Michaela Degen aus Rohrdorf hat mit der fast höchstmöglichen Punktzahl ihrer Ausbildung bei der Abschlussprüfung Gasthaus zum Adler in Heudorf abgeschlossen. Die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben zeichnete die junge Frau mit einem Preis für ihre 98 erzielten Punkte von 100 möglichen Punkten und der Gesamtnote 1,2 aus. Diesen hält sie aber noch nicht in ihren Händen, weil die Lossprechung aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Zudem hat sie sich für den Jürgen-Winterhalter-Förderpreis für Auszubildende im Hotel- und Gaststättenbereich mit Bestleistungen beworben.

Neben der Schule jobbte sie schon in der Küche

Ausgebildet wurde Michaela Degen im Gasthaus zum Adler in Heudorf und an der Landesberufsfachschule für Gastronomie in Tettnang. Dass sie Köchin wird, war zunächst so gar nicht geplant. „Ich habe mit 16 als Küchenhilfe im Adler angefangen“, erzählt sie. Das habe ihr neben der Schule Spaß gemacht.

Ausbildungsangebot vom Chef

Irgendwann habe ihr Küchenmeister, Koch und Inhaber Michael Nipp, der mit seiner Ehefrau Andrea das Gasthaus betreibt, nebenbei angeboten, sie könne bei ihm nach ihrem Abitur gerne eine Ausbildung bei ihm machen. „Irgendwann fragte sie mich, ob das Angebot noch aktuell sei“, erzählt Nipp lachend. Seit Familie Nipp das Gasthaus 2011 übernommen hat, stand in der Küche noch kein Azubi. „Ich habe mich dann bei der IHK Bodensee-Oberschwaben über die Modalitäten kundig gemacht“, berichtet Nipp. Nachdem alle bürokratischen Hürden problemlos überwunden waren, begann vor drei Jahren die Ausbildung.

Die zweifarbige Hechtterrine wurde mit Spargel- und Tomatensalat aufgetischt.
Die zweifarbige Hechtterrine wurde mit Spargel- und Tomatensalat aufgetischt. | Bild: Privat

Ravioli macht sie besonders gerne

„Ich habe ja schon gewusst, dass sie ein gutes Händchen und ein Talent hat“, sagt Michael Nipp stolz. Es hätte einfach menschlich und fachlich. Besonders die filigraneren und feinen Arbeiten in der Küche lagen der jungen Frau gut. So liebt sie es, Ravioli aus Nudelteig auszustechen und zu füllen. „Unsere Küche ist schwäbisch mediterran ausgerichtet. Das kommt gut an“, sagt Michael Nipp. Deshalb gehören auch Kutteln zur Speisekarte, die Michaela Degen nicht so gerne kocht.

Drei-Gänge-Menü in der praktischen Prüfung

Zum Glück waren diese kein Prüfungsthema. Die Abschlussprüfung war die eigenständige Zusammenstellung eines Drei-Gänge-Menüs, das durch einen Warenkorb, welchen die Industrie-und Handelskammer vorgab, ausgeführt werden musste. Dieser enthielt Hecht und Wachtel.

Im Hauptgang gab es Wachtelroulade mit Semmelknödelfüllung, Gemüse und Ravioli.
Im Hauptgang gab es Wachtelroulade mit Semmelknödelfüllung, Gemüse und Ravioli. | Bild: Privat

Herzklopfen bei der Prüfung

Mit einer gehörigen Portion Herzklopfen aber schlussendlich mit viel Bravour und tollem Menü meisterte Michaela alle Aufgaben ohne jegliche Mängel. Und zur Freude aller bleibt Michaela als Köchin im Adler, ehe sie sich Ende nächsten Jahres zur Hotelbetriebswirtin weiterbilden will. Andrea und Michael Nipp sind sehr stolz auf ihre Köchin, deren gesamte Familie gerne Gast im Adler ist. „Michaela war sehr engagiert und kam am Ruhetag oft zum üben“, sagt Andrea Nipp. „Abends kam dann die Familie, um das Prüfungsmenü zu testen“, lacht Michaela Degen.

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Bleibt die Köchin im Gasthaus?

Auch in der Zukunft will der Betrieb wieder ausbilden. „Man kann sich nicht beklagen, dass es keinen Nachwuchs gibt und selbst nichts dafür tun“, ergänzt Andrea Nipp. Das Ehepaar engagiert sich auch in der Dualausbildung LIZE-Koch in Kooperation zwischen der Liebfrauenschule und der IHK. Der Adler ist ein Partnerbetrieb und beschäftigt einen Koch, der parallel zur Ausbildung einen Schulabschluss macht.

Das Joghurt-Limetten-Törtchen wurde als Dessert kreiert.
Das Joghurt-Limetten-Törtchen wurde als Dessert kreiert. | Bild: Privat

Trotz Corona-Krise: Die Gäste kommen gerne

Die Inhaber sind trotz Corona aktuell zufrieden. Trotz Pandemie sei der Sommer sehr gut gewesen. Viel Lob zollt der Küchenmeister den Bürgern für die Unterstützung während des Lockdowns: „Unser Abholservice wurde gut angenommen. Das hat uns Mut gemacht“. Sorgen bereitet dem Ehepaar die Zeit, wenn der Biergarten witterungsbedingt schließt. Derzeit können nur 30 Gäste statt 75 im Gastraum Platz nehmen. Eine Lösung wird deshalb noch gesucht.

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