Seit Jahresbeginn 2021 hat Meßkirch ein Krematorium. Betreiber ist die „Feuerbestattung Meßkirch GmbH“. Es ist das erste Krematorium im Landkreis Sigmaringen. Bislang waren Verstorbene aus der Region zur Feuerbestattung nach Tuttlingen, Villingen-Schwenningen, Konstanz oder Singen überführt worden.

Ofen und Abgaskanal mussten neu aufgebaut werden

Nach gerade mal sechs Feuerbestattungen musste das Krematorium im Februar aufgrund eines Wasserschadens, der durch Schneeschmelze und Starkregen in der Anlage entstanden ist, den Betrieb bis Ende Juli einstellen. Der Dämmstoff hinter den Schamottesteinen der Ofenanlage hatte sich mit Wasser vollgesogen, der komplette Ofen und Abgaskanal mussten abgerissen und neu aufgebaut werden. Bereits vor der Genehmigung hatte sich 2019 eine Bürgerinitiative gegen das Vorhaben formiert, das in der Ziegelbühlstraße eingebettet zwischen Friedhof und Bestattung Stoll liegt.

Jede Feuerbestattung muss vom Ordnungsamt genehmigt werden

Berater Hans Martin Herbrechtsmeier führt SÜDKURIER-Mitarbeiterin Sandra Häusler nach der Wiederinbetriebnahme durch das Krematorium. Eine Feuerbestattung ist Länderrecht und in Baden-Württemberg durch das Bestattungsgesetz und die Bestattungsverordnung geregelt.

Blick vom Friedhofparkplatz auf den Kamin des Krematoriums: Es sind weder Rauch noch Geruch oder Lärmgeräusche zu sehen, riechen oder zu ...
Blick vom Friedhofparkplatz auf den Kamin des Krematoriums: Es sind weder Rauch noch Geruch oder Lärmgeräusche zu sehen, riechen oder zu hören. Das Abgassystem wurde aufgrund der Bedenken von Bürgern zusätzlich noch mit einem Aktivkohlefilder ausgestattet. | Bild: Sandra Häusler

Als Regelbestattung gilt dabei die Erdbestattung. „Jede einzelne Feuerbestattung muss vom Ordnungsamt genehmigt werden, weil sie außerhalb der Regel liegt“, erklärt Berater Hans Martin Herbrechtsmeier.

Zweite Leichenschau ist notwendig

Zunächst muss ein klarer Auftrag des Verstorbenen in Form eines Papiers vorhanden sein, anderenfalls dürfen die nächsten Angehörigen als Bestattungspflichtige über die Bestattungsform bestimmen. Vor der Feuerbestattung im Krematorium muss in einer zweiten Leichenschau durch einen Amtsarzt bestätigt werden, dass es keine Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod gibt. Sollten sich Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod finden, wird die Kriminalpolizei informiert die dann dafür sorgt, dass die Todesursache aufgeklärt wird.

Zusatzausbildung an Bestatterschule

Steffen Collavo (49 Jahre) ist Kremationstechniker und seit Jahresbeginn bei der „Feuerbestattung Meßkirch GmbH“ beschäftigt. Kremationstechniker ist eine Zusatzausbildung, die in der Bestatterschule angeboten wird. „Wichtig ist, im Zustand des Todes mit den Menschen pietätvoll, würdig und seriös umzugehen“, unterstreicht Hans Martin Herbrechtsmeier ausdrücklich.

Das Krematorium in Meßkirch verfügt laut dem Anlagenbauer über die aktuell modernste Ofenanlage in Deutschland.
Das Krematorium in Meßkirch verfügt laut dem Anlagenbauer über die aktuell modernste Ofenanlage in Deutschland. | Bild: Sandra Häusler

Der Prozess, in dem der Körper eines Verstorbenen im Krematorium zu Asche verbrannt wird, wird als Feuerbestattung, Kremation oder Einäscherung bezeichnet. Die Angst, die noch in vielen Köpfen herumgeistert, dass „Scheintote“ kremiert werden könnten, entkräftet der Berater: „Dies kann durch die vorgeschriebene zweite Leichenschau ausgeschlossen werden!“

Messcomputer misst die Schadstoffemission

„Wir haben laut Anlagenbauer aktuell die modernste Anlage in Deutschland, gerade auch was die Abgasreinigung betrifft“, schildert Herbrechtsmeier. Ein Messcomputer misst dauerhaft die Schadstoffemission. Diese Werte werden an das Landratsamt übermittelt.

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Aufgrund der Bedenken der Anwohner im Vorfeld der Genehmigung wurde die Abgasreinigung des Meßkircher Krematoriums zusätzlich mit einem speziellen Aktivkohlefilter ausgestattet. Dieser sei nicht vorgeschrieben, bietet jedoch zusätzliche Sicherheit, so Herbrechtsmeier. Den Kremationsvorgang steuert Steffen Collavo vollautomatisch über das Computersystem.

Für Angehörige steht ein Abschiedsraum zur Verfügung

Per Funkchip haben Bestatter 24 Stunden, sieben Tage die Woche, Zugang zum Bestatterbereich des Krematoriums.
Per Funkchip haben Bestatter 24 Stunden, sieben Tage die Woche, Zugang zum Bestatterbereich des Krematoriums. | Bild: Sandra Häusler

Die Bestatter haben über einen Funkchip 24 Stunden, sieben Tage die Woche, Zugang zum Bestatterbereich des Krematoriums, um Verstorbene zu überführen oder in den ihnen zugewiesenen Abholfächern Urnen zur Bestattung abzuholen. Im Eingangsbereich können Angehörige von dem Verstorbenen im Abschiedsraum vor der Feuerbestattung Abschied nehmen, oder auch, was in seltenen Fällen gewünscht wird, der Feuerbestattung durch die geöffnete Flügeltür beiwohnen. Auf Wunsch teilen die Mitarbeiter den Angehörigen den Zeitpunkt der Einäscherung mit. Viele stellen während dieser Zeit zum Gedenken an den Verstorbenen eine brennende Kerze ins Fenster. Nach der Kremierung besteht die Möglichkeit, über die Mitarbeiter in die Urne ein kleines Schmuckstück oder ein kleines „Brieflein“ beizugeben, bevor sie versiegelt wird.

Betreiber kann sich eine Bürgerführung vorstellen

Die Feuerbestattung Meßkirch GmbH plant, den Gemeinderäten und Amtsleitern eine Besichtigung anzubieten. Ferner können sich Geschäftsführer Tilo Herbrechtsmeier und Berater Hans Martin Herbrechtsmeier vorstellen, eine Bürgerführung außerhalb der Betriebszeiten anzubieten. „Ich weiß, dass es ein großes Interesse gibt“, sagt der Geschäftsführer.