„Gute Reise!“, rufe ich den Nachbarn zu. Ihr Auto ist voll bepackt mit Taschen, Koffern und Spielzeug. Die Kinder haben es sich auf dem Rücksitz bequem gemacht. Gleich geht es los auf die lange Fahrt gen Süden.

Gute Reise! Da schwingt die Ahnung mit, dass jeder Aufbruch auch ein Aufbruch ins Unbekannte ist. Selbstverständlich ist keineswegs, dass wir unterwegs nicht Schaden nehmen und heil am Ziel ankommen.

Es hat eine lange Tradition, dass Menschen vor Antritt einer Reise ein Gebet sprechen, in dem sie Gott bitten, er möge sie behüten auf ihrem Weg. Denn das ist klar: Wer fortzieht, setzt sich Gefahren aus und braucht den Schutz und den Segen Gottes in besonderer Weise.

Ein vertontes Reisegebet

Ein solches – vertontes – Reisegebet aus unseren Tagen habe ich Ihnen heute mitgebracht:

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.

Die Melodie stammt vom Schweden Anders Ruuth, der viele Jahre in Argentinien lebte und lehrte. In tänzerischem Dreiertakt schreiten die Klänge voran, leichtfüßig trotz Moll-Tonart. Der Text ist von dem deutschen Pfarrer Eugen Eckert.

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In Melodie und Text ist beides enthalten: die Leichtigkeit und Gelöstheit derer, die sich auf den Weg machen. Ein bisschen zögernd vielleicht noch, aber doch freudig gespannt, was sich da unterwegs alles ergeben könnte.

Dann aber auch die Ahnung, dass der Weg, der sich vor ihnen erstreckt, nicht ungefährlich ist. Dass es heikle Situationen geben kann, gefährliche Wegabschnitte oder böse Erfahrungen, wo ich in besonderer Weise auf den Schutz Gottes angewiesen bin.

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißet,
sei um uns auf unsern Wegen.

Bei diesem Lied geht es aber auch um mehr als um eine Urlaubsreise. Die angesprochenen Wege sind auch meine, unsere Lebenswege: Auch unsere Lebensreisen waren und sind voll von Umwegen, Unsicherheiten, Krisen, Leiden und Gefahren. Dafür brauche ich Wärme und Licht, Hilfe und Kraft und den guten Geist Gottes als hilfreichen Begleiter.

Jede noch so kleine Reise, denke ich, mit ihren Abschieden und Aufbrüchen, mit ihren Erfahrungen, die ich unterwegs mache, mit ihren Krisen auch und der Sehnsucht, das Ziel zu erreichen – sie ist letztlich ein Bild für die große Reise meines Lebens.

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Und gerade dafür brauche ich den Zuruf: Gute Reise! Gut möge es werden – dein und mein Leben!

Seid also behütet, liebe Nachbarn, die ihr gerade aufbrecht, liebe Leser, die ihr das gerade lest! Seid behütet und bewahrt von dem Segen Gottes, der mitgeht auf den kleinen und großen Reisen unseres Lebens!