Ich suche Gott, können Sie mir helfen?“… auf dieses Experiment ließ ich mich letzte Woche ein: Straßenexerzitien – mit offenen Augen beten – Gott suchen und mich von ihm finden lassen.

Geplant waren diese drei Tage in Mannheim, doch coronabedingt zuhause, in meinem Lebensumfeld. Ist das überhaupt möglich? Hier, wo mir alles vertraut und bekannt ist? Wo mich meine Verantwortlichkeiten einholen. Kann ich aus dem Gewohnten heraustreten und hier auf Gottessuche gehen? Lasse ich mich von ihm rufen und bin ich zu einer Antwort bereit?

Mit diesen vielfältigen Fragen im Gepäck und meinem Hund machte ich mich auf den Weg, immer mit dem Gedanken, langsam und achtsam zu gehen. Als Impuls wurde uns die Begegnung Mose am brennenden Dornbusch mitgegeben. Mose, der über seinen normalen Weg hinaus in die Wüste geht und dort etwas Ungewöhnliches im aller Gewöhnlichsten entdeckt: Ein Dornbusch brennt und verbrennt doch nicht. Gott wird sich zeigen, wie er ist, wird seinen Namen preisgeben. Nur ohne Schuhe, barfuß und ohne Schutz, kann sich Mose dem Dornbusch nähern und Gottes Stimme hören. (Hundertmark Peter, Mit offenen Augen beten, Dt. Katechetenverein 2009).

Sicherheiten abgelegt und die Sinne geöffnet

Sicherheiten ablegen, Handy und Geld zuhause lassen, mit jedem Schritt das Tempo verlangsamen, Augen, Ohr und Herz ganz bewusst öffnen und spüren, wohin Gott mich leiten will. Und so führte mich mein Weg vorbei an einer Wohngruppe für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, an einer Begegnungsstätte für psychisch kranke Menschen und an einer Außengruppe eines Kinderheimes. Unterschiedliche Lebensumstände, Lebensformen, die mich berührten, zum Nachdenken anregten und zum Gebet einluden. Weiter ging ich an der Donau entlang, staunte über die schöne Natur, das satte Grün, die strahlende Sonne, den blauen Himmel, das Zwitschern der Vögel und die ansonsten so wohltuende Stille: dankbar und demütig vor Gottes Schöpfung.

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Noch bevor ich nach einem Gebetsplatz in der Sonne Ausschau halten konnte, begegnete ich drei Männern. Meine innere Einstellung zur bewussten Offenheit und Achtsamkeit war wohl spürbar, sodass wir ins Gespräch kamen, bis zu einem Austausch, den ich nicht gesucht hatte, aber dankbar als Geschenk und Gebet annahm. Das eigene Leben sorgsam und dankbar reflektieren, Neues entdecken, im Verweilen aufmerksam, wach sein und so mit Gott ins Gespräch kommen.

Gott hat mich angesprochen

Ja, Gott hat mich wahrhaftig angesprochen, hat sich mir in meinem Umfeld vielfältig gezeigt und mich berührt, der „ICH BIN DA“ und ich konnte antworten: Hier bin ich – Hineni!