Auf der Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk habe ich vor kurzem ein Juweliergeschäft besucht. Mir schwebte ein Ring vor und tatsächlich konnte ich mich bei der großen Auswahl ziemlich schnell für einen schmalen zierlichen Goldring entscheiden. Während des Aussuchens kamen die Verkäuferin und ich ins Gespräch über unsere unterschiedlichen Ring – speziell Ehering-Tragegewohnheiten.

„Ich ziehe den Ring sofort aus, sobald ich zu Hause bin, er stört mich bei der Hausarbeit“, so erzählte sie, und ich konnte dem zustimmen. Seit ich vor vielen Jahren meinen Ehering während des Laubaufsammelns im Herbst verloren habe, trage ich ihn nur noch äußerst selten, aus Angst ihn erneut zu verlieren. Damals hab ich ihn tatsächlich nach langem mühseligem Durchsuchen des Laubhaufens wieder gefunden – Gott sei Dank. Ja, so eine Geschichte kenne sie auch, meinte meine Gesprächspartnerin, ein Kunde habe vor vielen Jahren bereits in den Flitterwochen seinen Ring verloren und war verständlicherweise darüber untröstlich.

Jeder kennt solche Geschichten

Ich denke, jeder könnte hier etwas beitragen: wer hat nicht selbst schon mal etwas verloren – und hoffentlich wiedergefunden. Auch die Bibel erzählt davon. Im Lukasevangelium ist ein ganzes Kapitel dem Verlorenen gewidmet. Der verlorene Sohn, der nach dem rauschhaften Verprassen seines Erbes vom Vater mit offenen Armen wieder aufgenommen wird. Das verlorene Schaf, eines von 100, das der Schäfer geduldig sucht und sich trotz der scheinbaren Hoffnungslosigkeit des Unterfangens nicht davon abhalten lässt, bis er es schließlich gefunden hat. Die verlorene Münze – um sie zu finden stellt eine Frau das ganze Haus auf den Kopf, und vor Freude über den wiedergefundenen Groschen feiert sie ein Fest mit den Nachbarn.

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Diese Geschichten sind Gleichnisse, Metaphern, die im Grunde alle drei die gleiche Botschaft haben: Vater, Hirte, die Frau, alle drei stehen für Gott, der nicht aufhört, für uns da zu sein, auch wenn wir uns verirrt haben, der uns unermüdlich sucht, weil jeder einzelne für ihn unendlich wichtig ist, der auch die letzte Ecke durchkämmt für einen einzigen Menschen.

Gleichnisse erreichen uns

Ich liebe Gleichnisse. Sie begleiten mich, nicht nur im Unterricht, auch in meinem privaten Leben. In der Klarheit ihrer Sprache erreichen sie uns und geben doch immer wieder Raum zum Nachdenken über das, was sie uns sagen wollen.

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Die „Verlorenen-Geschichten“ im Lukasevangelium stehen für den Sieg des Guten, es findet sich alles wieder, ob es fieberhaft gesucht wird, wie das Schaf und die Münze oder ob es sich selbst wieder einfindet, wie der verloren geglaubte Sohn.

Nach 40 Jahren wiedergefunden

Zurück zu meinem Besuch beim Juwelier. Viele, viele Jahre später, die Rede war von circa 40, kam der einstige Flitterwöchner, nun also irgendwo zwischen Silber-und Goldhochzeit, in den Laden, und hielt einen verschmutzten , verkratzten und angelaufenen Ring in den Händen – wir ahnen es – mit seinem einst verlorenen Ehering. Bei der Gartenarbeit hatte er ihn entdeckt – eine Karotte war sozusagen in den Ring hineingewachsen. Ja, das Gute sucht sich seinen Weg.