Die eingefleischten Fans von Marteria haben es bereits erlebt. Es ist fast schon ein Ritual. Beim Soutshide-Festival wird er es in diesem Jahr wohl wieder machen: Der Rapper lässt am Ende seiner Live-Auftritte gerne ein Schlauchboot durch die Menschenmenge tragen. Auf Zuruf geht es los. Die Zuschauer feuern dann ihre Pfandbecher zielgenau auf das Boot.

Das kollektive Werfen ist ein skurriler Anblick – mit einem sozialen Hintergedanken. Hinter der Aktion steckt Benjamin Adrion, er ist Gründer und Geschäftsführer des Vereins Viva con Agua. Je mehr Becher in Marterias Boot landen, umso mehr Spenden fließen an die Hilfsorganisation. Der Becherpfand wird umgemünzt und fließt in das Ziel des Vereins: sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen für Menschen, die es dringend benötigen.

Viele Kontakte durch die Szene in Hamburg

Das Southside bietet für diesen Zweck die große Bühne. Der Festival-Veranstalter – FKP Scorpio – und Viva con Agua sind seit zehn Jahren eng miteinander verbunden. Die Hamburger Szene machte es möglich, beide Organisationen haben dort ihren Sitz. "Ist man einmal im richtigen Kreis, dann ist Hamburg eine kleine Stadt. In St. Pauli haben wir nach und nach mehr Leute kennengelernt, wie beispielsweise Fettes Brot und Bela B. Mit vielen Musikern kommen wir viel auf den Festivals in Kontakt, unter anderem mit Marteria", sagt Benjamin Adrion, der vor seinem Engagement bei Viva con Agua für den FC St. Pauli als Fußballer auf dem Platz stand.

Sieben Unterstützer im Line-Up des Southside

Der Kontakt zu den Künstlern zahlt sich aus. Sie sind die Gesichter des Vereins auf jedem Festival. Sie erreichen hunderttausende Besucher. Und sie tragen den Namen der wohltätigen Organisation nach außen. Speziell zu den jungen Menschen. Alleine mit den Unterstützern aus dem Line-Up des diesjährigen Southside könnte ein kleines Festival entstehen. Marteria, Mighty Oaks, Die Beginner, Feine Sahne Fischfilet, Prinz Pi, Bonaparte und Samy Deluxe – sie alle sind dem Verein verbunden. In welcher Art und Weise entscheiden sie selbst, erklärt Benjamin Adrion: "Wir sprechen mit den Künstlern, welche Projekte sie sich vorstellen können. Sie machen dann das, auf was sie Lust haben."

Marteria und der Stuttgarter Rapper Maeckes reisten beispielsweise zusammen nach Uganda, um sich vor Ort ein Bild über die dortigen Brunnen und sanitären Einrichtungen ihres Projekts zu machen. Der Verein hat derzeit weitere Projekte in Ruanda, Äthiopien, Kenia und Nepal zur Verbesserung der dortigen Wasserversorgung.

35 Becherjäger sind auf dem Gelände unterwegs

Ob Marteria in diesem Jahr das Schlauchboot zum Spendensammeln auf das Southside mitbringt, ist noch nicht klar. Sicher ist jedoch, dass es auf dem Festival-Gelände auch ohne Zutun des Rappers fleißig gesammelt wird. In diesem Jahr sind 35 Becherjäger unterwegs. Es sind Freiwillige, die die Pfandbecher der Besucher sammeln und die Projekte des Vereins auf dem Gelände vorstellen.

Der Vorteil: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten freien Zugang zum Festival. Benjamin Adrion erklärt die Intention: "Wir wollen soziales Engagement mit Freude verbinden. Sie haben dort eine gute Zeit und bekommen ein gutes Gefühl."

"Ich weiß nicht einmal, ob es noch einen Vertrag gibt"

Am 22. Juni startet dann für die Becherjäger in Neuhausen ob Eck die Arbeit und das Vergnügen. Sie sind Teil des 20-jährigen Jubiläums vom Southside. Für Benjamin Adrion und Viva con Agua ist das Festival ein Stück Familie geworden. "Wir sind über die Jahre so zusammen gewachsen. Ich weiß nicht einmal, ob es noch einen Vertrag gibt", sagt der Initiator der Hilfsorganisation und blickt schon in die Zukunft: "Ich wünsche mir, dass wir auch noch den 30. Geburtstag zusammen feiern."