Entgegen seiner ursprünglichen Absicht wird der Gemeinderat Neuhausen nun doch kein Verkehrskonzept in Auftrag geben. Das beschloss das Gremium im Rahmen seiner Februarsitzung mehrheitlich bei einer Enthaltung. Zwei Gründe sind für den Verzicht im Laufe der Diskussion deutlich geworden. Zum einen wäre ein solches Gutachten mit insgesamt rund 100 000 Euro sehr teuer. Zum anderen würde eine wirkliche Verkehrsentlastung der Neuhauser Dorfmitte nur durch den Bau weiterer Umgehungsstraßen erreicht werden. Dazu sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald: „Dass es tatsächlich in absehbarer Zeit zu einer derartigen Entwicklung mit dem Bau von weiteren Umgehungsstraßen kommen wird, ist absolut illusorisch.“

Viele bevorzugen noch alten Weg

Die Verkehrssituation in der Dorfmitte von Neuhausen war schon in verschiedenen Gemeinderatssitzungen angesprochen worden. Zwar ist durch den Bau der Ortsumgehung im Zuge der B 311 eine deutliche Entlastung im West-Ost-Verkehr in Richtung Meßkirch und Tuttlingen erreicht worden. Dennoch benutzen Pendler aus Richtung Meßkirch, die zur Arbeit nach Tuttlingen wollen, immer noch bevorzugt den alten Weg auf der ehemaligen Bundesstraße durch Neuhausen hindurch. Außerdem wird Neuhausen noch von einer zweiten Verkehrsader durchschnitten. Auf der Nord-Südroute zwischen dem Donautal und Stockach und dem Bodensee rollt der Verkehr nach wie durch Neuhausen. Am Schnittpunkt der beiden Trassen in der Ortsmitte sorgt seit einem guten Jahr ein Kreisverkehr für mehr Sicherheit.

Erste Stufe kostet schon 55 000 Euro

Mit dieser Situation setzte sich der Gemeinderat am 19. Oktober 2018 auseinander. Damals entschieden sich die Räte für ein Verkehrskonzept. Allerdings machten die Bürgervertreter im vergangenen Herbst die Einschränkung, dass zunächst die Kosten für ein solches Gutachten zu ermitteln seien. Das Planungsbüro Kölz aus Ludwigsburg, das schon mehrfach in Neuhausen tätig war, hat in der Zwischenzeit ein mehrstufiges Verfahren unter Einbeziehung der Bürger vorgeschlagen. Alleine die erste Stufe des Gutachtens würde mit rund 55 000 Euro zu Buche schlagen. Das erschien der Verwaltung und nun dem Ratsgremium als zu teuer.

Irritation bei den Bürgern befürchtet

Dazu kommt die Frage nach dem Nutzen eines fertigen Konzeptes. Schon in der Vorlage hatte Osswald auf ein Dilemma der Verwaltung hingewiesen. Die Kommune könne mit den ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Instrumenten nichts zur Verringerung der Verkehrsströme durch das Dorf beitragen. Mit einem solchen Planwerk, so argumentiert die Rathausspitze, werde dem Bürger vorgegaukelt, dass sich in Sachen Verkehrslärm wesentliche Dinge ändern würden.

Statistisch Straßen nicht „stark verkehrsbelastet“

Es gibt auch ein statistisches Problem. Die aktuelle Kartierung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), weist keine der durch Neuhausen führenden Straßen als „stark verkehrsbelastet“ aus. Dies widerspreche, wie Osswald einräumt, der subjektiven Wahrnehmung mancher Anwohner. Dieser Argumentation schloss sich die Mehrheit des Gemeinderats an. Ratsmitglied Ramona Haßler-Denzel konnte sich mit ihrem Antrag, vor der endgültigen Ablehnung des Konzepts noch eine Gesprächsrunde mit Bürgern, Kommunalpolitikern und Planern anzuberaumen, nicht durchsetzen.