Fall das Wendland. Und zwar das kleine Dorf, wo wir zur Ruhe kommen, wo wir nicht gestört werden und wir kreativ sein können. Wir sind da aufgewachsen und auch musikalisch groß geworden. Da ist unser Elternhaus und wir haben dort auch bis heute unseren Proberaum. Das ist für uns als Band nach wie vor extrem wichtig, dass wir das haben. Wenn unser Tourbus vor unseren Konzerten vorfährt, wissen die Leute aus dem Dorf schon, dass sie außenherum fahren müssen, weil die Straße zu klein ist. Und irgendwie freue ich mich darüber immer wieder. Ich meine, es ist als Band sicher nicht das Coolste vom Land zu kommen und Landeier zu sein, aber wir stehen da drauf.

Könnt ihr das Ländliche denn auch kreativ verwerten?

Sebastian schreibt den Großteil der Songs und wenn er unterwegs ist, sammelt er Eindrücke und fängt irgendwann an, die zu verarbeiten. Wenn wir wieder zurück ins Wendland kommen, dann sprudelt es aus ihm raus und er kann die gesammelten Eindrücke in den Songs verarbeiten. Und meistens merkt man später irgendwann, welche Erlebnisse und Eindrücke das waren, die er da verarbeitet hat.

Ist die Bühne auch das Zuhause der Band?

Die Bühne ist eher eine coole WG, wo man ganz kurz mal einfliegt und dann aber auch weiterzieht. Vielleicht kommt man irgendwann nochmal wieder zurück zu Besuch auf eine WG-Party, so würde ich es eher sagen. Die Bühne als Heimat zu bezeichnen, das geht ein bisschen zu weit, finde ich.

Was habt ihr für Erinnerungen an eure musikalischen Anfänge?

Das war eigentlich gar nicht groß anders als es jetzt ist, dadurch, dass wir immer noch viel in unserem Elternhaus sind. Früher hatten wir ein Klavier, eine Orgel, ein Schlagzeug, eine E-Gitarre und immer, wenn wir Lust hatten, haben wir zusammen Musik gemacht. Jetzt haben wir unseren eigenen Proberaum direkt an unserem Elternhaus dran, wo wir auch alle noch mehr oder weniger unsere Jugendzimmer haben. In denen wohnen wir dann, während wir proben und an der Musik arbeiten. Wir hängen da aber auch einfach noch viel herum. Es kommen Freunde vorbei und wir schmeißen den Grill an, machen oder hören Musik - besser geht es für uns gar nicht.

Verliert man mit der Zeit die Unbeschwertheit, die es noch zu Beginn der Karriere gibt, weil der Druck zunimmt?

Mit unserem neuen Album wollten wir unsere Unbeschwertheit wieder zurückholen. Wir wollten und sollten die Platte ja eigentlich schon längst herausgebracht haben, haben dann aber im Laufe des Entstehungsprozesses gemerkt, dass wir gerne mehr Zeit haben wollen. Die haben wir uns dann auch genommen, haben alles liegen gelassen und andere Sachen gemacht. Normalerweise gehen wir ins Studio, touren zwei, drei Wochen, nehmen alles auf, bearbeiten das noch und dann ist das Album fertig. Und dieses Mal hat alleine der Aufnahmeprozess fast ein Jahr lang gedauert. Das war total neu und schön für uns, es auch mal so zu machen.

Seid ihr denn mit dem Ergebnis zufrieden?

Wir sind total zufrieden. Sonst war es wirklich immer so, dass wir das Album frisch aufgenommen haben, sodass es eine totale Momentaufnahme war. Bei diesem Album sind nochmal Songs dazu gekommen, als die Aufnahmen eigentlich schon längst fertig waren, weil wir das Gefühl hatten, dass sie der Platte noch fehlen. Das Album klingt dabei aber trotzdem noch frisch.

Passt das Album trotzdem zu dem, was ihr bisher gemacht habt, oder werden die Madsen-Fans eine Veränderung bemerken?

Es ist auf jeden Fall der unverkennbare Madsen-Sound.

Und wie klingt der?

Selber ist das schwer zu beschreiben. Das ist unverbrauchter deutscher Rock haben wir immer gesagt. Meiner Meinung nach gibt es wenig Vergleichbares, das ist das Madsen-Merkmal.

Das Album erscheint eine Woche vor dem Southside-Festival: Wie viele der neuen Songs werdet ihr dann schon auf der Bühne spielen?

Ein oder zwei Songs werden wir auf jeden Fall spielen. Aber wir haben ja meistens auch nur eine Stunde auf der Bühne und haben insgesamt sieben Alben. Wenn wir dann nur neues Zeug spielen, sind die Leute enttäuscht. Es ist gar nicht so leicht, da eine ausgewogene Mischung zu finden.

Welcher Song reißt denn alle Leute mit?

„Du schreibst Geschichte“ geht immer super, „Lass die Musik an“ kennen auch sehr viele. Aber es gibt nicht den einen Hit, den jeder hören will. Das genießen wir total. Wenn wir nur einen Hit hätten, weswegen die Leute zu den Konzerten gehen und uns auf Festivals angucken, würden alle nur auf das Lied warten. Dann würden wir das Lied spielen, alle fänden es gut und würden danach gehen. Bei uns ist das anders: Wenn du 20 Leute fragst, was ihr Lieblingslied ist, dann bekommst du vielleicht sogar 20 verschiedene Antworten. Das mögen wir total gerne.

Ihr habt 2005 zum ersten Mal auf dem Southside-Festival gespielt. Was hast du für Erinnerungen daran? 

Ich kann mich da noch ganz genau daran erinnern. Das war für uns ja insgesamt sowieso ein total euphorisches Jahr. Ein Jahr davor waren wir noch Besucher auf Festivals und dann durften wir plötzlich mit unserer ersten eigenen Platte im Gepäck selber spielen. Das waren für uns total viele Eindrücke, die erst einmal verarbeitet werden mussten.

Ist die Vorfreude auf Festivals jetzt immer noch so groß?

Gerade beim Hurricane- und Southside-Festival ist die Freude groß, weil das für uns persönlich immer etwas Schönes ist. Weil wir dort auch seit vielen Jahren regelmäßig spielen.

Merkt ihr einen Unterschied zwischen den beiden Schwesterfestivals?

Ich hatte immer die Vorstellung, dass es ja so sein muss. Aber ich bin jedes Mal überrascht worden, dass es überhaupt nicht so ist. Wir sind beim Hurricane vielleicht ein bisschen aufgeregter, weil wir da so viele Leute persönlich kennen. Beim Southside ist persönlich gesehen alles etwas anonymer, weil wir da weniger Leute im Publikum und von den Mitarbeitern kennen, aber das Konzert ist überhaupt nicht anders. Es ist genauso persönlich wie auf dem Hurricane. Auf dem Southside waren es bis jetzt ausnahmslos total tolle Konzerte.

Was ist euch als Band denn eigentlich lieber – ein kleines Konzert mit wenig Publikum oder der Auftritt bei einem großen Festival?

Wir haben vor ein paar Wochen ein Konzert mit 500 Leuten gespielt, da war eine total euphorische Stimmung. Und das kann genauso geil sein, wie ein Riesenauftritt bei so einem Festival vor 25.000 Leuten. Die persönliche Nähe bei kleinen Konzerten ist natürlich ganz besonders. Man kann das Publikum direkt ansprechen, kann in die erste Reihe gehen, jemanden mit auf die Bühne holen. Man kann alles spielen, was man spielen möchte, und jedes Album auskosten. Auf dem Festival sind es 60 Minuten Vollgas und dann war es das.

Was habt ihr euch für das bevorstehende Festivalwochenende vorgenommen?

Wir machen keine Mega-Show. Wir haben gemerkt, dass wir das gar nicht brauchen. Für uns ist die Musik die Show und die Energie und Euphorie, die im besten Fall entstehen können. Dann braucht man kein Feuerwerk und keine Konfettikanonen. Wir wollen versuchen, was mit mehreren Backdrops zu machen. Das bedeutet, dass – während wir unsere Lieder spielen - dazu thematisch passend verschiedene Fotohintergründe zu sehen sind.