Georg Koch, Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg in der Region Bodensee, nutzte seine Reise nach Worndorf, wo er als Orgelsachverständiger die zehn Jahre alte Stehle-Orgel in St. Mauritius auf eventuelle Mängel überprüfen musste, um die Orgel in einem Konzert der Öffentlichkeit vorzustellen. Wie Volker Nagel in seiner Begrüßung anmerkte, hat die Pfarrgemeinde die Renovierung der Kirche und den Neubau einer Orgel über viele Jahre gestemmt. Eine Liste der Patenschaften für über 230 genau benannte Orgelpfeifen war dem Programm beigefügt. Er fügte mit einem gewissen Stolz hinzu, dass der Orgelsachverständige keine Mängel feststellen konnte, sicher ein Hinweis auf die Qualität der Orgelbaufirma und die gute Wartung des Instruments.

Georg Koch eröffnete das Programm mit Werken, in denen die süddeutsch-italienischen Barockregister der Stehle-Orgel zur Geltung kamen: Die Toccata sexta von Georg Muffat, er war der einzige Barockkomponist, der sowohl die französische als auch die italienische Orgeltradition studiert hat, begann mit einem pompösen und glänzenden Plenum, die folgenden Teile kontrastierten mit Flöten; in der Aria detto Balletto von Girolamo Frescobaldi zeigte der Organist seine Registrierungskunst in renaissanceartigen Kombinationen. Er beachtete auch die Anweisung Frescobaldis, dass man auf dem vorletzten Ton etwas verharren solle.

Von Johann Jacob Froberger, Frescobaldis berühmtesten Schüler, erklang die selten gespielte Canzon IV, eine Kontrapunktstudie in mehreren Teilen, mit deutlich zeichnenden Registern. Neben der Kunst, aus einer beschränkten Zahl von Barockregistern eine solche Vielfalt von glänzenden oder pfiffigen Kombination herzuzaubern, gefiel die deutliche Artikulation in Barockmanier. Da diese Orgel ein Schwellwerk besitzt, eine romantische Errungenschaft, spielte Georg Koch nach dem ausgezierten Orgelchoral „Schmücke dich, o liebe Seele“ von Johannes Brahms mit weichen, dunklen Registern und strengem legato ein Andante cantabile aus einer Orgelsymphonie von Charles-Marie Widor mit An- und Abschwellen des Tons. Auf dem Weg zurück zur Barockzeit schloss Georg Koch das Programm nach einer Tierce en Taille von Francois Couperin, einer Spezialität der französischen Orgelmusik mit der Hauptstimme im Tenor, mit dem gewaltigen Praeludium in C (BWV 547) samt zugehöriger Fuge von Johann Sebastian Bach ab.

Georg Koch betonte: „Ein Werk von Bach ist bei einem Orgelkonzert natürlich Pflicht.“ Eindrucksvoll die Klangpracht dieser nicht allzu großen Orgel und wie Georg Koch die Fuge bis zu den unerhörten Dissonanzen steigerte, nach denen der Bass zum ersten Mal das Thema in der Vergrößerung intoniert. Für den Beifall und das Geschenk bedankte er sich, passend zur bevorstehenden Adventszeit, mit einer italienischen Pastorale. Die Zuhörer waren anschließend zu einem Empfang im Pfarrsaal eingeladen.