Die Beste im Bereich der IHK Schwarzwald-Baar kommt in diesem Jahr aus Meßkirch: Lea Hermann hat ihre Floristenlehre mit der Note 1,3 in der praktischen Prüfung abgeschlossen. Unter nicht ganz einfachen Corona-Bedingungen hat sie ihr letztes Ausbildungsjahr bei Blumenland Halmer gemeistert. „Ich wusste, dass ich es kann. Die Kunden sind mit meiner Arbeit auch immer sehr zufrieden. Aber mit einem so guten Ergebnis hatte ich nicht gerechnet“, freut sich die 18-Jährige.

Floristenberuf ist Frauendomäne

Lea Hermann ist eine derjenigen, die schon ein Leben lang wussten, welchen Beruf sie später einmal ergreifen wollen. „Bereits als kleines Kind habe ich Blumen auf der Wiese gepflückt und zu bunten Sträußen gebunden“, erzählt die Thalheimerin schmunzelnd. Sie liebt Pflanzen und das kreative Arrangieren von Blumen macht ihr besonders Freude. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Floristin; die praktische Ausbildung findet in den Betrieben statt, die Berufsschule für den Bereich der IHK Schwarzwald-Baar ist in Villingen-Schwenningen.

Strahlende Gesichter im „Blumenland Halmer“: Lea Hermann hat die praktische Prüfung mit der Traumnote 1,3 abgeschlossen. Darüber freut sich Chef Bernhard Halmer.
Strahlende Gesichter im „Blumenland Halmer“: Lea Hermann hat die praktische Prüfung mit der Traumnote 1,3 abgeschlossen. Darüber freut sich Chef Bernhard Halmer. | Bild: Stefanie Lorenz

„Der Floristenberuf ist immer noch eine Frauendomäne, rund 80 Prozent sind weiblich“, schildert Chef Bernhard Halmer. Er selbst führt das „Blumenland„ seit 1991. Sein Großvater August hatte den Betrieb 1933 gegründet, damals wurde Gemüse angebaut und Samen vertrieben. Sohn Willi baute den Betrieb 1956 zur Zierpflanzengärtnerei aus. Bernhard Halmer und seine Frau Manuela führen ihn jetzt in dritter Generation.

Berufsschulunterricht nur online

Die Corona-Pandemie hat das letzte Lehrjahr von Lea Hermann massiv geprägt. Zum einen im schulischen Bereich: „Wir hatten einige Zeit lang nur Online-Unterricht über das Internet. Erst drei Wochen vor den schriftlichen Prüfungen ging es wieder in die Schule, wo aber auch nur online unterricht wurde“, schildert sie. Deshalb hätten sich die Auszubildenden einige Themen selbst erarbeiten müssen. Trotzdem fühlte sich Lea Hermann gut auf die Prüfung vorbereitet. Botanische Fragen, Stilkunde und Pflanzenschutz sind Fachgebiete, in denen Floristen die richtigen Antworten auf die Fragen der Prüfer wissen müssen.

Dieser wunderschöne Hochzeitsstrauß in Apricot-Weiß ist das Werkstück, für das Lea Hermann die Bestnote abräumte.
Dieser wunderschöne Hochzeitsstrauß in Apricot-Weiß ist das Werkstück, für das Lea Hermann die Bestnote abräumte. | Bild: privat

Am 22. Juli war es soweit: Die praktische Prüfung in Villingen-Schwenningen stand an. Hochzeits-, Trauerfloristik oder Tisch- und Raumschmuck sind die drei Kategorien, aus denen die Prüflinge die Art ihres Werkstücks auswählen können. „Am liebsten mache ich Brautsträuße, deshalb habe ich mich für Hochzeitsfloristik entschieden“, verrät sie. Zunächst galt es, das spätere Produkt zu skizzieren, eine Kalkulation dafür zu erstellen und sich Argumente für das Verkaufsgespräch zu überlegen. „Meine Aufgabe war es, zu einem schlichten Brautkleid in A-Linie einen Hochzeitsstrauß zu entwerfen und zu binden“, erzählt die Thalheimerin.

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Sie schuf einen zauberhaften Strauß in den Trendfarben Apricot-Weiß-Grün im Vintage-Stil, der die Prüfer überzeugte. Leider bleibt das schöne Werkstück der größeren Öffentlichkeit verborgen, denn Corona hatte auch nach der Prüfung noch Einfluss auf den Abschluss von Lea Hermann.

Toller Empfang für die erfolgreiche Auszubildende

„Ursprünglich sollten die Prüfungsarbeiten auf der Landesgartenschau in Überlingen gezeigt werden. Das geht jedoch nicht, da diese auf das kommende Jahr verschoben wurde“, bedauert Chef Bernhard Halmer. Auch die Lossprechungsfeier für die Auszubildenden konnte nicht stattfinden. Das Meßkircher Team hat jedoch das Beste aus der Situation gemacht. „Mir wurde hier ein toller Empfang bereitet“, freut sich die Floristin. Mit Plakaten und natürlich Blumen war sie nach dem schönen Erfolg im Blumenland begrüßt worden. Dort konnte man auch einige Tage lang ihren Brautstrauß besichtigen.

Ab September insgesamt vier Azubis im Betrieb

„Wir haben natürlich kräftig mitgefiebert und freuen uns sehr für sie“, sagt Bernhard Halmer. Den Nachwuchs auszubilden, ist ihm ein Anliegen, ab September wird es zwei Floristen- und zwei Gärtner-Azubis im Betrieb geben. Lea Hermann schildert, dass es zweigeteilte Meinungen unter jungen Leute zu ihrem Beruf gebe. Zum einen werde die Kreativität der Floristen sehr geschätzt. „In den vergangenen Jahren hat sich viel geändert. Jetzt werden auch Wohnaccessoires, Beleuchtung und Schmuck angeboten“, schildert Bernhard Halmer die Vielfalt des Angebots in Floristik-Betrieben und Gärtnereien.

Messe „Christmasworld“ ist schon im Januar

Über neueste Farb- und Stiltrends Bescheid zu wissen, gehöre zum Handwerk eines Floristen. Um immer auf dem Laufenden zu bleiben, besuchen die Mitarbeiter von „Blumenland Halmer„ auch Messen, wie die „Christmasworld“ in Frankfurt. „Diese Ausstellung mit Trends für Weihnachtsdekoration findet immer schon im Januar statt“, erzählt Bernhard Halmer.

Arbeitszeiten schrecken manche ab

Die andere Seite der Medaille sind die Arbeitszeiten. „Viele jungen Leute sind abgeschreckt davon, dass man in diesem Beruf am Samstag und auch Sonntag arbeiten muss“, sagt Lea Hermann. Ihr selbst mache das nichts aus. „Mir macht die Arbeit so viel Freude, dass ich das gerne in Kauf nehme“, sagt sie. Den Arbeitsvertrag hat sie schon in der Tasche: „Wir freuen uns sehr, dass sie weiter unserem Betrieb treu bleibt und als Floristin unser Team tatkräftig verstärkt“, sagt Bernhard Halmer. Insgesamt 15 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit bilden das Team des „Blumenlands„.

Umsatzeinbußen durch die Corona-Krise

Hinter ihnen liegen schwierige Monate in der Corona-Krise. Durch den Lockdown im März und April war zunächst für alle Floristen deutschlandweit das Oster-Geschäft ausgefallen. „Danach gab es Umsatzeinbußen durch wegfallende Hochzeiten, Taufen, Geburtstage und sonstige Familienfeiern“, berichtet Bernhard Halmer. Glücklicherweise sei der Gärtnerei-Bereich gut gelaufen, da sich viele Menschen in Corona-Zeiten wieder auf die Gestaltung des eigenen Gartens besonnen haben.