Der kirchliche Feiertag Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 13. Mai, ist mehr als nur „Vatertag“. Die Rückkehr Jesu in den Himmel feiern die Gläubigen seit Jahrhunderten mit Flurprozessionen. Feld-, und Wegkreuze sind Stationen dieser Flurprozessionen. Aufgrund der Corona-Pandemie sind diese Prozessionen in diesem Jahr nicht möglich.

Das Gemeindeteam Dietershofen-Rengetsweiler hat sich jedoch eine interessant „Alternative“ ausgedacht. Auf einem sechs Kilometer langen Rundweg zeigen Wegkreuze in Rengetsweiler und Dietershofen den Sonnengesang „Laudato Si“ von Franz von Assisi und das geschwisterliche Verhältnis von Franziskus zur Schöpfung in Text und Bild auf. Die fünf Feldkreuzstationen in Dietershofen, zwölf Feldkreuz-Stationen in Rengetsweiler und am Kriegerdenkmal am Friedhof sind als Rundweg angelegt.

Gemeindeteam arbeitet seit Herbst zusammen

Bereits im Herbst habe das neu gegründete zwölfköpfige Gemeindeteam Dietershofen-Rengetsweiler überlegt, welche Angebote für die „Gemeinde vor Ort“ angeboten werden können und in der Adventszeit und Fastenzeit Impulse angeboten. „Früher gab es an Christi Himmelfahrt Flurprozessionen mit vier Wegkreuzstationen von Dietershofen nach Rengetsweiler und zurück“, erinnert sich Regina Krall vom Team. „Oft gerät die ursprüngliche Bedeutung der Feiertage in Vergessenheit“, weiß die Dietershoferin. „Um diese Zeit blüht und wächst alles in Fülle“, beschreibt Veronika Ehrenmann aus Rengetsweiler. Gerade sei der richtige Zeitpunkt, um dafür danke zu sagen und zum Erhalt der Schöpfung zu ermahnen.

18 Stationen auf der sechs Kilometer langen Strecke

An jeder der insgesamt 18 Stationen gibt es von Donnerstag, 13. Mai bis Sonntag, 16. Mai einen Text, eine Lesung zur Schöpfung und Lieder. „Zu jeder Station gibt es ein ganz besonderes passendes Bild“, erläutert Regina Krall. Die stimmungsvollen Schöpfungsbilder hat das Gemeindeteam aus dem Freundes-und Familienkreis erhalten. Einige Kreuze werden mit Blumen geschmückt. „Jeder hat sich mit seinen Fähigkeiten und Interessen in die Aktion eingebracht“, freut sich Gemeindeteammitglied Veronika Ehrenmann aus Rengetsweiler.

Die Holzpfosten für die Beschilderung an den „Schöpfungs-Stationen“ fertigte Eduard Liehner (links). Simone Seßler und Tochter Rosali wollen sich auf die „Suche“ nach den Feldkreuzen in den Ortsteilen begeben.
Die Holzpfosten für die Beschilderung an den „Schöpfungs-Stationen“ fertigte Eduard Liehner (links). Simone Seßler und Tochter Rosali wollen sich auf die „Suche“ nach den Feldkreuzen in den Ortsteilen begeben. | Bild: Sandra Häusler

Ein zentrales Feldkreuz steht in Rengetsweiler Richtung Dietershofen, das „Seßler“-Kreuz. Anwohnerin Simone Seßler war überrascht, über die große Anzahl der Feldkreuze in den beiden Ortsteilen und sagt: „Da müssen wir uns mal auf die Suche machen.“ Die junge Mutter ist ebenfalls im Gemeindeteam. Eine Station des Rundgangs ist am Kriegerdenkmal am Friedhof. Egal ob Einheimischer oder Ortsunkundiger, Jung oder Alt, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, als Teilstrecke oder kompletter Rundweg, das Gemeindeteam freut sich über rege Begehung dieses „Schöpfungsweges“. Und wer sich von Rengetsweiler zwischen einem Meer aus goldgelben Löwenzahn-und Hahnenfußblüten auf der Wiese und blühenden Streuobstbäumen auf die Anhöhe Richtung Dietershofen begibt, erlebt diese Schönheit der Schöpfung hautnah in Natur und im weiten Blick über das „Täle“.

Kulturelles Erbe der oberschwäbischen Heimat

„Wegkreuze sind ein kulturelles Erbe für unsere oberschwäbische Heimat“, unterstreicht Veronika Ehrenmann. Der kulturellen Bedeutung der Feldkreuze widmete sich 2017 auch der Kulturschwerpunkt „Religion und Spiritualität“ des Landkreises Sigmaringen.

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Feldkreuze wurden oft an besonderen Stellen oder aufgrund besonderer familiärer Anlässe errichtet. Das Steinkreuz in Patenschaft der Familie Ehrenmann wurde 1908 von Johann Ehrenmann erbaut. Als Grund dafür wird angenommen, da er nach dem Tod seiner Frau mit sechs kleinen Kindern zurückblieb. Das „Seßler“-Kreuz in Rengetsweiler wurde als Andenken an den in Russland gefallenen 20-jährigen Otto Seßler erbaut. 1907 erbauten die Familien Kegele und Duffner ein Feldkreuz mit der Bitte an Gott, Krankheiten vom Haus fernzuhalten. 2001 restaurierte die Katholische Landjugend Dietershofen-Rengetsweiler fünf Wegkreuze in Gemeindebesitz im Zuge der 72-Stunden-Aktion und hielten die Geschichte dieser und weiterer Kreuzdenkmäler in Privatbesitz in einer Chronik fest.

Ein Bild wie ein Kalendermotiv – der Blick vom Feldkreuz über den blühenden Birnbaum zur Dietershofer Kirche.
Ein Bild wie ein Kalendermotiv – der Blick vom Feldkreuz über den blühenden Birnbaum zur Dietershofer Kirche. | Bild: Sandra Häusler

Weg- und Feldkreuze des Rundweges

  • „Feldkreuz Ehrenmann“, gegenüber Sportplatzeinfahrt Rengetsweiler
  • „Feldkreuz Mühlhauser“, vom Sportplatz in Richtung Rengetsweiler
  • „Kreuz – Eduard Liehner“, Waldergasse Rengetsweiler
  • „Feldkreuz Weißhaupt“, Waldergasse, Richtung Sandgrube
  • „Feldkreuz Baumschule“, ehemalige Baumschule Schlegel, Richtung Kappel
  • „Wegkreuz Kegele“, Dorfmitte – Nähe Randenhalle Rengetsweiler
  • „Feldkreuz Böhler“, Kirchleäcker, Richtung Grillplatz Rengetsweiler
  • „Feldkreuz Anton Liehner“, Gögginger Weg, bei Familie Fabian Huber Reng
  • „Wegkreuz Seßler“, Im Unterdorf, Nähe Landgasthof Frieden, Reng
  • „Feldkreuz Hänßler“, Zollernstraße, Richtung Meßkirch, Rengetsweiler
  • „Friedenkreuz“, großer Rundweg – Richtung Dietershofen
  • „Feldkreuz Löffler“, Rengetsweiler, Richtung Friedhof
  • „Kriegerdenkmal“, Friedhof Dietershofen/Rengetsweiler
  • „Wegkreuz Schweikart W.“, Kirchentreppe Dietershofen
  • „Wegkreuz Schneider Ernst“, Dietershofen – Oberdorf
  • „Wegkreuz Schneider Friedbert“, Dietershofen – Oberdorf
  • „Feldkreuz“ Dietershofen, Richtung Buffenhofen
  • „Feldkreuz Kern“, Dietershofen, Richtung Moser
Quelle: Regina Krall