Wen hat er nicht schon zum Lachen gebracht, unser Steini? Und was für ein Lachen! Herzhaft, fröhlich – einfach ansteckend. Schon früh am Morgen beim ersten Telefonat mit der Redaktion hat er einen kleinen Witz parat oder ein Wortspiel, das uns den ganzen Tag schmunzeln und ein bisschen besser gelaunt in die Arbeit starten lässt.

Ein Herz für andere: Hermann-Peter Steinmüller mit Ehefrau Barbara Strohmenger (links) und Dianna aus Armenien, die das Ehepaar seit Jahren als Patenkind unterstützt. Sie hat eine Ausbildung als Krankenschwester abgeschlossen.
Ein Herz für andere: Hermann-Peter Steinmüller mit Ehefrau Barbara Strohmenger (links) und Dianna aus Armenien, die das Ehepaar seit Jahren als Patenkind unterstützt. Sie hat eine Ausbildung als Krankenschwester abgeschlossen. | Bild: privat

„Bei Gleichaltrigen nervt mich ja am meisten, dass sie schon so alt sind“, lautet ein typischer Spruch. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, zählt Hermann-Peter Steinmüller doch gerade einmal 63 Lenze. Und trotzdem verlässt der umtriebige Journalist noch in diesem Monat den SÜDKURIER in Richtung Ruhestand – nach über 40 Jahren, in denen er für unsere Zeitung berichtet hat. Dass er nicht mehr da sein wird – was sich im Moment noch gar keiner so richtig vorstellen kann – wird eine große Lücke im Team hinterlassen. Ist Hermann-Peter Steinmüller doch ein journalistischer Allrounder durch und durch. Jemand, der politische Debatten des Gemeinderats ebenso versiert wiedergeben kann wie klangvolle Konzerte. Der in der fröhlichen Fasnet ebenso zuhause ist wie bei Pressekonferenzen.

Geübter Blick für schöne Fotomotive in der Heimat

Und dann ist da noch seine große Leidenschaft, das Fotografieren. Wann immer er unterwegs ist – privat oder für den SÜDKURIER – hat Steini seine Kamera im Gepäck. Damit hält er nicht nur Menschen fest, sondern auch mit liebevollem Blick für Details die wunderschönen Landschaften seiner Heimat. Ist er doch ein echtes Kind der Region: Geboren wurde er 1957 in Mühlheim an der Donau. „Fast ein Aprilscherz“, erzählt er schmunzelnd über seine Geburtsstunde um 23.55 Uhr am 31. März. Das Gymnasium in Tuttlingen hat er besucht sowie ein katholisches Internat in Weingarten. Dort drückte er die Schulbank mit einem prominenten Regisseur der Region: Douglas Wolfsperger, der vor allem durch seinen Film „Die Blutritter“ bekannt wurde.

Seine große Leidenschaft sind seine geliebten Hunde.
Seine große Leidenschaft sind seine geliebten Hunde. | Bild: privat

Eine langwierige Krankheit mit mehreren missglückten Operationen führte dazu, dass Hermann-Peter Steinmüller schließlich das Internat verlassen musste. Später holte er seinen Schulabschluss nach. Als Seiteneinsteiger kam er schließlich zum Journalismus. „Die Zeitung in Tuttlingen war auf der Suche nach einem Bild von der Hubertusjagd und ich hatte als Hobbyfotograf eines zu bieten“, schildert er. Das Bild kam in der Redaktion gut an und so war der Grundstein für die journalistische Tätigkeit ab Mitte der 1970-er Jahre gelegt.

Geld gespart für die erste elektrische Schreibmaschine

„Ich habe mir alles selbst beigebracht. Durch Vertretungen in einem Fotolabor konnte ich das Geld für meine erste elektrische Schreibmaschine zusammensparen“, schildert er seine Anfänge als freiberuflicher Reporter, die ihn von Blumberg über Immendingen und Stockach nach Meßkirch führten. Seit 1980 arbeitete er für den SÜDKURIER. „Es erforderte einige Zeit, sich das nötige Wissen anzueignen“, erinnert er sich.

Interviewsition mit dem Meßkircher Musiker Jens Richter und in Begleitung von Hundchen Yaris.
Interviewsition mit dem Meßkircher Musiker Jens Richter und in Begleitung von Hundchen Yaris. | Bild: privat

„Im Laufe der Zeit durfte ich viele beeindruckende Persönlichkeiten kennenlernen“, erzählt Hermann-Peter Steinmüller. Zum Beispiel die Ehefrau von Bundespräsident Walter Scheel, Mildred Scheel – eine engagierte Frau, die sich als Gründerin der Deutschen Krebshilfe unermüdlich engagierte und in der Region zu Gast war. Oder den unvergesslichen Bert Geurten, ehemaliger Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt und Initiator von Campus Galli, der im Jahr 2018 viel zu früh verstarb. „Er hatte eine mitreißende Art und eine unglaubliche Überzeugungskraft“, zollt er dem Meßkircher Respekt.

Soziales Engagement ist ihm besonders wichtig

Was viele nicht wissen, ist, dass Hermann-Peter Steinmüller selbst sozial engagiert ist. So unterstützt er unter anderem das Projekt „Dorf der Hoffnung“ in Armenien, bei dem bedürftigen Familien Unterkünfte und Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden. „Seit Jahren haben wir ein Patenkind aus Armenien. Dianna hat inzwischen eine von uns finanzierte Ausbildung als Krankenschwester erfolgreich abgeschlossen. Seit dem letzten Jahr studiert sie Zahnmedizin“, verrät der Journalist im Gespräch.

Reiten ist seine große Leidenschaft, über den Reitverein kam Hermann-Peter Steinmüller zum Journalismus. Hier ist er auf dem Wallach Ivan auf dem Paulterhof zu sehen.
Reiten ist seine große Leidenschaft, über den Reitverein kam Hermann-Peter Steinmüller zum Journalismus. Hier ist er auf dem Wallach Ivan auf dem Paulterhof zu sehen. | Bild: privat

Beim Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte sind es natürlich vor allem die lustigen und skurrilen Begebenheiten, die dem humorvollen SÜDKURIER-Mitarbeiter im Gedächtnis blieben. Etwa als er sich bei einem Termin nach der Fototasche gebückt hatte und der damalige Ministerpräsident Lothar Späth vor dem Publikum in der vollbesetzten Halle über ihn stolperte.

Ist er in Wahrheit gar ein Bankräuber?

Und einmal geriet unser harmloser Steini sogar in die Fänge der Polizei. „Ich war bei einem Mordprozess beim Landgericht Tübingen. Mein Auto stand im Parkhaus. Während dieser Zeit gab es einen Banküberfall. Weil mein Auto so lange im Parkhaus stand, wurde ich verdächtigt“, schildert er. Auf dem Heimweg sei er in Hechingen von der Polizei auf die Standspur gelenkt und festgenommen worden. „Auf der Wache klärte sich das Versehen. Ich konnte immerhin eine Schwurgerichtskammer, einen Oberstaatsanwalt und mehrere andere Prozessbeteiligte als Alibi benennen. So gute Zeugen hat nicht jeder“, schmunzelt der 63-Jährige.

Der Weg führt ihn nach Nordrhein-Westfalen

Die Pensionierung führt Hermann-Peter Steinmüller in eine neue Region. Er zieht mit seiner Frau Barbara in deren Heimat Werne. Englisch und Hebräisch will er lernen und mit seinem Neffen Simon die elektrische Eisenbahn fahren lassen. So, wie wir ihn kennen, wird er es vielleicht auch gar nicht lassen können mit dem Journalismus und in einer nordrhein-westfälischen Zeitung werden demnächst Artikel mit dem Autorenkürzel „hps“ abgedruckt. Auf jeden Fall wünschen wir ihm alles Liebe, unserem „Steinchen“. Goodbye, Steini, mach‘s gut und vergiss uns nicht!

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