Die Basis des 1326 Mitglieder zählenden CDU-Kreisverbandes will, dass der amtierende Landtagsabgeordnete Klaus Burger nach der Landtagswahl am 14. März 2021 seine parlamentarische Arbeit fortsetzt und das 2016 verlorene Direktmandat für den Wahlkreis 70 „Sigmaringen„ für die Partei zurückerobert. Bei der Nominierungsversammlung in der Stadthalle Meßkirch setzte sich der 62-jährige Burger am Freitagabend mit 206 Stimmen gegen seinen 49-jährigen Herausforderer, den Beuroner Bürgermeister Raphael Osmakowski-Miller durch, dessen Name von 105 der 311 Mitglieder mit einem Kreuz markiert war, was 33,76 Prozent entspricht.

Exakt 66,24 Prozent der 311 CDU-Mitglieder votierten für Amtsinhaber Klaus Burger als Kandidaten für die Landtagswahl am 14. März 2021
Exakt 66,24 Prozent der 311 CDU-Mitglieder votierten für Amtsinhaber Klaus Burger als Kandidaten für die Landtagswahl am 14. März 2021 | Bild: Günther Brender
Ein Drittel der CDU-Mitglieder votierte für Raphael Osmakowski-Miller.
Ein Drittel der CDU-Mitglieder votierte für Raphael Osmakowski-Miller. | Bild: Günter Brender

20 Minuten für jeden Bewerber

Die Mitglieder hatten zwei Kandidaten erlebt, die mit Engagement, Verve, Motivation und basierend auf ihren christlich-konservativen Werten um die Unterstützung der CDU-Basis warben. Das Los hatte entschieden, dass Amtsinhaber Klaus Burger zuerst ans Rednerpult trat. 15 Minuten hatte er Zeit, um sich und sein Programm vorzustellen und fünf Minuten waren für eine etwaige Fragerunde vorgesehen. Nach 20 Minuten verließ er den Saal, und sein innerparteilicher Kontrahent, der Beuroner Bürgermeister Raphael Osmakowski-Miller, erklärte seine Positionen und Motivation, sich um das Landtagsmandat zu bewerben.

Versammlung startet wegen Corona-Hygienevorschriften und Besucheransturm mit Verspätung

Mit 45-minütiger Verspätung startete die Versammlung, was den Corona-Hygienevorschriften geschuldet war, die vorbildlich eingehalten wurden. Philip Schwaiger, Bürgermeister von Sigmaringendorf, übernahm für das CDU-Präsidium die Begrüßung der 311 Mitglieder, die Bezirkschef Thomas Bareiß zum Versammlungsleiter bestimmten. Die Bewerber Klaus Burger und Raphael Osmakowski-Miller hatten je 20 Minuten Zeit, ihre Person, Programmatik, Ziele und Motivation vorzustellen, inklusive einer etwaigen fünfminütigen Fragerunde.

Klaus Burger: „Die Menschen wollen keine Experimente oder Revolutionen“

Das Los bestimmte Burger als ersten Redner. Von der ersten Minute präsentierte sich der Mann aus Hohentengen energisch und emotional, betonte das Wir-Gefühl der Partei und machte deutlich, dass für ihn, der fünf Jahre hart für den Wahl- und Landkreis gearbeitet habe, Politik kein Beruf, „sondern Berufung ist“. Um Ziele zu erreichen, sei nicht die Lautstärke entscheidend, sondern Fachverstand, ein Netzwerk sowie kontinuierliche Arbeit. Erfolge wie das Mint-Gymnasium in Bad Saulgau oder die B311neu habe man gemeinsam erreicht, aber es gebe noch viel zu tun. Beifall gab es für den Kandidaten, als er die pauschale Verunglimpfung der Landwirtschaft als Verursacher des Klimawandels verurteilte und die Landwirte als „Teil der Lösung“ bei der Bewältigung Klimafolgen bezeichnete. Sein Tun werde von christlicher Haltung und der Verwurzelung in der Heimat geprägt. „Die Menschen wollen keine Experimente oder Revolutionen“, verwies der Parlamentarier auf die steigenden Zustimmungswerte für die CDU während der Corona-Pandemie. Bei der jungen Generation sieht er „Sicherheit“ als zentrales Thema und deren Gewährleistung als wichtigen Standortfaktor für die Region. „Es geht um die Werte in der Gesellschaft. Es geht um uns alle“, lautete sein Schlusswort, bevor er die Halle verließ, und sein Herausforderer, Raphael Osmakowski-Miller ans Rednerpult trat.

Raphael Osmakowski-Miller fordert für die CDU eine ehrliche Analyse

Der 49-jährige Raphael Osmakowski-Miller, Polizist und ehrenamtliche Bürgermeister von Beuron, begann etwas verhalten, wurde dann sicherer, kämpferischer und leidenschaftlicher. „Wir müssen etwas bewegen und gemeinsam die Zukunft gestalten“, erinnerte er an die überdurchschnittlich hohen CDU-Verluste im Kreis Sigmaringen im Jahr 2016. Die CDU dürfe nicht weitere fünf Jahre abwarten, und man müsse das Ruder herumreißen. „Dazu ist eine ehrliche Analyse nötig“, betonte Osmakowski-Miller die dienende Haltung der Politik für die Bürger, die ansonsten zu Protestwählern würden. Seine Partei müsse klare Positionen beziehen, verbindlich für die Menschen arbeiten und besonders der Jugend zuhören, mit ihr reden und neue Ideen zulassen. Beifall erhielt er für sein Plädoyer, dass sich die Gesellschaft zu Werten wie Respekt bekennen und diese Werte mit einem starken Rechtsstaat verteidigen müsse. „100 Prozent CDU heißt kämpfen“, nannte er als Beispiel seine Bemühungen den Rettungshubschrauber „Christoph 45“ vom derzeitigen Standort Friedrichshafen nach Mengen zu verlegen, um für alle Kreisbewohner eine optimale Versorgung zu erreichen. Zu seinem Forderungskatalog gehören auch eine flächendeckende Glasfaserversorgung und die Sicherung der drei Krankenhausstandorte im Kreis. Auch für Raphael Osmakowski-Miller gab es vom Auditorium viel Beifall.

Kontrahent gratuliert dem Wahlsieger

Nach einer halben Stunde verkündete Thomas Bareiß das Ergebnis mit dem Wahlsieger Klaus Burger, der sichtlich erleichtert und stolz die Kandidatur annahm. Raphael Osmakowski-Miller gratulierte mit einem kurzen Händedruck und von den Mitgliedern gab es Beifall. Im Anschluss folgte die Wahl von Alexandra Hellstern-Missel als Ersatzbewerberin mit 95 Prozent Zustimmung, bevor Thomas Bareiß nach rund drei Stunden die Nominierungsversammlung beendete und an seine Partefreunde appellierte, für den Wahlerfolg am 14. März 2021 zu kämpfen.

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