Besonders als Folge der Corona-Pandemie fristet der kommunale Jugendtreff im Klösterle derzeit ein regelrechtes Mauerblümchendasein. Die Kinder und Jugendlichen bleiben weg, es herrscht gähnende Leere. Doch damit will sich Nisha Burth nicht abfinden. Zusammen mit ihrer Kollegin Manuela Fischer leitet die Sozialpädagogin die Begegnungsstätte. Burth will zunächst einmal dafür sorgen, dass alle Jungen und Mädchen überhaupt davon erfahren, dass es den Jugendtreff gibt.

Die Sigmaringerin ist in Meßkirch für drei Arbeitsbereiche zuständig: „Seit einem Jahr bin ich für die Schulsozialarbeit am Martin-Heidegger-Gymnasium verantwortlich. Außerdem bin ich im Jugendtreff Ansprechpartnerin für die jungen Leute.“ Seit September gehört Burth auch zum Team für die erweiterte Ganztagesbetreuung an der Grundschule.

Mit diesen drei Teilbereichen kommt sie auf eine 100-Prozent-Stelle. Die Sozialarbeiterin ist Mitarbeiterin des Hauses Nazareth in Sigmaringen, das im Auftrag der Stadt Meßkirch die Jugend- und Schulsozialarbeit in der Heidegger-Stadt seit 2004 schrittweise übernommen hat.

Treff darf seit den Pfingstferien wieder öffnen

Es ist, wie die Co-Leiterin berichtet, nicht alleine die Pandemie, die dem Jugendtreff den Alltag schwer macht. Die Einrichtung war in der Vergangenheit immer wieder geschlossen. Nisha Burth war drei Monate lang krank. Der Jugendtreff musste zusätzlich wegen der Virusgefahr drei Monate geschlossen bleiben. Erst seit dem Ende der Pfingstferien darf der Treffpunkt wieder geöffnet werden.

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Strenge Hygienevorschriften, maximal sechs Besucher

Wer die Räumlichkeiten betritt, merkt sofort, wo die Probleme im Pandemiealltag liegen. Die Räume sind eng. Was sonst für Gemütlichkeit und ein gewisses Gefühl von Geborgenheit sorgt, ist in Zeiten des vorgeschriebenen Mindestabstandes von 1,50 Metern ein Problemfall. Die Hygienevorschriften für den Jugendtreff sind entsprechend streng. Die Sigmaringerin nennt den Hauptpunkt: „Es dürfen maximal sechs Besucher zur gleichen Zeit hier sein.“

Viele einstige Stammbesucher mittlerweile zu alt

Das bedeute aber nicht, dass andere Jugendliche nachrücken dürfen, wenn von den sechs einer oder mehrere gehen. Eine „Gruppenmischung“ ist verboten, wie Burth schildert. Von den früheren Stammbesuchern seien viele schon in der Altersgruppe zwischen 16 und 23 Jahren und fielen wegen ihres Alters als Besucher langsam aus. Sie sieht einen deutlichen Bedarf an dieser Form der offenen Jugendarbeit und ein entsprechend großes Zielgruppenpotenzial unter den jungen Meßkirchern.

Viele kennen das Angebot nicht

Es kommt aus Sicht der engagierten Sozialarbeiterin ein Punkt hinzu, an dem sie sich schon seit einiger Zeit abarbeitet. Bei ihren Kontakten mit den Kindern im Schulzentrum habe sie festgestellt, dass viele Jungen und Mädchen aus Meßkirch nichts vom Jugendtreff wissen.

So richtig erklären kann sich die junge Frau diese Wissenslücke nicht. „Wir sind in den neuen Medien vertreten, weisen in allen Schulen mit Aushängen auf uns hin und sind über die Homepage der Stadtverwaltung aufzufinden.“

Leiterin setzt auf persönliche Ansprache

Wie schwierig es für den Jugendtreff ist, seine Zielgruppe zu erreichen, macht folgende Erfahrung der Co-Leiterin deutlich: „Wir haben über eine Whatsapp-Gruppe versucht, Kontakt mit Jugendlichen aus dem Fußballverein aufzubauen.“ Der Versuch sei aber gescheitert, weil sich die Öffnungszeiten des Jugendtreffs mit den Trainingszeiten der Fußballjugend überschnitten hätten.

Von Erfahrungen dieser Art will sich Burth aber nicht bremsen lassen. In den Stunden, in denen im Jugendtreff nichts los ist, gehe sie in die Stadt und spreche dort Kinder und Jugendliche an. Ansonsten erledige sie kleine Reparaturarbeiten oder versuche, ihren Berg an schriftlichen Arbeiten zu erledigen.

Flyer und Präsenz an Meßkircher Schulen

Außerdem möchte die Co-Jugendtreffleiterin in den Meßkircher Schulen präsent sein, um dort für den Jugendtreff zu werben. Dafür hat sie 300 Flyer mit den Öffnungszeiten drucken lassen. Am Gymnasium war Burth bereits entsprechend aktiv. Dort habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Schüler positiv reagieren.

Um die Situation nachhaltig zu verbessern, hofft die Sigmaringerin nicht nur auf ein baldiges Ende der Corona-Zeit. Weil in der Vergangenheit Personalwechsel und lange Schließungszeiten herrschten, fehlte es nach ihrer Ansicht an der notwendigen Zuverlässigkeit, um sich im Bewusstsein der jungen Leute und deren Eltern festzusetzen.