Im Meßkircher Industriepark Nördlicher Bodensee begannen jetzt die Arbeiten für den Neubau des Leibertinger Medizintechnik-Unternehmens Medi-G – dem zweiten großen Bauprojekt hier. Das Baufeld findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem des Online-Versandhändlers Amazon, der hier ein neues Verteilzentrum baut. Der Neubau von Medi-G soll nach den Handwerkerferien 2021 bezogen werden, wie Susanne Gäng, Geschäftsführerin von Medi-G, in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER sagte. Der Neubau biete auch die Möglichkeit, weiteres Personal einzustellen, denn mit jetzt rund 100 Beschäftigten sei am bisherigen Standort die Kapazitätsgrenze erreicht.

Unternehmen gibt Standort Leibertingen auf

Der Firmensitz wird im kommenden Jahr komplett nach Meßkirch verlegt, der bisherige Standort in Leibertingen aufgegeben. Einen deutlich zweistelligen Millionenbetrag investiert das Familienunternehmen Medi-G nach eigenen Angaben im Industriepark.

Industriepark ist ausverkauft

Inzwischen sind alle erschlossenen Fläche des Industrieparks verkauft beziehungsweise reserviert, wie die städtische Wirtschaftsförderin Anna-Maria Merz auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Bekannt ist bisher, das neben dem Meßkircher Holzbau-Unternehmen Alber, das im Industriepark einen zweiten Standort baut, das Holzindustrieunternehmen Schneider aus dem Kreis Biberach hier ein Produktionswerk bauen wird. „Im Industriepark haben wir momentan keine Flächen mehr frei.

Restliche Flächen sind vermietet

Die beiden noch nicht verkauften Flächen sind bereits reserviert und befinden sich in der Projektierung,“ teilt die städtische Wirtschaftsförderin Anna-Maria Merz mit. Insgesamt haben diese beiden etwa gleich großen Grundstücke zusammen eine Fläche von rund 8000 Quadratmetern. Mit Verweis auf bestehende Verschwiegenheitsklauseln wollte Merz auf Nachfrage dieser Zeitung weder den Namen der Unternehmen noch die Branche, in denen die Firmen tätig sind, nennen.

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Neue Aushängeschild im Gebiet

Kürzlich gab es den symbolischen Spatenstich für den Neubau von Medi-G. Dieser wird unmittelbar an der Bundesstraße 311, an die der Industriepark angrenzt, gebaut. Damit kommt dem Firmensitz von Medi-G die Rolle des Aushängeschildes des Industrieparks zu. Die Geschäftsführer von Medi-G, Susanne Gäng und Otto Gäng, freuten sich beim Spatenstich, dass die Bauarbeiten begonnen haben und dankten Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick und Anna-Maria Merz für die Unterstützung beim Erwerb des „Filetstücks“ direkt am Kreisverkehr.

So soll die neue Firmenzentrale von Medi-G einmal aussehen. Animation: Medi-G
So soll die neue Firmenzentrale von Medi-G einmal aussehen. Animation: Medi-G | Bild: Medizintechnikunternehmen Medi-G

Bürgermeister von Design begeistert

Zwick betonte, dass er sehr froh darüber ist, dass Medi-G im Industriepark in einen neuen Firmensitz investiere und hier in Zukunft qualitativ hochwertige medizinische Instrumente herstellt, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Mit der Verlagerung werde gesundes Wachstum mit der zukunftssicheren Optimierung der Prozesse verknüpft, hinzu komme ein äußerst ansprechendes Design des neuen Firmengebäudes sowie der Erhalt und das Schaffen weiterer Arbeitsplätze.

Jürgen Gabele, Geschäftsführer des beauftragten Generalunternehmens Haller Industriebau, sagte beim Spatenstich, dass es sich bei dem Neubau um einen hochfunktionalen und sehr attraktiven Industriebau handele. Insgesamt werde die Nutzfläche der Firma Medi-G mit ungefähr 5500 Quadratmetern mehr als verdoppelt.

Zwei Projekte von Holz-Unternehmen

Neben Amazon und Medi-G werden sich das Meßkircher Holzbau-Unternehmen Alber und die Best wood Schneider GmbH im Industriepark ansiedeln. „Nachdem uns nun das Brandschutzkonzept weitere Wochen gekostet hat und die Statik fertig ist, warten wir noch immer auf eine Baufreigabe. Aktuell hoffen wir, noch vor den Handwerkferien beginnen zu können,“ teilt uns Jürgen Alber, Chef des gleichnamigen Meßkircher Holzbauunternehmens, auf Anfrage mit. In einem ersten Bauabschnitt sollen eine Lager- und eine Produktionshalle als neuer Standort für den Holzbau-Betrieb (Alber Holzbau GmbH) entstehen. Die Pressesprecherin des Holzindustrie-Unternehmens aus dem Kreis Biberach teilte mit, dass eine konkrete Auskunft zum Start des Baus des Produktionswerks im Meßkircher Industrieparks erst im September diesen Jahres konkret beantwortet werden könne.

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Nachhaltiges Bauwerk entsteht

Dass das Gebäude auch nachhaltig sei, zeigten unter anderem die Installation einer Photovoltaik-Anlage, eine Dachbegrünung sowie die Anbindung an eine Fernwärme-Heizung. Mit einer vollständig gedämmten Bodenplatte und einer Gebäudehülle, die hohe Anforderungen an die Dämmung der Wände, Fenster, Türen und Tore stelle, erfülle das Bauwerk die KfW 55-Anforderungen. Das bedeutet, dass der Energiebedarf nur bei 55 Prozent eines üblichen Neubaus liege. Die Prozesskette im Unternehmen werde von der Planung und Verwaltung über die mechanische Bearbeitung bis zur Endmontage auf einer Ebene im Erdgeschoß abgebildet, sämtliche dienenden Funktionen, Nebenräume und die komplette Haustechnik finden sich im Obergeschoß. Das Erdgeschoß könne somit umlaufend verglast werden. So sei von allen Positionen im Gebäude ein Ausblick in die Umgebung möglich.

50 zusätzliche Arbeitsplätze bei Medi-G

Medi-G beschäftigt momentan mehr als 100 Menschen, wobei im neuen Firmensitz bis zu 150 Mitarbeiter Platz finden werden. Mit einem Maschinenpark, der modernst ausgestattet ist, werden qualitativ hochwertige Instrumente für die minimal-invasive Chirurgie hergestellt. Der Umzug in das neue Gebäude soll im kommenden Jahr innerhalb von drei Wochen während den Handwerker-Ferien über die Bühne gebracht werden.

Bisher gut durch die Krise

Von der Corona-Krise ist Medi-G bisher nur insoweit betroffen, als dass die Abläufe im Unternehmen verändert wurden, so dass das Ansteckungsrisiko reduziert werden kann. Es gibt jetzt zwei komplett getrennte Schichten, in denen jeweils acht Stunden gearbeitet wird. Ferner gibt es zusätzliche Reinigungszyklen beispielsweise für Türklinken. Bisher gibt es weder unter den Beschäftigten noch unter deren Angehörigen Corona-Fälle, sagt Susanne Gäng. Das Unternehmen sei zurzeit gut ausgelastet, Kurzarbeit sei kein Thema. Lieferengpässe habe es keine gegeben. Zum einen liege dies an der großen Fertigungstiefe, sprich ein Großteil der Bearbeitungsschritte findet im Unternehmen statt und zum anderen verfüge Medi-G immer über einen ausreichend großen Vorrat an Titan.

Unternehmen produziert Schutzschilde

Ein besonderer Effekt hatte sich durch die Corona-Krise dennoch ergeben. Denn bei Medi-G werden Schutzschilde in 3-D-Druckern produziert, die das Unternehmen verschenkt. Nach dem Stockacher Krankenhaus sollen in Bälde die Oberschwäbischen Werkstätten für Behinderte in Sigmaringen mit 250 solcher Schilde versorgt werden. Projektingenieur Marc Hipp hatte die Idee, diese Schilde zu fertigen, wie Susanne Gäng gegenüber dieser Zeitung sagte.

Medi-G-Projektingenieur Marc Hipp hatte die Idee, angesichts der Corona-Pandemie im Unternehmen Schutzschild in 3-D-Druckern zu produzieren.
Medi-G-Projektingenieur Marc Hipp hatte die Idee, angesichts der Corona-Pandemie im Unternehmen Schutzschild in 3-D-Druckern zu produzieren. | Bild: Medizintechnikunternehmen Medi-G

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