Der erste Sonntag nach Ostern trägt den alten Namen „Quasimodogeniti“, zu deutsch: Wie die kleinen Kinder. An diesem Sonntag trugen die Neugetauften von Ostern, dem alten Taufsonntag, nochmals die hellen Gewänder, die sie als Taufkleider in der Osternacht erhalten hatten, und wurden begrüßt als „gleichsam neu Geborene“. Dann legten die zu Ostern Getauften ihre weißen Taufkleider ab. Daher trägt dieser Sonntag auch den Namen „Weißer Sonntag“. Ein großer Feiertag, damals wie heute, in den Kirchen aller Konfessionen.

Ein großer Feiertag, ja. Und dann heute: kein Gemeindegesang. So steht es in dem derzeit gültigen Corona-Update (wie lange noch?). Seit Wochen und Monaten ist das so. Im Gottesdienst nicht singen – mir fällt das schwer. Denn ich singe gerne. Ich vermisse das gemeinsame Singen, Brummen und Summen. Neue und alte Lieder, bekannte und unbekannte, leise und laute, langsame und flotte, fröhliche und traurige, manche im und mit dem Chor. Ich mag es, wenn der Kirchenraum mit Höhen und Tiefen von Musik durchflutet wird. Wenn Klänge sich ausbreiten und Raum nehmen. Das geht weiter und tiefer als gesprochene Worte. Melodien tragen die Worte ins Herz hinein. Und manche davon werden zu Ohrwürmern.

Wir vermissen das gemeinsame Singen

Wir vermissen das gemeinsame Singen. Dabei wollen wir doch singen. Martin Luther schreibt in der Vorrede zum Babstschen Gesangbuch (1545) „Singet dem Herrn ein neues Lied, singet dem Herrn, alle Welt!“: „Denn Gott hat unser Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünden, Tod und Teufel. Wer solchs mit Ernst gläubet, der kanns nicht lassen, er muss fröhlich und mit Lust davon singen und sagen, dass es andere auch hören und herzukommen.“

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Wann werden wir wieder singen, fröhlich und mit Lust singen dürfen? Und welche Lieder wollen wir dann singen? Vielleicht, passend zur überstandenen Pandemie-Zeit, die Nr. 305 aus dem Evangelischen Gesangbuch (nach Psalm 148, Text und Melodie Dieter Hechtenberg 1968):

„Singt das Lied der Freude über Gott!

Lobt ihn laut, der euch erschaffen hat.

Er wird Kraft uns geben, Glanz und Licht wird sein,

in das dunkle Leben leuchtet hell sein Schein:

Singt das Lied der Freude über Gott!“

Oder klicken Sie im Internet an: Ostergruß aus der Musikstadt Leipzig; Sie werden eine Überraschung erleben – wie man auch im Lockdown Gott musikalisch loben kann.

Melodien die Zuversicht spenden

Wie auch immer – ich wünsche uns allen Töne, die anrühren und zum Ohrwurm werden, Melodien, die vom Leben erzählen und Zuversicht spenden. Klänge, die uns durch die kommenden Wochen begleiten und uns Gottes segnende Nähe immer wieder neu spüren lassen – ob lauthals in die Welt gesungen oder leise im Herzen bewegt. Bleiben Sie behütet und gesund.

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