Das einstige Mühlrad der Furtmühle bei Großstadelhofen steht als Zeitzeuge einbetoniert in der Pilgerherberge des ländlichen Familienzentrums. Seit März blockierte die Corona-Krise wie ein Stein im Getriebe den Betrieb der Furtmühle. Wie die meisten Einrichtungen, hatte auch das Familienzentrum die Angebote für Kinder und Familien einstellen müssen. Doch nun nimmt der Betrieb der Furtmühle erneut Fahrt auf und wird mit Leben erfüllt – das Familienzentrum öffnet wieder seine Tore.

Natur gemeinsam erspüren: Ein Abenteuer ist es, wenn die Kinder bei den Naturerlebnistagen den Furtbach entdecken dürfen.
Natur gemeinsam erspüren: Ein Abenteuer ist es, wenn die Kinder bei den Naturerlebnistagen den Furtbach entdecken dürfen. | Bild: Familienzentrum Furtmühle

Ab Samstag, 4. Juli, bietet das Familienzentrum Furtmühle wieder jeden ersten Samstag im Monat die beliebten „Naturerlebnistage für Kinder“ an. Im vergangenen Jahr war dieses Angebot angelaufen, erfuhr viel Resonanz und Interesse. Die Naturerlebnistage wurden nun den Veranstaltern zufolge den aktuellen Corona-Hygiene-und-Abstandsforderungen angepasst und so ist die Zahl der Teilnehmer vorerst auf zehn Kinder zwischen fünf und zehn Jahren beschränkt.

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Von 10 – 17 Uhr erleben hier die Kinder Natur hautnah. Das weitläufige Naturgelände der Furtmühle bietet sich geradezu für Naturbildung und Erlebnispädagogik an. Es ermöglicht das „Herzensprojekt“ des Furtmühlen-Teams, die Tierpädagogik mit Kindern des Heims und von außerhalb.

Acht Jugendliche leben im Heimbereich

Grundlage des Familienzentrums Furtmühle ist der eingetragene Trägerverein „man müsste lebensräume hinterlassen können“. Im Heimbereich leben acht Jugendliche. Das komplette Dachgeschoss des 400 Jahre alten Haupthauses wurde 2018 ausgebaut, 2019 die Fassade renoviert. Sonnja Legler ist Koordinatorin für den Bereich Natur- und Tierpädagogik, für Fundraising, Presse und Organisation in der Furtmühle verantwortlich. Sie hat die Naturerlebnistage 2019 ins Leben gerufen. Die Pilotphase geht nun in die zweite Saison.

Kreativität ist gefragt beim Bau von Insektenhotels im Familienzentrum Furtmühle.
Kreativität ist gefragt beim Bau von Insektenhotels im Familienzentrum Furtmühle. | Bild: Familienzentrum Furtmühle

Eine Säule der Naturerlebnistage ist der Kontakt mit Eseln, Pferden und Ponys, Hängebauchschweinen, Hasen, Wachteln, Hühnern und Gänsen, Schafen und Ziegen im Offenbereich. „Die grundlegende Beziehung in der Begegnung und dem Zusammensein zwischen Mensch und Tier baut so viel auf, das ein Mensch oft gar nicht aus einem Kind herausholen kann“, beschreibt Sonnja Legler.

Gut besucht, der „Treffpunkt Mühlencafè“ in der Furtmühle.
Gut besucht, der „Treffpunkt Mühlencafè“ in der Furtmühle. | Bild: Familienzentrum Furtmühle

Zur Begegnung gehört die Pflege der Tiere, die ehrenamtlich von der „Heldin der Tiere“, Sonja Braunwarth, versorgt werden. Bei den Naturerlebnistagen drehen die Kinder mit Eseln und Ponys eine Runde, legen beim Striegeln selbst Hand an. Im Stall begrüßen die Ziegen und Schafe die Kinder mit „Rumknabbern“.

Im Furtbach die Natur erforschen

Den Veranstaltern ist wichtig kein vorgeformtes, sondern ein echtes Naturerlebnis zu bieten. „Mir ist wichtig, dass die Kinder durch Naturbildung Natur kennenlernen, die Liebe zur Natur entwickeln, um später immer wieder den Zugang dazu zu finden“, beschreibt Sonnja Legler. Der Furtbach schlängelt sich munter durch das Gelände, die Kinder können das Leben im Bach und Wiese erforschen, klettern auf Bäume, lernen Wildkräuter kennen und beobachten Vögel. Seit dieser Saison hat sich ein Biber am Furtbach niedergelassen. Selbstverständlich werden auch seine Baufortschritte verfolgt.

Begegnung zwischen Elin (links) und dem Esel der Furtmühle.
Begegnung zwischen Elin (links) und dem Esel der Furtmühle. | Bild: Hannah Teresa Henn

Für Kinder, die oft nur Spiel- oder Rasenplätze kennen, stellen die Naturerlebnistage manchmal eine richtige Expedition dar. „Wir gehen in den Tobel, wo es immer wilder wird“, so Legler. Viel gibt es hier entdecken und zu untersuchen – vom kleinen Baumsetzling bis zum Ameisenhaufen. Und manchmal stellen die Kinder auch fest, dass der Hautkontakt mit einer Brennnessel oder der Biss einer Ameise brennt, lernen, wie das „Wiesenpflaster“ Spitzwegerich kleine Verletzungen und Insektenstiche lindert. „Man muss die Natur erleben, kann sie nicht in Fernsehdokumentationen kennenlernen“, ist Sonnja Legler überzeugt. Die Aktionen werden dem Alter der Teilnehmer angepasst.

Die Begegnung zwischen Mensch und Tier hat in der Furtmühle einen großen Stellenwert.
Die Begegnung zwischen Mensch und Tier hat in der Furtmühle einen großen Stellenwert. | Bild: Sandra Häusler

Während der Mittagspause wird vorgelesen oder gebastelt. Über der prasselnden Feuerstelle an der Feldscheune wird Stockbrot gebacken. Für jede Wetterlage hält das Team der Furtmühle an den Naturerlebnistagen ein vielfältiges Beschäftigungsprogramm bereit. Um das Projekt niederschwellig anbieten zu können und allen Familien Zugang zu ermöglichen, sucht der Trägerverein Stiftungen, die die Natur- und Erlebnispädagogik der Furtmühle langfristig finanziell unterstützen.

Mühlencafé ist samstags wieder geöffnet

Mitten in der Natur zwischen Großstadelhofen und Kirnbach gelegen, ist die Furtmühle idealer Ausgangsort für Wanderungen und Spaziergänge. Die Furtmühle liegt am Jakobspilgerweg zum Ramsberg und bietet sechs Schlafplätze in der Pilgerherberge. Der „Treffpunkt Mühlencafé„ ist wieder jeden Samstag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Es gibt dort selbstgemachten Kuchen, Kaffee und Raum für Gespräche sowie einen Bücherflohmarkt.

In diesem Jahr baut das Familienzentrum Furtmühle die Feldscheune zu einer Erlebnisscheune aus, zeigt Mitarbeiterin Sonnja Legler.
In diesem Jahr baut das Familienzentrum Furtmühle die Feldscheune zu einer Erlebnisscheune aus, zeigt Mitarbeiterin Sonnja Legler. | Bild: Sandra Häusler

Dort gelten die aktuellen Corona-Vorschriften. Das Familienzentrum plant den Ausbau der Angebote mit tiergestützter Natur-und Erlebnispädagogik. Einzelne Projekte und Projektphasen sollen in den kommenden Jahren entstehen. „2020 soll die Feldscheune zur Erlebnisscheune werden“, erläutert Sonnja Legler.