Neuhausen ob Eck – Es ist kein Gemeinderatsbeschluss. Aber der in Neuhausen schon lange ersehnte Kreisel an der Kreuzung Tuttlinger/Stockacher Straße kommt trotzdem nicht, zumindest nicht mehr 2016. Davon setzte Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald am Dienstag den Gemeinderat in Kenntnis. Im Zuge der Eilentscheidung habe er die Ausschreibung für dieses Jahr "anhalten" müssen. "Wir mussten die Reißleine ziehen", sagte der Amtschef, bevor er die Gründe für seine Entscheidung darlegte.

Man nehme Rücksicht auf die derzeit durch zahlreiche Umleitungen belastete Verkehrssituation der Stadt Tuttlingen. Da der Bau des Kreisverkehrs weiträumige Umleitungen notwendig mache, von denen auch Tuttlingen tangiert werde, habe die Straßenverkehrsbehörde die Gemeinde Neuhausen gebeten, den Bau zu verschieben. An zweiter Stelle nannte Osswald die Personalfluktuation beim Ingenieurbüro Planstatt Senner als Grund. Nachdem jetzt innerhalb eines guten Jahres schon der zweite Mitarbeiter dort gegangen sei, der die gesamte Planung für Neuhausen detailliert kenne, habe die Gemeinde momentan keinen eingespielten Ansprechpartner.

Auch finanzkalkulatorische Aspekte im Kontext der Ausschreibung selbst, der Jahreszeit und der Preisdynamik auf dem Markt seien mit in seine Entscheidung eingeflossen. Überdies stünden noch Kanalbau- bzw. Anschlussarbeiten aus einem Gemeinderatsbeschluss 2013 auf der Agenda. "Die hatten wir überhaupt nicht mehr auf dem Schirm", räumte Osswald ein. Die Ausschreibung dazu sei abgeschlossen; der Auftrag vergeben. Deshalb werde man 2016 noch die notwendigen Kanalarbeiten (etwa drei Wochen Bauzeit) vornehmen, um dann im neuen Jahr in aller Ruhe den Kreiselbau selbst angehen zu können. Für Erstgenannte seien auch keine weiträumigen Umleitungen notwendig. Lediglich die Unebenheit und "Schwelle" der Bundesstraße auf Höhe Einmündung Blumenstraße werde ausgeglichen, auch um Regressansprüche von Autofahrern ausschließen zu können.

Der geänderte Zeitplan für den Kreisel habe viele Vorteile: Rücksicht auf Tuttlingen und eine entspannte Abwicklung der Baumaßnahmen nacheinander. Überdies: "Die Situation mit den Anliegern ist nicht einfach, selbst wenn der Gemeinderat anderer Meinung ist", verwies Osswald auf noch bestehenden Klärungsbedarf, den der gedehnte Zeitplan möglicherweise stillen könne. Die Gemeinderäte hatten an der Eilentscheidung des Amtschefs nichts zu kritisieren. "Kritikwürdig ist allerdings die Performance von Planstatt Senner", griff Florian Stritzel einen der von Osswald genannten Gründe für die Verschiebung heraus.

Zur Kritik

Johann Senner vom Überlinger Planungsbüro Planstatt Senner nimmt zur Kritik des Gemeinderats gegenüber dem SÜDKURIER wie folgt Stellung: "Vor vier Jahren haben wir den Wettbewerb für die Ortsdurchfahrt gewonnen und arbeiten seither mit zwei bis drei Mitarbeitern an diesem Projekt. Die Projektleitung obliegt mir selbst, dadurch bin ich bei allen wichtigen Terminen auf der Baustelle und im Gemeinderat präsent. Unser Büro beschäftigt aktuell 50 Landschaftsarchitekten und Ingenieure. Viele unserer Mitarbeiter sind schon zehn, 15 und noch mehr Jahre im Büro. Alle Termine konnten bisher beim Projekt eingehalten werden. So auch die Fertigstellung des Leistungsverzeichnisses zum "Kreisel und Dorfplatz" im Juni 2016- Wir freuen uns weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung und dem Gemeinderat."