Vier Mitdreißiger entspannen in Campingstühlen. Auf dem Holztisch vor ihnen steht eine Whiskeyflasche. Noch ist sie voll - das wird sich in den nächsten Stunden wahrscheinlich ändern. Hinter der Sitzgruppe sind zwei Holzpfähle in den Boden gerammt. An ihnen wehen bordeauxrote Fahnen im Wind. Sie erinnern an Gryffindor-Banner bei Harry Potter und markieren den Eingang in ihr Luxusdomizil auf dem Southside-Festival.

Zu alt für Isomatte und Schlafsack

Im großen, weißen Zelt stehen vier Betten mit frisch bezogener Matratze, flauschigen Kissen und Bettdecken. Über ihnen hängt ein Kronleuchter mit Perlen aus Glas – irgendwie kitschig. „Den haben wir uns von Zuhause mitgebracht. Der muss einfach dabei sein“, sagt Markus Leut und hält dabei eine Dose Bier in die Höhe. Der 39-Jährige mit Drei-Tage-Bart trägt schwarze Shorts und Flip-Flops - auf dem Kopf eine Baskenmütze und ein graues T-Shirt. Mit lässig wirkender Zigarette im Mundwinkel gibt er zu verstehen: „Für den normalen Campingplatz sind wir einfach zu alt.“

„Es ist wie ein kleines Hotel"

Und Lara Müller ergänzt: „Die Leidensfähigkeit der jungen Leute haben wir nicht mehr.“ Deshalb  erlebt sie mit ihren drei Freunden dieses Jahr zum ersten Mal das Gold-Ressort auf dem Southside-Festival. „Es ist wie ein kleines Hotel. Nach der Anmeldung an der Rezeption wurden wir zu unserem aufgebauten Zelt geführt“, sagt sie. Die Taschen mussten sie nicht selber tragen. Die vier Freunde sind eingefleischte Festivalfans: Jährlich kommen sie auf unterschiedlichen Festivals zusammen. Sonst sehen sie sich nur selten. Ihre Jobs haben sie nach München, Nürnberg und Bern verschlagen - das Festival bringt sie immer wieder zusammen.

Bild: Sebastian Küster

Bettdecken und Kissen inklusive

Für das Southside haben sie sich extra Urlaub genommen. Den wollen sie mit ein bisschen Luxus und Ruhe genießen. In ihrem Zelt liegt ein hellbrauner Teppich mit Perser-Aufdruck.  Rote Sitzsäcke, ein kleiner Tisch aus Europaletten und ein Papierbild mit einer englischen Jagdszene komplettiert die Inneneinrichtung. Die Matratzen liegen auf einer gefalteten Konstruktion aus Hartpappe. „Die erste Nacht haben wir wirklich gut geschlafen“, sagt Lara Müller mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

150 Euro Kaution

Für die Luxusvariante bittet der Veranstalter des Southside, FKP Scorpio, ordentlich zur Kasse. Pro Person müssen die Festivalgänger 569 Euro berappen. 150 Euro Kaution kommen noch hinzu. „Für uns hat sich das allemal gelohnt. Wir fühlen uns sehr wohl. Wir sind älter und können uns das jetzt leisten“, sagt Lara Müller. Vor vier Jahren haben sie beschlossen nicht mehr wie alle anderen zu kampieren. Zwischen dem Gestank von Urin und den Müllbergen fühlten sie sich nicht mehr wohl. Und wohl auch zu alt, meint Lara Müller: „Im Resort ist der Altersdurchschnitt höher, wir haben auch viele Schweizer in der Nachbarschaft.“ Gegen fünf Uhr will die Gruppe zu den ersten Auftritten auf das Gelände.  Bis dahin bleiben sie in ihrer kleinen Oase und trinken ihren mitgebrachten Whiskey.