Nur unter günstigen Umständen wird der Kommunalforst im kommenden Jahr überhaupt noch einen kleinen Gewinn in die Rathauskasse tröpfeln. Das ist das Ergebnis des Bewirtschaftungsplanes der Kreisforstverwaltung für den Neuhauser Gemeindewald. Die Förster rechnen mit einem Überschuss von rund 10.000 Euro. Schon für 2019 mussten die Gewinnerwartungen für den Holzverkauf deutlich nach unten korrigiert werden. Statt der erwarteten 80.000 Euro bringen Tannen, Fichten und Buchen nur noch einen Gewinn von rund 42.000 Euro. 2018 hatte der Überschuss aus der Waldwirtschaft noch bei rund 60.000 Euro gelegen.

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Wie alle deutschen Wälder leidet auch der Neuhauser Forst unter den direkten und indirekten Folgen der beiden Trockenjahre 2018 und 2019. Diese Entwicklung skizzierten der Leiter der Kreisforstbehörde Karl-Heinz Schäfer und Revierleiter Harald Müller. Durch die anhaltende Trockenheit sind die Bäume geschwächt und bieten damit ein ideales Angriffsziel für die Borkenkäfer. Das Holz der davon betroffenen Nadelbäume bringt derzeit in vielen Fällen nur mit Mühe die Kosten der Aufarbeitung ein. Dadurch hat sich das Preisniveau auf dem Holzmarkt deutlich abgesenkt. Deshalb wird der Kampf gegen die Käfer im kommenden Jahr eine der Hauptaufgaben der Förster und der privaten Waldbesitzer sein. Schäfer: „Die befallenen Bäume müssen so bald als möglich aus dem Wald entfernt werden.“

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Harald Müller richtete den Appell an die Besitzer kleiner Privatwaldungen, sich ebenfalls durch Kontrollen in ihren Beständen am Anti-Käfer-Kampf zu beteiligen. Der Förster bedauerte, dass nicht alle Kleinprivatwaldbesitzer sich dieser Aufgabe stellten. Bevor die Forstverwaltung selbst eingreifen und einen befallenen Baum aus einem Privatwald entfernen darf, ist ein bürokratischer Weg zu beschreiten, der rund drei Monate dauert. Müller: „Das ist für eine erfolgreiche Käferbekämpfung viel zu lange.“ Denn in dieser Zeit seien bereits drei Generationen der Schadinsekten entstanden.

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Für 2020 hat die Forstverwaltung aus der Preislage am Holzmarkt Konsequenzen gezogen. In Neuhausen ist geplant, nur 70 Prozent der nach Forsteinrichtung möglichen Holzmenge zu fällen. Das entspräche, so rechneten die Förster vor, einer Menge von rund 1000 Festmetern. Allerdings wies der Revierleiter auf die großen Unsicherheiten hin. Niemand könne das Wetter oder die Entwicklung auf dem aus den Fugen geratenen Holzmarkt vorhersagen. Müller: „Sollte sich die Lage deutlich entspannen, können wir natürlich die 1000 Festmeter zusätzlich schlagen.“ Der Revierleiter betonte, das jetzt vorgelegte Zahlenwerk entspringe einer „sehr vorsichtigen Herangehensweise“.

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Die Unsicherheiten machten bereits 2019 die Planung der Förster zunichte. Nur 60 Prozent der geernteten Holzmenge erfolgte nach Plan. Die restlichen 40 Prozent waren „zufällige Nutzung“, also Käfer- oder Sturmholz. Trotz dieser Entwicklung zeigten sich die beiden Forstbeamten zuversichtlich, die Lage beherrschen zu können. Allerdings räumte Harald Müller ein: „Was wir für den Wald bräuchten, wäre ein regenreiches Jahr.“ Dabei sieht es im Bereich der südlichen Schwäbischen Alb im Vergleich zu anderen Gebieten in Baden-Württemberg und besonders in Norddeutschland mit dem Wald noch gut aus.

Situation in anderen Regionen noch dramatischer

Anderswo, so bewertete Schäfer, seien die Folgen der Trockenheit noch viel dramatischer. Der Amtsleiter zeigte Fotos aus den betroffenen Gebieten, auf denen ganze Waldstücke abgestorben sind. Besonders besorgt macht den Waldexperten, dass anderswo sogar die als robust geltenden Buchenbestände durch die Trockenheit deutlich geschädigt seien. Die Forstleute lokal und regional setzen trotz der Rahmenbedingungen auf Zukunft. 2019 wurde im Neuhauser Wald massiv mit Nadel- und Laubbäumen aufgeforstet. Darunter befanden sich zahlreiche Douglasien

Bürgermeister Osswald lobt Arbeit der Forstleute ausdrücklich

Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald lobte die Arbeit der Forstleute ausdrücklich. Der Verwaltungschef unterstrich, dass es eine gute Leistung sei, trotz der gegenwärtigen Rahmenbedingungen überhaupt noch einen Gewinn mit dem Holzverkauf zu erwirtschaften. Diese Leistung, so der Kommunalpolitiker, „sei aller Ehren wert“.

Abstimmung ohne neue Diskussion im Gemeinderat

Aufgrund eines Formfehlers musste der Gemeinderat noch einmal über die Forsteinrichtungserneuerung für den Zehn-Jahres-Zeitraum von 2020 bis 2030 abstimmen. Die erste Abstimmung am 18. Oktober sei, so Osswald, rechtlich ungültig, weil der Sitzungstermin im Gemeindemitteilungsblatt nicht angekündigt gewesen sei. Weil sich in der Zwischenzeit seit Oktober sachlich keine neuen Aspekte ergeben haben, stimmten die Bürgervertreter ohne neue Diskussion der Vorlage vom Oktober noch einmal einstimmig zu.

 

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