Die Corona-Lockerungen erlauben unter anderem Museen, Zoos und weiteren Freizeiteinrichtungen die Wiedereröffnung. Auch das mittelalterliche Bauprojekt kann nun, wenn auch verspätet, in die Saison 2020 starten.

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Und es gibt gleich am ersten Öffnungswochenende etwas zu sehen, denn die Schafe, die ihr Zuhause auf dem Gelände haben, werden geschoren. Die Wolle wird vor Ort weiterverarbeitet, gewaschen, sortiert, gekämmt, gesponnen und zu Stoff gewoben. Zum Teil entstehen daraus Gewänder, die die Arbeiter des Campus Galli tragen. Wie das Ganze geht und was aus der Wolle der Tiere alles entstehen kann, zeigen die Handwerker am Samstag, 30. und Sonntag, 31. Mai.

Die Schafschur steht jedes Jahr zu Beginn des Sommers an. Diese Aufnahme von 2019 zeigt Lars-Ole Schmutz und seine Kollegin Mali Pfeiffer, die den Besuchern demonstrieren, wie die Wolle zur Herstellung von Wadenwickeln, Mützen oder Gürteln gewonnen wird.
Die Schafschur steht jedes Jahr zu Beginn des Sommers an. Diese Aufnahme von 2019 zeigt Lars-Ole Schmutz und seine Kollegin Mali Pfeiffer, die den Besuchern demonstrieren, wie die Wolle zur Herstellung von Wadenwickeln, Mützen oder Gürteln gewonnen wird. | Bild: Günther Brender

Das Jahresprogramm des Campus Galli ist in normalen Zeiten randvoll mit Aktionen für die Besucher. Führungen, unter anderem für Schulklassen und Gruppen von Auszubildenden, sind schon lang im Voraus gebucht, Handwerkergruppen packen tatkräftig mit an und Seminare, Vorträge und Sonderausstellungen sind Bestandteile des Veranstaltungskalenders.

Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden

Auf einen Großteil davon müssen sowohl die Veranstalter und Organisatoren als auch die Besucher und Teilnehmer in diesem Jahr verzichten. „Wir hatten schon sehr viele Anmeldungen im Bereich der Museumspädagogik und Tagesanmeldungen für Gruppen in diesem Jahr und mussten allen absagen“, erklärt Hannes Napierala, Archäologe und Geschäftsführer des Campus Galli, gegenüber dem SÜDKURIER. „Das Jahresprogramm wird anders sein als sonst, aber trotzdem schön. Es gibt immer etwas zu sehen“, verspricht er.

Auf dem Campus Galli gibt es immer etwas zu sehen. Nicht nur die Baustelle, auch die Tiere locken Besucher an – zum Beispiel das Düppeler Weideschwein „Schorsch“.
Auf dem Campus Galli gibt es immer etwas zu sehen. Nicht nur die Baustelle, auch die Tiere locken Besucher an – zum Beispiel das Düppeler Weideschwein „Schorsch“. | Bild: Christl Eberlein

Das Gelände wurde bereits für die Besucher auf Vordermann gebracht. Die Wege wurden neu gekiest, Zäune errichtet und auch das neue Gebäude im Eingangsbereich, in dem sich zukünftig der Museumsshop, eine Cafeteria und Ausstellungsmöglichkeiten für historische Exponate befinden sollen, macht sichtbare Fortschritte.

Trotz Abstandsregeln viel zu sehen

Auch wenn es Hygienekonzepte und Abstandsgebote momentan nicht zulassen, dass die Besucher den Handwerkern auf den Baustellen direkt über die Schulter schauen können oder selbst einmal das ein oder andere Werkzeug in die Hand nehmen, werde es dennoch eine ganze Menge zu bestaunen geben, sagt Napierala; die Natur wandele sich stetig, in den Werkstätten werde gearbeitet und es gebe zahlreiche Tiere auf dem Gelände zu sehen.

Darüber hinaus warteten auch in diesem Jahr Gebäude auf ihren Aufbau. Es gebe also jede Menge zu tun für die festen Mitarbeiter des Campus Galli und einige Ehrenamtliche. Wegen der Corona-Pandemie könnten zwar nicht so viele externe Helfer dabei sein wie in den vergangenen Jahren, aber einen Stillstand werde es nicht geben.

Am Feiertag „Kreuzerhöhung“ wurde im vergangenen Jahr auf dem Campus Galli mit vereinten Kräften ein schweres, mit geschnitzten Ornamenten verziertes Eichenkreuz im Obstgarten aufgestellt.
Am Feiertag „Kreuzerhöhung“ wurde im vergangenen Jahr auf dem Campus Galli mit vereinten Kräften ein schweres, mit geschnitzten Ornamenten verziertes Eichenkreuz im Obstgarten aufgestellt. | Bild: Günther Brender

Auch die Zusammenarbeit mit dem Werkstättle Pfullendorf wird fortgeführt: „Seit der Geburtsstunde des Campus Galli 2012 ist das Werkstättle Pfullendorf dabei und die ersten Gebäude sind durch die Arbeit des Werkstättles entstanden“, erklärt der Geschäftsführer. Sowohl er als auch der Vorsitzende des Werkstättles, Rüdiger Semet, seien froh, dass die Zusammenarbeit trotz der erschwerten Voraussetzungen durch Corona fortgesetzt werden könne.

Schließlich soll möglichst normal gearbeitet werden auf dem Campus Galli. Im vergangenen Jahr waren der Obstgarten und Friedhof Hauptprojekte, die umgesetzt werden konnten. Dort wachsen bereits Mandelbaum, Maulbeere und Walnuss heran. In diesem Jahr steht die Errichtung der Scheune an. Ein Teil der Vorarbeiten dafür ist bereits erledigt. Die eigens bearbeiteten Balken liegen schon auf dem Platz, an dem die Scheune entstehen wird, bereit.

Auf dem Abbundplatz liegt viel Holz bereit, das bereits im vergangenen Jahr für die Scheune vorbereitet wurde. Im Vordergrund die beiden Zimmerer Michael Straub (rechts) und Julian Magarinos.
Auf dem Abbundplatz liegt viel Holz bereit, das bereits im vergangenen Jahr für die Scheune vorbereitet wurde. Im Vordergrund die beiden Zimmerer Michael Straub (rechts) und Julian Magarinos. | Bild: Günter Ludwig

Besucher können hier die Entstehung eines weiteren großen, geschlossenen Gebäudes miterleben. Bisher ist die Kapelle das einzige Bauwerk mit einem geschlossenen Innenraum. Die anderen Bauten sind offen, daher können Besucher diese problemlos unter Einhaltung der vorgegebenen Abstände von mindestens eineinhalb Metern besichtigen, versichert der Geschäftsführer.

„Wir glauben, dass die Abstandsregeln gut einzuhalten sind“

Auch die Kapelle soll zugänglich sein. „Wir werden die Anzahl der Personen, die den Innenraum betreten, einschränken, sodass eine Besichtigung trotzdem möglich ist“, erklärt Napierala. Sperren möchte er den Zutritt zur Kapelle nicht und hofft darauf, dass sich die Besucher an die Vorgaben halten werden, damit es später nicht doch zu einer Schließung kommen muss. „Das Gelände ist offen und weitläufig. Wir glauben, dass die Abstandsregeln gut einzuhalten sind, wenn die Besucher verantwortungsvoll damit umgehen. Darauf zählen wir.“

Der Campus Galli öffnet seine Türen für Besucher. Auch diese Tür zur Kapelle wird ab dem 29. Mai wieder aufgeschlossen sein.
Der Campus Galli öffnet seine Türen für Besucher. Auch diese Tür zur Kapelle wird ab dem 29. Mai wieder aufgeschlossen sein. | Bild: Christl Eberlein

Eine Einschränkung der Besucherzahl pro Tag soll es dennoch geben. Der Wert soll zwischen 1000 und 2000 Personen liegen. Die genaue Anzahl stehe noch nicht fest. Eine generelle Maskenpflicht auf dem Gelände sei nicht vorgesehen. Nur in den Warteschlangen vor der Gastronomie sei das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes vorgeschrieben. Da alle Sitzplätze im Freien liegen, gelten die gleichen Regeln wie in Biergärten, so Napierala.

Die Öffnungszeiten während und außerhalb der Ferien

Die Besucher können also kommen. Geöffnet hat der Campus Galli außerhalb der Ferien nur an den Wochenenden. In den Pfingstferien wird das Gelände dienstags bis sonntags offen sein. Eine Online-Reservierung ist nicht möglich, die Eintrittskarten sind am Eingang erhältlich.

Weitere Informationen zu den Öffnungszeiten und den Corona-Maßnahmen sind auf der Internetseite des Campus Galli zu finden.

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