Glücklich sieht Werner Marquart nicht aus, wie er da inmitten seiner 1000 Quadratmeter großen, neuen Reithalle im Meßkircher Ortsteil Langenhart steht. „Wenn hier nicht genug Platz ist, dann weiß ich auch nicht – und wir haben ja sogar zwei Hallen“, sagt er fast trotzig und kann nicht nachvollziehen, warum er gemäß den aktuellen Corona-Verordnungen seine zertifizierte Reitschule geschlossen halten muss.

Auf dem Hof gibt‘s immer was zu tun. Werner Marquart auf dem Traktor, Enkelin Luna und eines der Ponys daneben.
Auf dem Hof gibt‘s immer was zu tun. Werner Marquart auf dem Traktor, Enkelin Luna und eines der Ponys daneben. | Bild: Steinbächer, Uwe

Die Reitschule, die er mit seiner Frau Evi betreibt, ist sein Part auf dem Gelände des „Reitstall Marquart“. Sein Sohn Stefan macht die Landwirtschaft im Nebenerwerb und hat die Pferdepension. Zusammen haben sie hier kräftig investiert und einen Aktivstall für die Schul- und Einstellpferde geschaffen, in dem das Augenmerk auf artgerechter Haltung liegt und dem Umgang mit dem Pferd als Partner. An den Corona-Virus hat da keiner gedacht.

Reitlehrerinnen können derzeit nicht beschäftigt werden

Der aber ist jetzt die Wurzel allen Übels. Aufgrund der Verordnung mit der man den Virus eindämmen will, darf seit November 2020 zum wiederholten Mal kein Reitunterricht stattfinden. Insgesamt dürfen nun seit mehr als acht Monaten die Kinder nicht zu ihren Ponys und Pferden, die beiden angestellten Reitlehrerinnen können derzeit nicht beschäftigt werden. Stefan Marquart erklärt: „Trotz unserer artgerechten Pferdehaltung im Aktivstall, wo die Pferde ihren Grundbedürfnissen nach Luft, freier Bewegung, Sozialkontakten und Herdenleben im Gegensatz zur Boxenhaltung immer nachgehen können, ist ein Training dennoch für die Gesunderhaltung wichtig. Daher müssen wir mit unseren Lehrpferden und -ponys regelmäßig gymnastizierend arbeiten. Bei diesem Training werden wir von Teilen unserer Reitschüler unterstützt, es findet aber kein Reitunterricht statt.“

Werner Marquart inmitten der riesigen neuen, zweiten Reithalle. Große Schiebefenster sorgen hier für frische Luft. Auf 1000 Quadratmeter würden sich Reiter und Pferde verlieren. Er kann nicht verstehen, warum hier nicht geritten werden darf.
Werner Marquart inmitten der riesigen neuen, zweiten Reithalle. Große Schiebefenster sorgen hier für frische Luft. Auf 1000 Quadratmeter würden sich Reiter und Pferde verlieren. Er kann nicht verstehen, warum hier nicht geritten werden darf. | Bild: Steinbächer, Uwe

Das trifft vor allem die Kinder, die nicht zu ihren Ponys dürfen. „Dabei“, so Stefan Marquart, „wären eine Ponylänge ja schon mehr als 1,50 Meter Abstand“. So käme man praktisch problemlos mit einer Ponylänge durch die Pandemie. Der Berufsreiterverband, die Deutsche Reiterliche Vereinigung und der Hippolini-Verband, der Kindern den pädagogischen Reiteinstieg vermittelt, haben sehr gute Konzepte ausgearbeitet mit denen man auch in diesen Zeiten Reitunterricht ermöglichen kann. Marquarts sind aber überzeugt, dass das Infektionsrisiko beim Reiten und auf ihrem Hof sowieso sehr gering ist. Die beiden Reithallen sind riesengroß und so sagen sie „Wir können die Seiten öffnen und haben somit einen optimalen Luftwechsel. Wir können beim Satteln und Putzen unsere Pferde so weit auseinanderstellen, dass ein Abstand von über zwei Metern immer gewährleistet ist.“ Außerdem achte man strikt auf die Einhaltung der AHA-Regeln, das Putz- und Sattelzeug werde nach jeder Benutzung gereinigt und die Räume alle quergelüftet. Zudem werde die Anwesenheit jeder Person auf dem Hof für eine Kontaktnachverfolgung dokumentiert. Dennoch ist Reitunterricht verboten!

Werner Marquart und Enkelin Nele am Eingang zum zweigeteilten Sattelraum, faktisch der einzigen Engstelle auf dem Hof. Der Zugang dazu kann aber gut kontrolliert und eingeschränkt werden.
Werner Marquart und Enkelin Nele am Eingang zum zweigeteilten Sattelraum, faktisch der einzigen Engstelle auf dem Hof. Der Zugang dazu kann aber gut kontrolliert und eingeschränkt werden. | Bild: Steinbächer, Uwe

Bis vor einem Jahr gut florierenden Reitschule

Somit stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange Werner und Evi Marquart das noch durchhalten können. Während Sohn Stefan noch Einnahmen hat, denn auch seine Eltern zahlen für die Unterstellung der Lehrpferde und -ponys, müssen Werner und Evi die finanziellen Löcher ihrer bis vor einem Jahr gut florierenden Reitschule mit ihrem Ersparten stopfen. Auf staatliche Hilfe warten sie noch vergebens. Während für November ein Teil der Gelder ankam, gab es im Dezember nichts und „von Januar bis März haben wir jetzt Nullkommanull Einnahmen“ beschreibt Werner Marquart die kritische Situation. Oder anders: „Das Einzige was wir haben, sind Ausgaben“. Denn natürlich muss sich um die Tiere gekümmert werden. „Pferde und Ponys können ja nicht einfach abgemeldet oder in die Ecke gestellt werden wie ein Auto oder eine Gitarre“.

Auf Dauer steht Zukunft des Reitstalls in Frage

Wenn sich aber nicht schnell etwas an der Situation ändert, dann steht selbstredend auch die Zukunft des Reitstalls in Frage. Die Folgen der Pandemie sind so gravierend, dass fast ein Drittel der Reitschulen schon Schulpferde verkaufen mussten und sich in ihrer Existenz bedroht fühlt. Stefan Marquart: „Wir persönlich kennen schon acht Reitschulen, die schließen mussten.“ Zusammen mit seinen Eltern hofft er, dass die Inzidenzzahlen bald wieder nach unten gehen und es dann wieder losgehen kann. Dann würde auch die großen Reithallen endlich wieder mit Leben gefüllt, dürften Reitschüler endlich wieder ihrem Hobby nachgehen.

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