Eine Großveranstaltung bot sich vergangenen Sonntag den etwa 2500 Besuchern beim 21. Volksmusiktag im Freilichtmuseum Neuhausen. Liebhaber der Volksmusik erlebten vielfältige Musik, Gesang und Volkstanz hautnah. Das Motto hieß: Zuhören und mitmachen. Ohne Bühne, ohne Lautsprecher, ohne Abgrenzungen wurde jeder zu einem Teil des Geschehens. Harmonika, Kontrabass, Geige, Harfe, Hackbrett, Gitarre, Trompete, Tuba, Sackpfeife in verschiedenen Kombinationen erklangen aus Scheunen, Stuben, Häusern, Winkeln und Plätzen im passenden Ambiente des Museumsdorfes.

Rund 30 Gruppen kamen zum Volksmusiktag Baden-Württemberg aus dem Ländle und Umgebung. Rolf Lutz in Begleitung von Agnes Rees aus Neuhausen war begeistert: "Wir kommen jedes Jahr. Es ist immer super, immer angenehm und alles ohne Mikro." Museumsleiterin Almut Grüner erklärte zu den Gruppen: "Der Landesmusikrat Baden-Württemberg entscheidet nach einer Ausschreibung über die Teilnehmer. Es geht um traditionelle Volksmusik mit historischen Wurzeln bis ins Mittelalter."

Dabei erklang die Musik auch aus mehreren Ecken gleichzeitig: In der Stube vom Bärbelehaus lauschte man andächtig den "Museumsschwalben". Aus der Scheune heraus unterhielt "Spundlochmusig" das Publikum vom Platz davor. Johannes Gleim und Heidrun Schlegel waren schon am Vortag aus Oberursel (Hessen) angereist. Doch bevor sie mehr erzählen konnten, waren sie schon weg: Trotz schrägem Boden tanzten sie begeistert in ihrer Tracht. "Sie müssen entschuldigen", sagte Gleim wenig später bei seiner Rückkehr. "Das war ein Dreischrittdreher-Tanz, das gibt es selten." Sein Fazit lautet: "Es ist eine tolle Veranstaltung. Wir kommen jedes Jahr!"

Bei der "Spundlochmusig" und den "Stäffelesgeigern" aus Cannstatt wurden die beiden mit vielerlei Tänzen versorgt. Kinder wiederum durften im Stall Haberstenweiler einfache Musikinstrumente bauen. Dabei unterstützten sie Ingrid und Anna-Lena Kümpflein sowie Verena Kästle. Nebenan war ein Tanzkurs für die Großen mit Stefan Christl und "DanzMäG". Für Kinder übte Ursel Hohner auf dem Tanzboden des Dorfplatzes. Der Kinder-Singkurs war passend im Klassenzimmer mit Franziska Wagner, die später in der Kirche Tischhardt eine Singstunde hielt.

Zwischendurch konnte man den Instrumentenbauern ihre Geheimnisse entlocken: beim Geigenbauer Albrecht Löbner im Bauernhaus Biehle, beim Lautenbauer Ekkehard Sachs im kleinen Taglöhnerhaus und beim Akkordeonbauer Pedro Gomes im Weberhaus Dautmergen. Im Bauernhaus Mariazell fand sich in der Hocheinfahrt die Gruppe Stubenmusik aus Ulm-Gögglingen. "Wir sind zum zweiten Mal dabei. Uns hat's gefallen", sagte Heinz Frenkenberger. Neben der Schmiede spielte die Gruppe Radolfzeller Mundharmoniker alte Weisen mehrere Strophen. "Sie haben es leicht, Sie brauchen nicht singen – und uns fehlt der Text" meinte eine Besucherin. "Nächstes Mal mitbringen", war zu hören. Und das nächste Mal kommt bestimmt.