Der traditionsreiche Kunstpreis des Zweckverbandes Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) ist von einer Krise nach der anderen betroffen. Zehn Jahre lang wurde er nicht vergeben, weil die Energiewirtschaft nach dem Atomunfall in Fukushima schwere Zeiten durchmachte, dann musste im Vorjahr der Festakt wegen der Corona-Pandemie ausfallen und nun standen die Organisatoren vor der Entscheidung, ob eine solche Feierlichkeit stattfinden kann, während in Europa Krieg herrscht. „Wir dürfen uns Putin nicht beugen“, begründete der Landrat des Bodenseekreises und Vorsitzende des OEW, Lothar Wölfle, die Entscheidung des Verbands, den Festakt im Schloss Meßkirch nicht abzusagen.

Schriftsteller Arnold Stadler (r.) erhält die Urkunde zum Oberschwäbische Kunstpreis aus der Hand von Landrat Lothar Wölfle. |
Schriftsteller Arnold Stadler (r.) erhält die Urkunde zum Oberschwäbische Kunstpreis aus der Hand von Landrat Lothar Wölfle. | | Bild: Heinrich Sturm

Kunstpreis für Schriftsteller und Bildhauer

Der Verband hatte im vergangenen Jahr seinen Kunstpreis zu gleichen Teilen an den Schriftsteller Arnold Stadler sowie den Bildhauer Robert Schad vergeben. Der Schriftsteller Stadler ist in Meßkirch geboren und lebt nun wieder im nahen Sauldorfer Ortsteil Rast, wo er auch aufgewachsen ist. Robert Schad stammt aus Ravensburg, ist aber nicht mehr in Oberschwaben zuhause, sondern lebt in Frankreich und Portugal. Nicht nur das künstlerische Werk, sondern auch Herkunft und Wohnort spielen bei der Vergabe des 1951 erstmals verliehenen Preises eine wichtige Rolle. Denn ausgezeichnet werden nur bildende Künstlerinnen und Künstler, die entweder im Verbandsgebiet der OEW leben oder mindestens die vergangenen fünf Jahre ohne Unterbrechung dort ansässig waren.

Robert Schad installiert großformatige Skulpturen

„Sein künstlerisches Werk genießt im In- und Ausland hohe Wertschätzung“, verlas Landrat Wölfle den Text der Urkunde während der Übergabe an den Bildhauer Robert Schad. Wölfle hob das Projekt „Von Ort zu Ort“ hervor, das der Bildhauer 2019 begonnen hatte. Dabei installierte der Künstler 60 seiner großformatigen Skulpturen an mehr als 40 Orten in der Region. Das Projekt habe die historische Landschaft Oberschwabens als Kulturraum neu erfahrbar gemacht, hieß es in der Würdigung des Künstlers.

Landrat Lothar Wölfle überreicht die Urkunde zum Oberschwäbischen Kunstpreis an den Bildhauer Robert Schad (r.).
Landrat Lothar Wölfle überreicht die Urkunde zum Oberschwäbischen Kunstpreis an den Bildhauer Robert Schad (r.). | Bild: Heinrich Sturm

Arnold Stadler vergegenwärtigt Kulturraum Oberschwaben

Auch den Text der Urkunde für den Schriftsteller Arnold Stadler las Wölfe vor. In seinen Werken habe Stadler ein aus Erinnerungsfragmenten komponiertes, zeitkritisch gefärbtes Kulturbild seiner heimatlichen Welt geschaffen, die er selbst als „schwäbisch Mesopotamien“ apostrophiere. „Mit seinem literarischen Werk hat er dem im Rückspiegel poetisch vergegenwärtigten Kulturraum Oberschwabens ein auf Empathie gegründetes, sinnfälliges Denkmal gesetzt“, so der Landrat.

Geht der Charakter der Dörfer verloren?

Anstatt langer Lobreden einigten sich die Künstler und Landrat Wölfle darauf, ein Podiumsgespräch zu führen. Moderiert wurden es von Bernhard Rüth, Kreisarchivar des Landkreises Rottweil und Kulturbeauftragter der OEW. In der Diskussion, die sich vornehmlich um den Wandel der Region drehte, hatten der Landrat und die beiden Künstler unterschiedliche Positionen. Arnold Stadler kritisierte etwa den Verlust der Muttersprache bei den Kindern. Er stellte fest, dass der Charakter der Dörfer durch Solarenergie-Anlagen, Windräder und Neubaugebiete verloren gehe.

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Wohlstand versus Zerstörung: Unterschiedliche Blickrichtung

Robert Schad kritisierte ebenso die zunehmende „Zerstörung und Zersiedelung“ der Dörfer. Er erkannte aber auch Positives im Wandel: „Ravensburg war früher eine Durchgangsstadt für die Stuttgarter auf dem Weg zum Bodensee. Heute hat die Innenstadt eine Lebensqualität, die vom Blick nach Italien geprägt ist“, sagte der 69-Jährige. Der aus Donaueschingen stammende Landrat Lothar Wölfle hingegen gewann dem Wandel – wohl schon von Berufs wegen – viel Positives ab: „Wir sind mittlerweile ein sehr wohlhabender Landstrich“, so Wölfle. „Wer versucht alles zu bewahren, ohne es zu verändern, wird es verlieren“, zitierte er die CDU-Politikerin Annette Schavan.

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Arnold Stadler kündigt neues Buch an

Arnold Stadler hat gerade einen Roman abgeschlossen, wie er auf Nachfrage sagte. Das Buch trägt den Titel „Irgendwo, aber am Meer“ und soll im Frühjahr 2023 erscheinen. Robert Schad bereitet ein Projekt am Amazonas vor, verriet er dem SÜDKURIER. „Es sieht so aus, als ob ich da eine 30 Meter hohe Skulptur realisieren darf.“