Der Genninger Hof steht in einem Waldgebiet zwischen Schwandorf und dem Liptinger Weiler Ederstetten. Zwei Wohngebäude bilden den Mittelpunkt der kleinen Ansiedlung. Doch derzeit hängt der Haussegen schief. Es gibt Streit. Direkt beteiligt sind die beiden Nachbarn sowie aus der Kreisstadt Tuttlingen das Baurechts- und das Veterinäramt.

Annette Probst-Stockmann arbeitet als selbstständige Physiotherapeutin am Krankenhaus in Engen. Ihre Freizeit hat sie einem Ziel verschrieben. Sie will mit ihrem Verein "Tierschutzhof Arche Himmelblau" Straßenhunde aus Rumänien retten, die dort großteils misshandelt worden sind. Dazu hat sie mit ihrem inzwischen getrennt lebenden Mann das ehemalige Bauernhaus auf dem Genninger Hof gekauft. Der Nachbar, Franz Schneider, hat zwar, wie er im SÜDKURIER-Gespräch sagt, nichts Generelles gegen Hunde. Ihn stört aber das Gebell vom Nachbargrundstück erheblich. Die beiden Nachbarn reden nicht miteinander, erklären aber beide, dass sie mit dem Nachbarn reden würden, wenn der einmal auf sie zukäme.

Wie Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald bestätigt, war der Nachbar vor einigen Jahren im Rathaus und beschwerte sich über den Hundelärm. Im Rahmen des Anhörungsverfahrens zum Bauantrag verwehrte Schneider seine Zustimmung. Bei dem Bauantrag geht es darum, im ehemaligen Kuh- und Pferdestall des Bauernhauses zwei moderne Zwinger einzubauen. Damit die Tiere in diesen Zwingern Licht haben und die Frischluftzufuhr gewährleistet ist, ist der Einbau von zwei Fenstern geplant. Wegen der damit verbundenen Fassadenänderung ist ein Bauantrag erforderlich. Durch diesen Bauantrag auf den Genninger Hof aufmerksam geworden, stellte die Bauaufsicht fest, dass es für das uralte Anwesen keine Bauplanung gebe.

Die musste der Verein, das heißt dessen Vorsitzende Probst-Stockmann, erbringen. Nun kommt als weitere Behörde das Veterinäramt ins Spiel. Bei einem Vor-Ort-Termin im November 2016, so bestätigt Landratsamtspressesprecherin Nadja Seibert, sei Annette Probst-Stockmann mitgeteilt worden, dass das Amt gegen den Ausbau des ehemaligen Stalls Bedenken habe. Begründung: mangelhafter Tageslichteinfall, fehlende Blickmöglichkeiten der Hunde aus dem Gebäude, schlechte Belüftungsmöglichkeiten und die Unterbringung zu vieler Hunde auf engem Raum. Das Amt schlägt beheizte Außenzwinger vor.

Probst-Stockmann betont, dass die Behörde inzwischen eingelenkt und der Nutzung des ehemaligen Stalls zugestimmt habe. Veterinäramt und Nachbar wären mit der von der Baurechtsbehörde als "Kompromissvorschlag" bezeichneten Lösung einverstanden, die Hundehaltung auf die Rückseite des Hofgebäudes zu verlagern. Das allerdings stößt beim Tierschutzhof-Verein auf Missfallen, weil dann die bisherigen Ausgaben für Freilandzwinger und Isolierstation umsonst gewesen wären.

 

Der Tierschutzverein

Der Verein "Tierschutzhof Arche Himmelblau" besteht seit 2009. Gegenwärtig sind rund 30 Mitglieder eingeschrieben. Der Verein arbeitet, so Annette Probst-Stockmann, mit Tierschützern und einem Tierarzt direkt in Rumänien zusammen. Die Tierschützerin versichert, dass alle gesetzlichen Bestimmungen der Bundesrepublik eingehalten werden. Weitere Informationen im Internet:www.arche-himmelblau.de