Messer, die auf Tellern kratzen. Schmatzen. Nasse Haare. Die meisten tragen Flip-Flops oder Adiletten. Smartphones hängen an den Steckdosen. Alle sind belegt. Hinter der Theke des Vereinsheims steht Bernd Jung. Zufrieden beobachtet er seine Gäste, die geradewegs vom Southside-Festival zu ihm kommen. Eine warme Dusche, einen frisch gebrühten Kaffe und etwas anständiges zu Essen ist alles, was sie nach einer durchzechten Nacht noch brauchen. 

Frühstück kostet 6,50 Euro

Seit 13 Jahren öffnet Bernd Jung, stellvertretender Vereinsvorstand, die Duschen des Vereinsheims in Neuhausen ob Eck für Festival-Besucher. Kein Wunder, denn das Sportheim liegt nur wenige hundert Meter von den Zeltplätzen entfernt. In dieser Zeit hat Jung viel gesehen und noch mehr erlebt. Dankbarkeit, Lebensfreude und Entspannung statt lauter Musik und Pöbelei - das ist ihm in der prägenden Zeit hängen geblieben. "Alle sind einfach nur froh an einem ruhigen Ort duschen und essen zu können", sagt er in einem gemächlichen Ton. Das Frühstück mit zwei Brötchen, einem gekochten Ei, Käse, Wurst, Nougataufstrich und Marmelade kostet 6,50 Euro. Mittags gibt es Schnitzel mit Pommes oder Spaghetti Bolognese.

Ruhig? Gemächlich? Duschen? Keine Umschreibungen, die zwangsläufig zu einem Musikfestival passen. Doch genau das ist es, was den TSV Neuhausen während des Southsides ausmacht. "Die Gäste haben keine Lust auf Krach und schlechte Laune. Seitdem wir das machen, gab es keinen einzigen Zwischenfall", betont Jung. Das liege nicht nur an den Festivalfans selbst, sondern auch am erfahrenen Personal. Wer rund 200 Gäste bewirten möchte, braucht ein starkes Team im Rücken. Im Schnitt arbeiten laut Jung rund 45 bis 50 Ehrenamtliche an diesen drei Tagen - im Schichtdienst versteht sich. Am Samstag Vormittag waren drei in der Küche, zwei in den Duschen, vier im Service, zwei hinter der Theke und ein Springer im Einsatz. Der Springer schafft Getränkekisten an, verteilt das Essen unter den Hungrigen, spült das dreckige Geschirr oder besorgt frische Brötchen beim nahe gelegenen Bäcker. Doch die Vorbereitungen auf das diesjährige Southside-Festival laufen bereits seit Anfang April auf Hochtouren. Dieses Jahr sind einige Stammkräfte nicht dabei, auf die Jung in der Vergangenheit zählen konnte. Er musste nach neuem Personal Ausschau halten und würde fündig. Fünf neue Einsatzkräfte sind dabei und packen kräftig mit an. 

"Die meisten kennen wir hier auch schon beim Namen"

"Über die letzten Jahren hat sich da eine wahnsinnige Mannschaft gebildet. Wir können uns aufeinander blind verlassen", sagt Elfie Tschech, Vereinsvorsitzende des TSV Neuhausen ob Eck. Die Mitarbeiter verzichten auf eine Vergütung und sind größtenteils Vereinsmitglieder. Die Einnahmen kommen dem Verein zu Gute. "Obwohl man denken könnte, dass wir hier den Einsatz des Jahres erwirtschaften, haben wir faire Preise. Wasser, Strom und Wareneinsatz muss man natürlich abziehen. Da bleibt nicht übermäßig viel übrig", sagt Tschech. Warum der Verein trotzdem seine Tore für Festivalgänger öffnet? Tschech und Jung haben viele neue Freunde und Bekannte gefunden. "Die meisten kennen wir hier auch schon beim Namen. Wir freuen uns auf den Stress und die Leute wiederzusehen, die jedes Jahr herkommen", sagt Bernd Jung. 

Marcus Brechthold, Markus Hensler und Olaf Gerhardt kamen schon am Freitagmorgen auf die sonnige Terasse des Vereinsheims - und blieben bis 16 Uhr. "Seit sieben Jahren kommen wir immer her. Es ist einfach familiär und eigentlich wie Urlaub für uns", meint Brechtold. Der Mann aus Owingen am Bodensee trägt eine umgedrehte Kappe, Drei-Tage-Bart und Unterhemd. Er wirkt seriös, abgeklärt und entspannt. Genau wie seine Begleiter. "Dieses Jahr sind wir zum ersten Mal mit unserer Familie hier. Wir fühlen uns wie immer wohl", sagt Gerhardt. Der 51-Jährige schätzt vor allem die Herzlichkeit, die ihm beim TSV Neuhausen ob Eck entgegengebracht wird: "Auf dem Festivalgelände ist es sehr laut und voller Dreck. Hier haben wir einen Ort, an dem wir freundlich bedient werden und uns zurückziehen können."  

Vereinsheim arbeitet am Limit

Werbung für die Aktion seines Vereins kann Jung gar nicht gebrauchen: "Wir waren in den letzten Jahren schon am absoluten Limit. Die Kapazitäten im Sportheim sind begrenzt." Am Tag werden im Durchschnitt 100 Schnitzel gebraten, und rund 100 Frühstücke vorbereitet. Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich beeilen: Belegte Brötchen mit Marmelade und Wurst gibt es nur am Samstag und Sonntag.