Für 1,4 Millionen Euro wird die Kerngemeinde in den kommenden Jahren hochwassersicher gemacht. Der Gemeinderat entschied sich in seiner Sitzung für ein neues Entwässerungskonzept, das 2,2 Millionen Euro billiger ist als der bisherige Lösungsweg, aber deutlich mehr Sicherheit vor Hochwasser bietet.

Auf den ersten Blick sind der Name Neuhausen und der Begriff Hochwasser nicht so ohne Weiteres unter einen Hut zu bringen. Neuhausen liegt auf der kargen und trockenen Hochfläche der Alb und ist ziemlich weit von jedem Bach oder Fluss entfernt, der für Hochwasser sorgen könnte. Trotzdem gab es 2009 und zuletzt im Juni 2016 nach Starkregen zahlreiche geflutete Keller mit deutlichen Schäden für die betroffenen Gebäudebesitzer. Der Grund dafür ist die bislang für Starkregenereignisse in diesem Ausmaß zu geringe Abflussmöglichkeit des Regenwassers.

Das Wasser, sagt Immo Gerber vom Itr-Ingenieur-Büro in Neuhausen, könne vor der tiefer als der Ort liegenden Kläranlage nicht ausreichend abgeleitet werden. Als Folge davon staut sich das Wasser im Kanal. Von oben gelangt neues Wasser in die schon vollen Rohre. Damit ist die Kapazität der Kanalleitung erschöpft. Das Wasser drückt durch die Schächte nach oben und führt in einigen Bereichen Neuhausens zu gefluteten Kellern.

Weil es im Außenbereich von Neuhausen keinen Bach, Fluss oder See gibt, muss das überschüssige Regenwasser über insgesamt drei Dolinen entsorgt werden. Das bisherige Regenwassermanagement sieht so aus, dass sich das Abwasser am Ortsrand in Richtung Kläranlage in einer gemeinsamen Leitung trifft. Die nächste Station vor dem Erreichen des Klärwerks ist das Regenüberlaufbecken (RÜB), das die Kläranlage vor Überschwemmung schützen soll. Von hier aus wird das Wasser in zwei kleine und eine große Doline in den Albuntergrund versickert.

Hier genau liegt, wie der Ingenieur beschreibt, der Flaschenhals. Denn bei starkem Regen sei das RÜB trotz seines Fassungsvermögens von 540 Kubikmetern in maximal fünf Minuten gefüllt. Die Dolinen haben aber auch nicht die notwendige Aufnahmekapazität. Dazu komme, so erläutert Gerber, dass der Wasserstand im gefüllten RÜB bei 1,90 Meter genau auf der Höhe des Kanalsystems liege. Gerber: "Das Wasser gleicht sich in der Höhe an und führt deshalb noch mit zum Rückstau."

Deswegen soll das neue RÜB unter die Erde gebaut werden. Dazu ist der Bau eines Regenrückhaltebeckens oberirdisch in Erdbauweise notwendig. Im Ort selbst muss das Kanalnetz nur an wenigen Stellen durch Rohre mit größerem Durchmesser verbessert werden. Nach der bisherigen Denkweise von Ingenieuren und Verwaltungsbeamten wäre das Kanalnetz insgesamt "aufdimensioniert" worden, um das überschüssige Wasser innerhalb des Kanalsystems "zwischenlagern" zu können. Inzwischen hat auch die Wasserwirtschaftsverwaltung dem neuen Lösungsweg zugestimmt.

Niedrigere Kosten

Der Gemeinderat billigte das Honorar von 357 000 Euro an das Itr-Büro. Die Summe kann aus jenen 700 000 Euro finanziert werden, die ursprünglich für die Aufdimensionierung des Kanalnetzes bestimmt waren. Die alte Methode mit dem Auswechseln von 7,3 Kilometer Kanalleitung hätte fast elf Millionen Euro gekostet, von denen die Gemeinde 3,6 Millionen Euro hätte bezahlen müssen. Dem steht nun bei Kosten von 2,7 Millionen Euro ein Eigenanteil von 1,4 Millionen Euro gegenüber.