Eine Reise mit vielen Hindernissen haben Petra (50 Jahre) und Friedel (54) Gabele hinter sich. Ende März kehrten sie von einer Odyssee durch den Pazifik zurück. Auslöser war die der Corona-Pandemie. Petra Gabele ist in Heudorf bei Meßkirch aufgewachsen, Friedel Gabele in Sauldorf. Aufgrund der Selbständigkeit von Friedel Gabele als Plattenleger lebt die Familie seit 2001 im schweizerischen Schaffhausen, hat jedoch noch die deutsche Staatsbürgerschaft. Petra Gabele arbeitet als Verwalterin der Kirchgemeinde im Pfarramt Neuhausen.

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Der 50. Geburtstag von Petra Gabele war Anlass für eine knapp dreimonatige Reise, die vom 20. Januar bis zum 10. April angesetzt war. Ein Jahr lang plante das Paar die Reiseroute, die zu weit entfernten Zielen führen sollte. Im Zentrum der Reise stand ein Besuch im Königreich Tonga.

Fahrt durch verbrannte Wälder

Fahrt mit dem Auto durch die, durch Buschbrände zerstörten Wälder in Australien.
Fahrt mit dem Auto durch die, durch Buschbrände zerstörten Wälder in Australien. | Bild: Friedel und Petra Gabele

Zu Reisestart waren noch keine Reisewarnungen wegen Corona ausgesprochen worden, erinnert sich Petra Gabele. Lediglich am Flughafen in Hongkong wurden Temperaturmessungen bei den ankommenden Passagieren durchgeführt. Nach zwei Tagen in Hongkong flogen sie nach Adelaide in Australien. Auf der Autoreise durch Australien war die Buschfeuer-App „Australien Fires“ ihr ständiger Begleiter. Von Adelaide bis Melbourne ging es entlang der Great Ocean Road, einer der schönsten Küstenstraßen der Welt. Dann mussten die Reisenden ihre Route aufgrund der Brände ändern. Ab Canberra fuhren sie durch verbrannte Wälder. „Man hat den Rauch noch gerochen. Es war, wie wenn du durchs Höllental nach Freiburg fährst und das gesamte Höllental wäre abgebrannt“, beschreiben Friedel und Petra Gabele. Auf „Kangaroo Island„ war die halbe Insel mit über 100 Gebäuden und einem Wildreservat abgebrannt. Die Anlieferung von Kleider-und Essensspenden machte die Reisenden betroffen. „Sowohl in Hongkong und auch in Australien haben wir oft ‚Thank you for coming‘ gehört. Die Einheimischen waren froh, dass nicht alle Touristen ihre Reisen storniert haben“, schildert Petra Gabele.

Erste Auswirkungen von Corona

Friedel und Petra Gabele auf dem Victoria Peak in Hongkong.
Friedel und Petra Gabele auf dem Victoria Peak in Hongkong. | Bild: Friedel und Petra Gabele

In Sydney musste das Ehepaar bereits zittern, ob sie an Bord ihres Kreuzfahrtschiffes MS Maasdam durften. Anreisende, die innerhalb von vierzehn Tagen aus Hongkong abgereist waren, durften nicht an Bord. „Unser Glück war, dass wir schon drei Wochen unterwegs waren“, so Petra Gabele. Per Schiff ging es Richtung Tasmanien, und an der Ostküste Neuseelands entlang nach Fidschi.

Blick von Bord der MS Maadam bei der Durchfahrt des Milford Sound, einem eindrucksvollen Fjord in Neuseeland.
Blick von Bord der MS Maadam bei der Durchfahrt des Milford Sound, einem eindrucksvollen Fjord in Neuseeland. | Bild: Friedel und Petra Gabele

Petra Gabele: „Am 3. März hieß es, Tonga macht den Hafen zu“. Das war eine große Enttäuschung. Aufgrund freundschaftlicher Verbindungen zu Tonganerinnen in Sauldorf-Rast und Großstadelhofen, hätten deren dort lebende Familien den Wahlschweizern ihren Inselstaat gezeigt. Ferner hieß es, dass vermutlich einige Inseln wie Bora-Bora und Moorea in Französisch-Polynesien nicht mehr wie vorgesehen angelaufen werden können, sondern nur noch der Haupthafen der Hauptstadt Papeete auf Tahiti. Der Besuch auf Rarotonga (Cookinseln) entpuppte sich später als Verhängnis. Beim Ablegen hieß, dass Tahiti alle Häfen dicht mache. Tags darauf erklärte sich Rarotonga bereit, Passagiere, die in den nächsten Stunden einen bestätigten Flug vorweisen können, vom Schiff zum Flughafen zu lassen. Petra und Friedel Gabele gelang es nicht, ein Ticket zu bekommen.

Tahiti und Südamerika nicht möglich

Somit wussten sie, dass sie nicht nach Tahiti reisen konnten und die fünfwöchige Südamerikareise auf die Osterinseln sowie nach Chile, Brasilien und Argentinien nicht zustande kommen würde. Da Kiribati (Weihnachtsinsel) ebenfalls schon den Hafen geschlossen hatte, bedeutete es für die Reisenden, auf dem Schiff zu bleiben. Als nächster Hafen wurde Hawaii anvisiert. Der dortige Gouverneur hatte eine Zusage für das Anlegen des Schiffes in Hilo gegeben.

Vergeblich die Flüge umgebucht

Alle Passagiere waren daraufhin gezwungen, ihre Flüge umzubuchen, was aufgrund von zwölf Stunden Zeitverschiebung zu Europa, dem langsamen Internet an Bord und fehlender Mobilfunkverbindung eine Herausforderung darstellte. Kurz vor der Ankunft in Hawaii hieß es, nicht Hilo werde angefahren, sondern Honolulu, da die Hauptinsel noch Coronafrei sei.

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Wieder mussten die Flüge umgebucht und eventuell ein Visum für die USA beantragt werden. Die Stimmung auf dem Schiff erhielt dadurch einen Dämpfer. Aber dem Entertainmentchef sei es gelungen, die Stimmung trotz des eingeschränkten Programmes mit gemeinsamen Aktivitäten und Eigeninitiativen der Passagiere, Spielen und interessanten Vorträgen auf Niveau zu halten. Dann sickerte in den sozialen Medien durch, dass der Gouverneur sowohl der MS Maasdam als auch der Norwegian Jewel die Einreise verbieten will. Dies bestätigte sich.

Paare aus der Region kennengelernt

Unter den 852 Passagieren der MS Maasdam waren 20 Deutsche, neun Schweizer und zwei Österreicher, 244 Kanadier und 444 Amerikaner. Die deutsche und andere Botschaften legten offiziell Protest gegen das Einreiseverbot ein, das Ganze ging hoch bis zum Vizepräsidenten der USA. Die Passagiere durften trotzdem nicht aussteigen, bis auf sechs Hawaiianer und ein verletztes Ehepaar, berichtet Friedel Gabele. Die Maasdam durfte nur Diesel und Medikamente aufnehmen. Weil die Reederei davon ausgegangen war, dass dort alle Passagiere dort von Bord gehen, war lediglich für die Crew Proviant vorbestellt worden. Bald merkten die Reisenden die schwächere Essensversorgung, aber kein Gast musste hungern. „Die Köche kochten leicht kreativer“, so Gabele‘s.

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Nach wie vor war kein Passagier auf dem Schiff an Corona erkrankt. Nach der Abreise von Rarotonga wurden die Hygienemaßnahmen erhöht und überall Desinfektionsständer aufgestellt. Vor dem Essen mussten die Hände desinfiziert werden und die Gäste durften Essen nicht mehr selbst nehmen. Dann hieß es: Zittern und nächster Hafen San Diego. Nach mittlerweile drei gescheiterten Anlegeversuchen und der Aussicht auf sechs weitere Seetage galt es wieder alle Flüge umzubuchen.

Hoffen auf Anlegemöglichkeit in San Diego

Stets lebten die Passagiere in der Ungewissheit, ob sie vom Schiff kommen, Flüge noch gelten oder ob Donald Trump ganz Amerika dicht macht. „Das war eigentlich das Zermürbende, gleichzeitig mit den dramatischen Nachrichten über die Coronaentwicklungen in Europa„, schildert Friedel Gabele. Auf dem Schiff schloss das Paar Bekanntschaft mit Josef und Beate Mendler aus Onstmettingen (Zollernalbkreis) und Klaus und Maria Beierle aus Meersburg. Miteinander durchlebten sie die jeweiligen Entwicklungen. Der gegenseitige Informationsaustausch der Passagiere aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Nachrichten von Zuhause war wichtig, bestätigt Petra Gabele.

Jeder Passagier genau kontrolliert

Am 26. März, Friedel Gabeles 54. Geburtstag, kam die US-Immigrationsbehörde in San Diego aufs Schiff, nahm jeden Passagier in Augenschein und erteilte die Einreisebewilligungen. Kurz darauf erhielten Petra und Friedel Gabele eine SMS: „Ihr Flug wurde gecancelt“. Wieder buchten sie um. Erst am 28. März, dem neuen Abflugtag, durften sie von Bord. Der Heimflug ging von San Diego über Los Angeles nach New York. Am Folgetag ging der Anschlussflug von New York-Newark nach Zürich.

Von Corona in New York wenig mitbekommen

Verwaister Flughafen New York-Newark. Kein Problem für Friedel Gabele (voren) Abstand zu anderen Fluggästen zu halten.
Verwaister Flughafen New York-Newark. Kein Problem für Friedel Gabele (voren) Abstand zu anderen Fluggästen zu halten. | Bild: Friedel und Petra Gabele

Von den dramatischen Coronaentwicklungen in New York hat das Ehepaar selbst nichts mitbekommen. Im Flughafenhotel Newark durften sie das Zimmer nicht verlassen. Es gab keinen Restaurantbetrieb, in den Zimmern lagen lediglich Flyer vom Pizzalieferdienst. Der Flughafen Newark selbst war geschlossen und wie leer gefegt. Nur vereinzelt hatten Shops geöffnet. Am 30. März kamen die Schaffhauser in Zürich an und blieben vorsichtshalber freiwillig für einige Zeit in häuslicher Quarantäne.

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