Ihr macht schon seit 1995 Musik. Was denkt ihr, wie hat sich die Musikbranche seitdem verändert?

James: Die Musik-Welt ist so anders als zu unseren Anfängen. Damals waren wir ja erst 15 Jahre alt. Es gab kein Internet, kein Myspace,  kein Facebook. Was sich genau verändert hat, ist schwer zu beschreiben. Ich meine, es gibt ja auch einige Dinge, die sich in der ganzen Zeiten nicht verändert haben. Zum Beispiel, dass Menschen Musik im Allgemeinen immer noch lieben, sie sich immer noch in Bands verlieben und manche von ihnen auch Musik machen wollen. So viele Dinge haben sich nicht geändert. Wenn es aber um die Art und Weise geht, wie Menschen Musik konsumieren, dann hat sich wirklich viel verändert. Heute hat jeder Musik auf seinem Handy, CD-Player sind längst Vergangenheit. 

Ben: Wir sind noch mit Kassetten aufgewachsen - auch als Band. Alle unsere ersten Demos sind auf Kassetten, danach auf CDs. Es hat sich - wie James schon gesagt hat - die Art und Weise verändert, wie Leute heutzutage Musik konsumieren. Sie hören ein Lied, aber das streamen sie und besitzen es nicht. Heute besitzt kaum jemand mehr einen Song. Wir haben uns früher Musik gekauft, sie wirklich in den Händen gehalten. Ich finde auch, dass das ganze Geheimnis der Musik verschwunden ist. Wir haben uns früher die Musik angehört und uns in die Songs verliebt - ohne eine Ahnung zu haben, wie die Band ausgesehen hat. Und das aus einem einfachen Grund: weil es für die Musik an sich nicht so wichtig ist. Heute ist das anders: Künstler müssen auf Instagram perfekt aussehen und den Leuten davon erzählen, was sie zum Frühstück gegessen haben und all solche Dinge. Also hat sich so viel verändert.

Präsentiert ihr euch denn perfekt auf Instagram?

Ben: Nein, nein. (lacht)

James: Um noch eine Sache hinzuzufügen: Wenn ich mir vorstelle, jemand ist heute 15 Jahre alt, und schaut sich an, wie wir früher Musik gekauft und gehört haben, würde er bestimmt denken, dass das alles ein Tick von uns war. Heute gibt es für sie Zugang zu jedem Lied, das sie wollen, das sollten wir nicht vergessen. Wir haben das Gefühl, dass sich die Dinge seit Jahren weiter entwickelt haben, und geben uns Mühe, dem nachzukommen. Für junge Musikfans ist die Musik-Landschaft eben komplett anders. 

Wie habt ihr euch persönlich verändert?

Ben: Gar nicht, wir sind genau die gleichen Leute. Wir sind bloß älter und weiser geworden, wir versuchen, die Erfolge der Band nicht zu sehr auf uns wirken zu lassen. Aber an manchen Tagen fühlen wir uns natürlich schon ziemlich cool.

James: Wir sind mit der Band aufgewachsen und damit eben auch mit dem zunehmendem Erfolg der Band gleichermaßen älter geworden. In mancher Hinsicht hoffe ich, dass wir uns verändert haben, seit wir 15 sind - wenn wir immer noch so wären, wie mit 15 Jahren, dann wäre etwas falsch gelaufen. Die Band ist so verbunden mit dem was wir machen und wer wir sind, also...

Ben: Ich denke, was James versucht zu sagen ist, dass wir bei unseren Anfängen echt noch junge Menschen waren, also hat die Band unser ganzes Leben durchgemacht - sie war niemals nicht dabei. Der Bezug dazu ist so intensiv, die Band ist ein großer Teil unseres Lebens - wir sind Biffy und Biffy sind wir. Die Band war schon immer unsere Existenz.

James: Genau das habe ich versucht zu sagen. (lacht)

Erinnert ihr euch noch daran, auf wie vielen Festivals ihr schon gespielt habt?

Ben: Bist du verrückt? (lacht) Ich habe ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung. Aber wir könnten ja versuchen, es auszurechnen.

James: Wir sind seit etwa 2005 auf Festivals unterwegs, also seit 13 Jahren. Ich denke, wir haben auf rund 100 Festivals gespielt.

Dann seid ihr ja schon Festival-Profis. Seid ihr immer noch nervös, bevor ihr die Bühne betretet?

James: Auf jeden Fall. Zwei Stunden vor der Show fangen wir mit den Gedanken an, dass wir uns auf die Show vorbereiten sollten. Die Nervosität ist ein vertrautes Gefühl - fast wie ein alter Freund, der uns immer begleitet. Wir haben uns seit über 15 Jahren unseres Lebens daran gewöhnt. Es ist also ein vertrautes Gefühl.

Ben: Die Nervosität gibt uns eher Energie. Angst haben wir nicht, weil wir wissen, dass wir es schaffen können. Wir standen schließlich schon viele Male auf der Bühne. Aber der ganze Körper wird etwas nervös und das Adrenalin geht ins Blut. Man will dann einfach raus auf die Bühne und loslegen. 

Habt ihr ein Ritual, das ihr immer macht, bevor ihr auf die Bühne geht?

Ben: Das ist eigentlich recht langweilig. Wir trainieren unsere Stimmen, damit wir auf der Bühne wie Engel singen können. Und ansonsten springen wir ein bisschen herum, um unseren Kreislauf in Schwung zu bringen. Simon trinkt einen Tequila, James trinkt seinen Wein...

James: ...ich trinke keinen Wein mehr vor dem Auftritt, sondern Smoked Tequila.

Ben: Tequila und etwas Eistee.

James: Aber ganz ehrlich: Die Magie passiert auf der Bühne. Keiner der Fans will dann wissen, was wir getan haben, bevor wir auf die Bühne gehen.

Ben: Das stimmt.

James: (lacht)

Wie würdet ihr die Magie beschreiben, die auf der Bühne passiert?

Ben: Das lässt sich eigentlich nicht in Worte fassen. Niemand weiß so genau, was die Magie ist. Aber man kann sie nicht kaufen und auch nicht in Flaschen abfüllen. Ich wünschte, man könnte sie abfüllen, denn wenn wir nicht auf der Bühne stehen, vermisse ich sie wirklich. Live zu spielen ist einer der Gründe, warum wir das machen.

James: Ich denke, es ist immer etwas Besonderes, wenn ein paar Leute kommen, um die eigene Band auf der Bühne zu sehen und unsere Songs anzuhören. Du kannst nie sagen, wie genau der Auftritt abläuft. Aber es geht dabei immer um Emotionen - vor allem das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. 

Ben: Man hofft einfach bloß, dass man auf der Bühne die Verbindung zum Publikum herstellen kann. Sobald du merkst, dass es eine gegenseitige Liebe ist - vom Publikum für die Band und andersherum - läuft alles super.

Was haltet ihr vom deutschen Publikum?

Ben: Ich liebe es.

Warum?

James: Ich denke, die Leute sind wirklich zuverlässig - sie scheinen hart zu arbeiten und auch genauso viel Party machen zu können.

Ben: Sie sind lustig. Die Deutschen sind wirklich sehr lustig.

Ich finde euch auch lustig.

Ben: Danke. Wir versuchen zumindest, lustig zu sein. Deutsche haben wirklich einen ausgezeichneten Humor und das ist vielleicht nicht allgemein bekannt, aber es stimmt auf jeden Fall.

Das Interview wurde auf Englisch geführt und zur Veröffentlichung ins Deutsche übersetzt.