Der lokale stationäre Handel ist keineswegs out, aber er braucht den Online-Handel, um seinen Gewinn zu steigern und dadurch zu überleben. Davon sind Mathias Bank und Sebastian Fruchtzweig vom Meßkircher IT-Unternehmen Repalogic, das Software-Lösungen für Onlineshops entwickelt, seit Langem überzeugt. Das Kaufverhalten während und nach dem Lockdown gibt ihnen recht. Eine weitere Bestätigung ihrer IT-Philosophie erhielten sie durch die Entscheidung des deutschlandweiten Verbands der Baumärkte Bauvista, der das Onlineshop-System Tyrios aus der Meßkircher Ideenschmiede ihren über 700 Mitgliedern empfiehlt. Ebenso empfahl der Verband für das Umsetzen der Onlineshops und Webseiten die Zusammenarbeit mit der Meßkircher Agentur. Ein beachtlicher Erfolg für das kleine 20-köpfige Unternehmen.

„Es ist ein Fehler, online und lokal getrennt zu sehen“, betont der geschäftsführende Gesellschafter von Repalogic Mathias Bank. Eine Kombination sei eine gewinnbringende Lösung für kleine und mittelständische Betriebe und Geschäfte, zumal sich Kaufinteressenten jeden Alters mittlerweile im Internet informieren.

Stationäre Handel bleibt unverzichtbar

In der Zeit des Lockdowns hätten viele Händler positive Erfahrungen mit dem Online-Handel gesammelt. „Das hat ihre Einstellung tatsächlich verändert“, stellt Mathias Bank fest. „Wir haben festgestellt, dass die Händler ihre Online-Shops, die in der Notsituation während der Corona-Zeit entstanden, aktiv lassen“, ergänzt Sales Manager Sebastian Fruchtzweig. Sie bräuchten sich nicht davor scheuen, mit der billigeren Konkurrenz mitzuhalten, da Kunden besonders auf Nachhaltigkeit, Beratung durch Ansprechpartner und unkomplizierten Umtausch Wert legen. Dass auch der stationäre Handel unverzichtbar sei, erkenne man an den Filial-Eröffnungen der großen internationalen Internet-Händler wie Zalando oder Amazon in den Großstädten.

Online-Auftritte sehr erfolgreich

Die IT-Firma, die im Zentrum von Meßkirch angesiedelt ist, entwickelt bereits seit vielen Jahren Software, welche den Online-Handel unterstützt und individuelle Lösungen anbietet. Zu einem wichtigen Ziel der Händler gehöre es, im Internet wahrgenommen zu werden. Mathias Bank, der auch Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Meßkirch ist, zieht als Beispiel seinen Kunden, den Baumarkt Profi Winkler, heran. Als der Baumarkt seine Produktpalette online stellte, habe er im Internet einen riesigen Zuwachs an Aufmerksamkeit erfahren. Die Kaufinteressenten schätzen den Service sowie zu den Produkten Beschreibungen zu erhalten. Der überaus große Vorteil vonseiten der Händler bestehe darin, dass sie im Internet mit ihrer Service-Palette punkten könne, von der Beratung, über den Umtausch, den Verleih von Geräten, diversen Anregungen bis zu Workshops.

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Onlineshop oder ein Schaufenster 2.0

Den Verband der Baumärkte Bauvista überzeugte das Konzept von Repalogic, da die Software Tyrios die Bauvista-Content-Cloud mit der Warenwirtschaft der Baumärkte verbindet und die Produkte voll automatisiert in den Tyrios-Onlineshop bringt, erläutert der Sales Manager den Vorgang. Baumärkte, die keinen Onlineshop wünschen, können ihre Produkte auf einer Homepage in einem Schaufenster 2.0 zeigen. „Für den stationären Einzelhandel ist ein Onlineshop oder ein Schaufenster 2.0 eine verlängerte Ladentheke“, beschreibt Mathias Bank die IT-Lösung.

Service ist unverzichtbar

Was die Händler anbelangt, stellen Fruchtzweig und Bank ganz klar fest. Ein Durchreichen von Produkten vom Hersteller an den Kunden wird zukünftig nicht mehr reichen. „Wer selbst keinen Service anbietet, wird verlieren“, formulieren sie die Entwicklung sowohl für den ländlichen als auch für den städtischen Handel. „Wir haben gesehen, dass der Online-Handel kleine Geschäfte durch die Krise gebracht hat. Aber es braucht auch kreative Ideen“, erklärt Bank. Der Handel der Zukunft müsse mit einem Konzept überzeugen.

Gespräch mit Mathias Bank

Mathias Bank, geschäftsführende Gesellschafter von Repalogic und Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Meßkirch, im Gespräch über die Zukunft des Unternehmens und die Digitalisierung.

Herr Bank, Ihr Unternehmen expandierte die vergangenen Jahre stark. Bekommen Sie in Meßkirch genügend Arbeitskräfte?

Wir können immer Arbeitskräfte gebrauchen: Texter, Grafiker, Webdesigner und Entwickler. Das ist aber oft schwierig. Wir könnten ständig Stellenanzeigen schalten. (lacht) Vor einigen Jahren waren wir fünf Personen, nun sind wir 20.

Werden Sie trotzdem am Standort Meßkirch festhalten?

Die Firmenzentrale soll auf alle Fälle in Meßkirch bleiben. Wir arbeiten schon jetzt mit vielen Externen. Heute ist es nicht mehr so wichtig, ob jemand vor Ort ist.

Was spricht gegen Meßkirch?

Wenn jemand für zwei bis drei Monate bei uns vor Ort arbeitet oder ein Praktikum absolvieren möchte, ist es schwierig, ein Zimmer zu finden. Eine Wohnung ausfindig zu machen, ist noch viel schwerer.

Was spricht für Meßkirch?

Der ländliche Standort hat natürlich für Familien große Vorteile. Man hat die Natur und überschaubare Strukturen. In der Stadt ist es für einen Betrieb nicht unbedingt leichter. Darüber hinaus funktioniert es sehr gut, mit Externen zu arbeiten. Das Homeoffice während der Corona-Zeit hat dies ja bewiesen. Allerdings fehlen die Momente, in denen man mit den Kolleginnen und Kollegen am Runden Tisch zusammensitzt und beim Kaffee Ideen entwickelt.

Wo sehen Sie in Zukunft Handlungsbedarf?

Sorgen bereitet mir, dass nach meiner Meinung die Digitalisierung in den Schulen noch nicht richtig angekommen ist. In der Gesellschaft ist offensichtlich auch nicht richtig angekommen, was IT-Firmen eigentlich machen. Das finde ich ernüchternd. Für ein großes kulturelles Problem halte ich es, dass akzeptiert ist, wenn jemand sagt, „mit Mathe kann ich nicht“. Denn die Digitalisierung ist in Zukunft kein „nice to have“, sondern ein „must have“.

Fragen: Isabell Michelberger