Heinrich Sturm

Am vergangenen Donnerstag trat die Verbandsversammlung der „Heuberg-Wasserversorgung rechts der Donau“ zusammen. Der Zweckverband bestehend aus sieben Kommunen in der Heuberg-Region plant aktuell neben der Wassergewinnung seinen Dienstleistungssektor stärker auszubauen. Das Gremium traf dazu erste weichenstellende Entscheidungen. Außerdem galt es im Bürgerhaus von Meßkirch-Langenhart, den Wirtschaftsplan für das Jahr 2023 noch einmal zu beraten und zu beschließen. Er wird eine Erhöhung des Wasserpreises mit sich bringen.

Selber Strom produzieren

„Wir machen uns Gedanken, wie wir von den hohen Strompreisen unabhängig werden und möglicherweise selber Strom produzieren können“, erklärte der Geschäftsführer des Zweckverbands, Armin Reitze in seinem Lagebericht zu Beginn der Versammlung. Vorstellen kann sich Reitze etwa, dass auf den Betriebsgebäuden des Verbands Photovoltaik-Anlagen installiert werden, wobei der Denkmalschutz für die zum Teil über 100 Jahre alten Gebäude zu beachten sei, wie Reitze zu bedenken gab. Auch die Investition in eine Photovoltaik-Freiflächenanlage kann der Geschäftsführer sich vorstellen.

Wartung von Wasser-Infrastruktur

Die Heuberg-Wasserversorgung will in Zukunft nicht mehr nur Wasserlieferant sein, sondern als Dienstleister auch Wartung und Instandhaltung an der Wasser-Infrastruktur durchführen – besonders in den zum Zweckverband gehörende Kommunen. In Beuron etwa betreut der Verband bereits das Wassernetz der Gemeinde. 2023 soll die Heuberg-Wasserversorgung auch die Wartung der Versorgungsanlagen für Meßkirch übernehmen. Vorrang solle aber immer die Wasserversorgung haben, sagte Reitze zur geplanten Erweiterung des Dienstleistungssektors. „Es macht Sinn, den Dienstleistungssektor aufzupumpen, denn da sind alle um uns herum schwach aufgestellt“, erklärte der Verbandsvorsitzende, Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick. Das Vorhaben spiegelt sich auch in der Personalplanung des Versorgers wieder. Ab 2024 könnten laut Reitzes Darstellung sieben Mitarbeiter für den Verband arbeiten, fünf davon im technischen Bereich.

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Gleichzeitig will der Verband die Satzung des Zweckverbands anpassen, denn aktuell darf dieser keine Gewinne erzielen. „Wir sind nie in der Lage, dass wir mal Geld auf der Seite haben, wir können das Geld immer nur im Nachhinein erwirtschaften, was wir im Voraus brauchen“, sagte Armin Reitze. Das Gremium stimmte dafür, dass eine Änderung der Verbandssatzung in diesem Sinne auszuarbeiten und in den Gemeinderäten der Mitgliedsgemeinden nochmal zu beraten sei.

Kosten und Investition steigen

Aus formalen Gründen hatte die Versammlung nochmals über den bereits 2021 verabschiedeten Wirtschaftsplan für das Jahr 2023 zu beraten. Für das kommende Jahr erwartet der Verband sowohl bei den laufenden Kosten als auch bei den Investitionen deutliche Steigerungen. Die Ausgaben für Strom werden 2023 trotz Strompreisbremse der größte Posten bei den Betriebskosten sein. Für 2023 und für 2024 sieht die Planung die Investition von 500 000 Euro für die „Stromeingenerzeugung“ vor, dazu gehört auch die Notstromversorgung.

Zu deutlichen Mehrausgaben führt offenbar auch ein gewisser Investitionstau, der in den nächsten Jahren abgebaut werden soll. „Wir haben Hochbehälter, die sehen auch aus wie vor hundert Jahren“, beschrieb Arne Zwick die Situation. Der Neubau des Wasserhochbehälters „Obere Kreuter“ ist außerdem eingeplant sowie die Sanierung des Speichers „Pfaffenbühl“ – beide auf der Gemarkung der Gemeinde Leibertingen. Investiert werden muss wahrscheinlich auch in die Druckerhöhungsanlage in Liptingen. Der Verband muss außerdem baulich für die Fischdurchlässigkeit der Wasserkraftanlage in Langenbrunn sorgen.

Diskussion um Wasserpreis

Die Mitglieder der Verbandsversammlung Thomas Frick (von links) und Guido Amann beide vertreten die Gemeinde Leibertingen – ...
Die Mitglieder der Verbandsversammlung Thomas Frick (von links) und Guido Amann beide vertreten die Gemeinde Leibertingen – beraten Fricks Vorschlag den Wasserpreis vorzeitig zu erhöhen. | Bild: Heinrich Sturm

Die deutlich gestiegenen Kosten wirken sich auf den Wasserpreis aus. Das Frischwasser soll 2023 um 13 Cent im Vergleich zum Vorjahr auf 1,38 Euro pro m³ steigen. 2025 rechnet der Verband mit einem mittleren Wasserpreis von 1,84 Euro. Der Leibertinger Gemeinderat Thomas Frick schlug der Versammlung vor, den Preis schon jetzt um 5 Cent zu erhöhen, um wie er sagte: „die Preise in Zukunft stabiler zu halten“. Für ihren Vorstoß konnten die Leibertinger Vertreter allerdings nur noch die „Abgeordneten“ aus Inzigkofen gewinnen, sodass der Vorschlag vom Gremium abgelehnt wurde. „Wir stehen für Sicherheit und wollen dies auch preislich vermitteln“, begründete Marina Jung, Bürgermeisterin von Neuhausen ob Eck, warum ihre Gemeinde gegen Fricks Vorschlag stimmte.