Zelte bis zum Horizont, Ravioli aus der Dose und tanzende Menschen zu Gitarrenriffs und brummenden Bässen – das ist das Southside-Festival. Am 22. Juni beginnt in diesem Jahr das dreitägige Open-Air-Fest mit rund 60.000 Musikfans in Neuhausen ob Eck. Wer keinen blassen Schimmer vom Festival hat, bekommt die wichtigsten Fakten zum Festival zusammengefasst: Wie hat sich das Southside entwickelt? Welche Tragödien haben sich in der Geschichte ereignet? Wer ist der Veranstalter hinter dem Festival? Welche Musikrichtung wird eigentlich gespielt?

1. Der Weg von 15.000 zu 60.000 Besuchern: Eine Festival-Institution in Süddeutschland

Der Geburtsort des Southside-Festivals liegt in Bayern. Genauer gesagt auf einem ehemaligen Flugplatz in Neubiberg bei München. 15.000 Besucher waren am 26. Juni 1999 auf dem zweitägigen Festival, das mit einem Eklat endete: Der Rockmusiker Marilyn Manson beleidigte bei seinem Auftritt am zweiten Tag betrunken das Publikum und zog nach zwanzig Minuten von der Bühne ab. Ein Teil der Zuschauer randalierte danach auf der Bühne und ließ seine Wut an der Ausrüstung der Band aus. Für das Southside war es das erste und letzte Mal in München: Die Veranstalter mussten sich wegen des Vorfalls ein neues Areal suchen.

Die Wiedergeburt fand schon im nächsten Jahr in Baden-Württemberg statt. Die 4000-Einwohner-Gemeinde Neuhausen ob Eck ist seitdem die Heimat des Southside Festivals. Ein ehemaliges Bundeswehrgelände bietet dort den jährlichen Heerscharen an Musikfans genügend Platz zum Feiern. Übrigens: Der Auftakt im Jahr 2000 misslang mit nur 12.000 Besuchern völlig. Die Beliebtheit und der Zulauf steigerte sich seitdem aber kontinuierlich. Ab 2003 dauerte das Festival dann auch wieder drei Tage lang.

Der Beweis für die enorme Entwicklung: Neun Jahre nach dem missratenen Festival-Start wurde die Kapazität des Geländes vom Veranstalter auf 55.000 Besucher erhöht. Der absolute Boom für das Festival brach ein Jahr später im Jahr 2010 aus. Laut Veranstalter hätten 100.000 Karten verkauft werden können. Seit 2013 gibt es für die Open-Air-Veranstaltung Platz für 60.000 Besucher.

2. Sturmböen und Todesfall: Die schweren Zeiten auf dem Southside

Es war ein schwarzer Tag in der Geschichte des Festivals: Ein schweres Unwetter zerstörte im Jahr 2007 während der Aufbauten eine Zeltbühne. Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe wurde von einem umherfliegenden Metallrohr verletzt und starb wenig später im Klinikum in Tuttlingen. Zwei weitere Rettungsdienst-Mitarbeiter wurden durch den Sturm schwer verletzt. Das Festival fand dennoch statt, durch die schweren Schäden mussten jedoch alle 17 Konzerte auf der Zeltbühne abgesagt.

Starkregen und Windstärken von 100 Kilometer pro Stunde verhinderten vor zwei Jahren das Festival: Nicht ein einziger Headliner konnte auftreten. Am ersten Festival-Tag mussten am frühen Abend die ersten Bandauftritte abgesagt werden. Die Besucher mussten Schutz in ihren Fahrzeugen suchen. 

Schlussendlich musste das Festival mit 82 leicht verletzten Menschen abgebrochen werden. Der Bürgermeister von Neuhausen ob Eck, Hans-Jürgen Osswald, sagte damals: „Das war nach meinem Kenntnisstand das bisher schwerste Unwetter in der Gemeinde."

3. Der Veranstalter FKP Scorpio: Die Eltern von Southside und Hurricane

Der Nabel der Festival-Welt liegt in Hamburg: Dort hat die FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH ihren Sitz. Von der Hansestadt aus betreibt der Veranstalter neben dem Southside auch das Schwesterfestival Hurricane mit 70.000 Besuchern in Norddeutschland. Zudem stehen mit dem Deichbrand, Highfield-Festival, Chiemsee Summer und M’era Luna Festival weitere populäre deutsche Festivals unter der Verantwortung von FKP Scorpio.

Seit der Gründung 1990 hat sich der Konzert- und Festivalbetreiber weiterentwickelt. Neben 23 internationalen Festivals ist FKP Scorpio der Tourneepartner von The Rolling Stones, Foo Fighters, Ed Sheeran oder James Blunt. Die beiden Geschäftsführer Folkert Koopmans und Stephan Thanscheidt haben dafür ein Team von rund 100 Mitarbeitern im Unternehmen, um in eigenverantwortlicher Planung die Festivals, Konzerte und Tourneen auszurichten. Der gute Kontakt des Unternehmens zu den Künstlern macht sich bezahlt, die Künstler kommen gerne in die kleine Gemeinde nach Baden-Württemberg, wie der Presseverantwortliche Jonas Rhode von FKP Scorpio bestätigt:"Das Southside ist eine Institution und genießt bei den Künstlern einen sehr guten Ruf. Das erleichtert unsere Arbeit für das Booking schon maßgeblich."

4. Das Musikangebot: Rock, Alternative, Hip-Hop und Elektro auf vier Bühnen

Ein reines Rock-Festival ist das Southside nicht mehr. "Ein gutes Festivalerlebnis lebt unserer Ansicht nach auch von musikalischen Neuentdeckungen, daher haben wir gezielt neue Richtungen und Formate eingeführt", so Pressesprecher Rohde. In diesem Jahr sind auf vier Bühnen Künstler aus den Sparten Rock, Alternative, Hip-Hop und Electro zu sehen.

Die Headliner kommen dennoch aus der Rockbranche: Arctic Monkeys, Arcade Fire, The Prodigy und Billy Talent sind die großen Namen in diesem Jahr. Mit der Band Kraftklub gibt es für die Besucher Sprechgesang mit Rock auf Deutsch. Dazu gesellen sich neue Gesichter aus dem deutschen Hip-Hop wie Rin oder Sxtn, aber auch etablierte Rap-Künstler wie Materia, Samy Deluxe oder Dendemann.

Für die ruhigeren Klänge sorgen in diesem Jahr James Bay oder das Geschwister-Duo Angus & Julia Stone. Mit Angeboten wie der White Stage, bei der Elektro-Fans ihre Heimat finden, ist jede Musikrichtung auf dem Festival verortet. Insgesamt werden mehr als 100 Musiker über drei Tage hinweg für tanzende Beine und nickende Köpfe auf dem Festival sorgen.