Die Gemeinde Neuhausen wird im nächsten Jahr die Jagdreviere neu verpachten. Es gibt, wie Hauptamtsleiter Hans Hager auflistet, derzeit drei Jagdpächter, von denen bereits zwei erklärt hätten, nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

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Einer, der noch immer will, ist der 64 Jahre alte Gastronom Edwin Müller aus dem Ortsteil Worndorf. Der gelernte Metzger besitzt seit 1978 einen Jagdschein und gehört seit 1982 zu den Jagdpächtern. Er stellt im SÜDKURIER-Gespräch aber auch: „Wenn ich meine Helfer im Revier nicht hätte, wäre mir die Jagdpacht jetzt altershalber zu viel geworden.“ Diese Helfer sind Jagdscheininhaber ohne eigenes Revier, die aber mit einem Begehungsschein ihrer Passion im Jagdbereich von Edwin Müller nachgehen können.

Neugierig schaut ein Rotfuchs von einer Wiese in die Kamera des Fotografen.
Neugierig schaut ein Rotfuchs von einer Wiese in die Kamera des Fotografen. | Bild: dpa/Patrick Pleul

Natürlich hat die Jagd mit ihrer Naturverbundenheit auch für Edwin Müller immer wieder einen Hauch von Romantik. Doch diesen Momenten stehen viel Arbeit, viele Freizeitopfer und Kosten gegenüber. Zu den reinen Pachtkosten kommen unvermeidbare Zusatzausgaben für die Berufsgenossenschaft. Müller: „Darüber hinaus muss der Jagdpächter für Schutzzäune und Jagdeinrichtungen wie Hochsitze sorgen“ – und natürlich aus eigener Kasse bezahlen.

Müllers geschossenes Wild landet im Magen seiner Gäste

Einen Gewinn aus der Jagd gibt es für den Gastwirt nur indirekt. Er bietet seinen Gästen in der Worndorfer „Sonne“ das selbst erlegte Wild als Leckerbissen an. Einziges Problem dabei ist, dass das Wildaufkommen im eigenen Revier nicht ausreicht. „Ich muss zukaufen“, meint der passionierte Jäger. Er achte aber darauf, nur in der Region erlegte Rehe, Hasen oder Wildschweine auf den Tisch seines Restaurants zu bringen. Das Geld für die eigene Jagd spielt für den Worndorfer nicht die Hauptrolle. Es sei für ihn ein Hobby. Seine Helfer mit Jagdschein dürfen als Gegenleistung für ihre Hilfe umsonst jagen.

Wildschweine können in Maisfeldern große Schäden anrichten.
Wildschweine können in Maisfeldern große Schäden anrichten. | Bild: dpa/Jens Büttner

Von den großen Konflikten rund um die Jagd, die gelegentlich die Schlagzeilen bestimmen, ist aus Sicht Müllers in seinem Revier nichts zu merken. Er pachtet 360 Hektar, von denen aber nur 70 Hektar Wald sind. Die Feldjagd selbst gilt unter den Jägern der Region als nicht besonders attraktiv, weil die moderne Landwirtschaft mit großen, ausgeräumten Flächen wenig Rückzugsmöglichkeiten beispielsweise für Feldhasen bietet.

Wildschadenskasse in der Diskussion

Dafür haben in den großen Maisschlägen die Wildschweine, das Schwarzwild, eine unwillkommene Bleibe gefunden. Die Bachen und Keiler und ihre Frischlinge sind bislang aber nicht zum Problem geworden. Müller: „Ich bevorzuge den kleinen Dienstweg und regle Probleme mit dem Landwirt selbst.“ Der Jagdpächter muss nämlich für den Schaden aufkommen, den das Schwarzwild auf landwirtschaftlichen Flächen anrichtet. In diesem Zusammenhang regt der Waidmann eine gemeinsame „Wildschadenskasse„ an, in die Grundstücksbesitzer, Pächter und Jäger solidarisch einzahlen. Bisher gibt es eine solche Wildschadenskasse nicht und Jäger Müller bezweifelt, ob sie in Neuhausen eingerichtet wird.

Jagdpachtverträge auf sechs oder auf zwölf Jahre abschließen?

Durch die neue Gesetzeslage ist die Jagdpachtdauer etwas aus den Fugen geraten. Bisher wurden die Verträge auf neun Jahre abgeschlossen. Nach den neuen Bestimmungen muss die Versammlung der Besitzer der Grundstücke, auf denen gejagt wird, die Jagdgenossenschaft, alle sechs Jahre zusammen treten. Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald hatte vor dem Gemeinderat das Problem so zusammengefasst: „Wenn wir bei den neun Jahren bleiben, müsste die Jagdgenossenschaft zusätzlich tagen.“ Die Alternative sind Jagdpachtverträge auf sechs oder auf zwölf Jahre abzuschließen. Edwin Müller ist eher für die Sechs-Jahre-Lösung. Er gibt dem Bürgermeister aber recht, wenn Osswald feststellt: „Wenn das Pachtverhältnis gut läuft, sind zwölf Jahre kein Problem. Sollte es aber zu Schwierigkeiten kommen, sind zwölf Jahre sehr lang.“

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