Der Herbst ist da und bei vielen Autofahrern drängt sich die Frage auf: „Soll ich jetzt schon die Winterreifen aufziehen?“ Wer rechtzeitig handelt, der ist bei einem plötzlichen Wetterumschwung auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wer sich unsicher ist, kann sich an einer einfachen Regel, der sogenannten „O-bis-O-Regel, orientieren. Die Faustregel für die Winterreifennutzung heißt immer noch ‚von Oktober bis Ostern“, erklärt Siegmund Bauknecht, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Sigmaringen. Das Auto sollte also vom Monat Oktober bis zum Wochenende nach Ostern mit Winterreifen ausgestattet sein.

Schnell einen Termin besorgen

Eine gesetzliche Regelung für einen bestimmten Zeitpunkt, zu dem die Winterausrüstung montiert sein muss, gibt es allerdings nicht. Vorgeschrieben ist jedoch, dass die Winterreifen drauf sein müssen, sobald man bei Glatteis, Schneematsch, Schneeglätte oder vergleichbaren winterlichen Verhältnissen mit dem Auto unterwegs ist. Wer sich dabei alleine auf den Wetterbericht verlässt, ist oftmals nicht gut beraten, denn selbst dann, wenn man den richtigen Zeitpunkt noch gerade so erwischen könnte, gibt es keine freien Termine mehr in der Werkstatt. „Ich empfehle jedem, der noch keinen Termin hat, so schnell wie möglich tätig zu werden, denn gerade in höheren Lagen kommt der Schnee schneller als gedacht“, so Obermeister Bauknecht.

Selbst bei Ganzjahresreifen sei empfohlen, die Profiltiefe und das Alter der Reifen zu prüfen. Ein alter oder im Sommer verschlissener Ganzjahresreifen bringe im Winter nichts mehr. Die vorgeschriebenen 1,6 Millimeter Mindestprofil seien viel zu wenig. Schließlich geht es ja um die eigene Sicherheit und um die Sicherheit anderer. „Unsere Werkstätten und Autohäuser sorgen für alle sicherheitsrelevanten Komponenten, stellen die Beleuchtung ein, helfen bei der Winterreifenwahl, machen die Autos der Kunden winterfit oder unterstützen bei der Fahrzeugpflege“, versichert der Obermeister.

Michael Boos überprüft den Kühlerfrostschutz bei einem Kundenwagen.
Michael Boos überprüft den Kühlerfrostschutz bei einem Kundenwagen. | Bild: Christl Eberlein

Um mit dem Fahrzeug in der kalten Jahreszeit sicher unterwegs zu sein, gehört aber mehr, als der Reifenwechsel. „Das Wichtigste beim Wintercheck ist die Beleuchtung“, sagt Kfz-Techniker-Meister Michael Boos aus Meßkirch. Die Überprüfung der Lichtanlage und die richtige Höheneinstellung der Scheinwerfer, die auch zu einer normalen Inspektion gehören, seien in der dunklen Jahreszeit um so wichtiger. Auf Wunsch kontrolliert er auch Bremsen, Kühler- und Scheibenfrostschutz, Wischer und prüft Ölstand sowie Reifenluftdruck. Diese Arbeiten stehen auch in der Werkstatt von Auto Zimmermann in Meßkirch zur Zeit mehrfach auf dem Plan, denn auch hier laufen die Wintervorbereitungen bei den Fahrzeugen der Kunden auf Hochtouren. Kfz-Meister Helmut Lang weiß: „Wenn die erste Flocke fällt, dann sollen innerhalb von 24 Stunden alle Winterreifen drauf und die Autos winterfest sein. Aber das geht natürlich nicht.“ Deshalb rät auch er dazu, sich rechtzeitig um einen Termin in der Werkstatt zu kümmern.

Mangelhafte Winterausrüstung kann auch strafrechtlich relevant werden

Herrschen auf der Straße Glatteis, Schneeglätte, Eis- oder Reifglätte, dann kann es nicht nur gefährlich werden, sondern auch teuer. Bußgelder werden fällig, sobald das Fahrzeug keine ausreichende Winterausrüstung aufweist, denn dann besteht ein erhöhtes Unfallrisiko. Neben Strafen für die Mängel am Fahrzeug, kann es zu weitaus schlimmeren Ermittlungen kommen, erklärt Markus Sauter vom Polizeipräsidium Ravensburg. „Bei einem Unfall sind selbstverständlich, je nach Unfallfolge, auch die Straftatbestände der fahrlässigen Körperverletzung beziehungsweise fahrlässigen Tötung denkbar“, sagt er.

„Corona-Ausreden“ ziehen nicht

„Corona-Ausreden“ im Bezug auf den Wintercheck des Fahrzeugs gibt es übrigens nicht, denn in den Autowerkstätten läuft alles ganz normal. An die Corona-Umstände sind alle Betriebe angepasst, bestätigt die Kfz-Innung Sigmaringen. „Unter Einhaltung aller Hygieneregeln läuft die Arbeit wie vor Corona„, versichert Bauknecht.

Verstöße können teuer werden

Wer glaubt, im Winter ohne angemessene Ausrüstung zu zurechtzukommen, für den kann es teuer werden. Auch wenn es kein generelles Verbot gibt, ist die Gesetzeslage bei winterlichen Verhältnissen eindeutig und es werden Bußgelder für Verstöße fällig. Herrschen Schnee-, Eis- oder Reifglätte, gilt unter anderem folgendes:

  • Fahren mit Sommerreifen 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.
  • Fahren mit Sommerreifen mit Behinderung 80 Euro und ein Punkt.
  • Fahren mit Sommerreifen mit Gefährdung 100 Euro und ein Punkt.
  • Fahren mit Sommerreifen mit Unfall 120 Euro und ein Punkt.
  • Fahren ohne Abblendlicht (innerorts) 25 Euro und ein Punkt in Flensburg.
  • Fahren ohne Abblendlicht (außerorts) 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.
  • Schlechte Sicht durch beschlagene Scheiben 10 Euro.
  • Autodach nicht vom Schnee befreit 25 Euro.
  • Eisplatten auf dem Fahrzeugdach 80 bis 120 Euro und ein Punkt in Flensburg.

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