Das Southside dreht sich vor allem um eines: Musik. Drei Tage Festival bedeuten hier nicht selten drei Tage Dauerbeschallung. Der Schutz der eigenen Ohren bleibt da meist auf der Strecke. Doch wie gefährlich ist eigentlich ein zu hoher Lärmpegel für das menschliche Gehör? Und was kann man tun, wenn als Erinnerung nach dem Festival ein einzelner Ton, der Tinnitus, bleibt? Wir haben mit einem Konstanzer HNO-Arzt gesprochen und ihm einige Fragen zum Thema Gehörschutz gestellt:

Welche Band ist gefährlicher für die Ohren: Billy Talent oder Mighty Oaks?

Die Antwort auf diese Frage lautet: Es kommt darauf an! "Band oder Stilrichtung besitzen wenig bis keine Aussagekraft darüber, ob ein Konzert als gesundheitsgefährdend für das Gehör einzustufen ist oder nicht", sagt Ingo Gauss. Vielmehr spiele an dieser Stelle der Lautstärkepegel eine Rolle, sprich: Ist ein Folk-Konzert schlecht abgemischt, ist es schlechter für die Ohren als ein gut gemischtes Punk-Konzert.

Ab welchem Lärmpegel schädigt der Festivalbesucher seine Gesundheit?

"Die durchschnittliche Umgebungslautstärke beträgt rund 60 Dezibel, 80 Dezibel empfinden wir als laut, und ungefähr ab 100 Dezibel schädigt man als Festivalbesucher sein Gehör", sagt Ingo Gauss. Ein wichtiger Faktor sei dabei aber der Zeitraum, über den hinweg man seine Ohren mit einem hohen Lärmpegel beschallt. "Auf einem Festival passiert das durchaus auch einmal den ganzen Tag", so Gauss. Besonders aufpassen müsse man aber ebenso bei Konzerten in Zelten, wie es sie auch auf dem Southside gibt. Hier werfen die Wände die Schallwellen zurück – wodurch die Gefahr der Gehörschädigung steigt, sagt der HNO-Arzt.

Ingo Gauss, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Konstanz, klärt über Folgen zu lauter Konzerte auf. Bild: privat
Ingo Gauss, Hals-Nasen-Ohren-Arzt aus Konstanz, klärt über Folgen zu lauter Konzerte auf. Bild: privat | Bild: privat

Was können Folgen für das Gehör sein?

Hier unterscheidet Ingo Gauss zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen. "Was häufig auftritt nach Konzerten, ist ein einfaches Ohrengeräusch", sagt der HNO-Arzt. Ein leichtes Pfeifen, ein monotones Rauschen, ein oft dumpfes Hörvermögen – all das können kurzfristige, vorübergehende Einschränkungen nach einem Konzert- oder Festival-Besuch sein. Ursache, so erklärt Gauss weiter, sind beschädigte Haarzellen im Innenohr, die aufgrund der Dauerbeschallung nicht zur Ruhe kommen. "Die Erholungstendenzen sind hier aber gut und meist sind diese Symptome bereits am nächsten Tag wieder Vergangenheit."

Übertreibt man es mit der Lautstärke aber zu sehr, kann es zu einem sogenannten Lärmtrauma kommen, sagt Ingo Gauss. "Davon spricht man, wenn die Geräusche länger als drei Tage nicht verschwinden." Auch die Hörschwelle sinke bei einem solchen Lärmtrauma schnell, sprich: Man wird schwerhörig. Dann, so der Mediziner weiter, sei es nötig, einen Arzt aufzusuchen. "Hier besitzt eine Behandlung mit Infusionen und Kortison gute Erfolgsaussichten auf Heilung." Rund zehn solcher Festival- und Konzert-Patienten behandelt er jährlich, schätzt der Konstanzer HNO-Arzt. Aber nicht immer geht es nur glimpflich aus: "Auch hochgradige Schwerhörigkeit kann die Folge sein."

Was kann ich tun, um ohne Hörschäden nach Hause zu gehen?

"Einfach mal in den hinteren Reihen tanzen und nicht immer direkt vor den Lautsprechern", so lautet der erste Tipp von Ingo Gauss. Auch Gehörschutz sei angesichts seiner Lärmdämpfenden Wirkung hilfreich. "Die einfachen Ohrenstöpsel aus Schaumgummi reduzieren die Lautstärke um rund 20 Dezibel, wenn man sie richtig ins Ohr eingesetzt", erklärt Ingo Gauss. "Und wirklich gute liegen sogar darüber." Ein weiterer Punkt, den der Mediziner anspricht, sind Lärmpausen. "Eine halbe Stunde Erholung hilft schon ungemein, um die Wahrscheinlichkeit eines Lärmtraumas zu reduzieren", sagt Gauss.

Wer Hörschäden vermeiden will, packt also am besten Ohrenstöpsel in den Festival-Rucksack und beim Konzert in die Ohren. Auch der Southside-Veranstalter FKP-Skorpio hat das Thema Gehörschutz auf dem Schirm und verkauft an seinen Infoständen Ohrenstöpsel für einen Euro. Wie laut Konzerte sein dürfen, ist zudem unter der Norm DIN 15905-5 geregelt. Darin sind notwendige Maßnahmen für Veranstalter festgehalten, um eine Gehörgefährdung des Publikums durch zu hohe Lautstärke zu unterbinden, beispielsweise durch Messungen während der Konzerte.