Als Margreth Hubertus sich in Kreenheinstetten mit Paula Hafner trifft, hat sie fünf Fotoalben mit im Gepäck, die aus dem Nachlass ihres Vaters Fritz Roth stammen. Roth war eine kurze Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und danach Lehrer an der Kreenheinstetter Schule. Seinem Hobby, der Fotografie, ist es zu verdanken, dass das Dorfgeschehen von 1945 bis 1953 in zahlreichen Bildern lebendig wird.

Eisvergnügen für die Kinder bei der „Schleifede“

„Erinnerst du dich an die schönen Spiele in der Unterrichtspause?“, sprudelt es aus Margreth Hubertus heraus, während sie mit Paula Hafner die Bilder betrachtet. Manchmal müssen die Frauen zur Lupe greifen, um die Gesichter auf den Schwarz-Weiß-Fotos zu erkennen. Bei den Winterbildern erzählt die ehemalige Kreenheinstetterin glücklich von der „Schleifede“.

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Dazu traten die Kinder mit den Füßen ein „Gässle“ auf dem Schnee fest, damit auf der Oberfläche Eis entstand. Darauf konnten sie rutschen. Mit einem Schlitten seien sie den Abhang vor der Schule hinunter gefahren. Das vorne fahrende Kind habe Schlittschuhe getragen, mit denen es lenkte.

Margreth Hubertus (links) und Paula Hafner hatten viel Vergnügen beim Durchstöbern der fünf Alben mit Fotos aus ihrer Kreenheinstetter Schulzeit Anfang der 1950er Jahre.
Margreth Hubertus (links) und Paula Hafner hatten viel Vergnügen beim Durchstöbern der fünf Alben mit Fotos aus ihrer Kreenheinstetter Schulzeit Anfang der 1950er Jahre. | Bild: Isabell Michelberger

Fritz Roth, Vater von Margreth Hubertus, leitete ab 1940 die Schule in Kreenheinstetten. Er wurde im Krieg ins Elsass geschickt, wo er seine Frau kennenlernte. Mit ihr kehrte er 1945 nach Kreenheinstetten zurück, wo er bis 1953 blieb. Wie in der Ausgabe des SÜDKURIER vom 13. November 1953 zu lesen war, unterrichtete er im Jahr 1940 alleine 100 Kinder. Später kam der Junglehrer Wilfried Krumm hinzu. Die Kinder waren in zwei Gruppen eingeteilt.

Mehrere Klassen waren zu Einheiten zusammengefasst

Die erste bis vierte Klasse wurde zu einer Einheit zusammengefasst, die fünfte bis achte zu einer weiteren. Ehefrau Charlotte Roth, die gebürtige Elsässerin, brachte den Achtklässlern Französisch bei, damit sie die Chance hatten, nach dem Abschluss auf eine weiterführende Schule zu gehen.

Für schlechtes Singen gab es „Hosenspanner“

Paula Hafner und Margreth Hubertus beugen sich über die Fotoalben. Jedes Bild weckt fröhliche Erinnerungen: Einschulungen, Klassenausfahrten oder Bastel-Aktionen, wie der Bau eines Lenkdrachens. Während Lehrer Krumms Leidenschaft dem Zeichnen und bildnerischen Gestalten galt, war Fritz Roths Leidenschaft der Gesang. Konnte jemand nicht singen, kannte er kein Pardon. Da gab es „Hosenspanner“, erzählen die Frauen. Das sind Schläge mit dem Stock auf den Po.

Lehrer Wilfried Krumm wird hier im Bild mit den Erst- bis Viertklässlern im Jahr 1952 gezeigt. Ganz hinten links steht Margreth Hubertus.
Lehrer Wilfried Krumm wird hier im Bild mit den Erst- bis Viertklässlern im Jahr 1952 gezeigt. Ganz hinten links steht Margreth Hubertus. | Bild: Repro: Isabell Michelberger

„Mein Mann konnte überhaupt nicht singen“, erzählt Paula Hafner. Deshalb habe er zu den Dauerkandidaten für die Hosenspanner gehört. Doch seine Mutter, die Mitleid mit dem Sohn hatte, gab ihm einen guten Ratschlag: Er solle ein Kissen in die Hose stecken. Das war die rettende Lösung.

Wilfried Krumm bastelte 1953 mit Achtklässlern einen Drachen (links Fritz Roth).
Wilfried Krumm bastelte 1953 mit Achtklässlern einen Drachen (links Fritz Roth). | Bild: Repro: Isabell Michelberger

Hatte jemand in irgendeinem Bereich Talente, habe er in Lehrer Roth gute Unterstützung gefunden. „Papa hat gefördert, wo es ging“, erzählt Margreth Hubertus stolz. Ebenso habe er großen Wert auf Klassenausflüge gelegt. Sein Ziel war hauptsächlich der Bodensee. Mit dem Janzen-Bus ging es in Kreenheinstetten los.

Tolle Kindheit ohne Langeweile

Auch Eltern waren mit dabei. „Wir hatten eine tolle Kindheit in Kreenheinstetten“, sind sich die beiden einig. Sie schwärmen von Tante Hermine, die sich um die Kindergartenkinder gekümmert habe, und vom Theaterspielen. Langweilig war es ihnen nie.