Das Grundstück hat die Stadt bereits nach einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats in einer nichtöffentlichen Sitzung am 9. November gekauft, wie Meßkirchs Bürgermeister jetzt bekannt gab. Den Kaufpreis wollte er auf unsere Nachfrage bei einem Pressegespräch im Rathaus nicht nennen.

Rechtsform des Ärztehauses ist derzeit noch unklar

Noch unklar ist zurzeit, welche Rechtsform für das Ärztehaus-Projekt gewählt wird. Eine Genossenschaft sei ebenso vorstellbar wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder andere rechtliche Formen. Egal welche Rechtsform gefunden wird, die Stadt will eine beherrschende Mehrheit haben. Das Ärztehaus soll eine öffentliche geprägte Einrichtung sein und bleiben. „Wir wollen weiter den Finger drauf haben,“ beschrieb Zwick plastisch die Absicht des Gemeinderats.

Gebäude mit bis zu vier Stockwerken vorstellbar

Auf dem rund 5600 Quadratmeter großen Grundstück, das jetzt der Stadt gehört, kann sich Zwick Baukörper mit bis zu vier Stockwerken vorstellen. Es sei ein Gebäude vorstellbar, es könnten aber auch zwei gebaut werden. Wie das Areal am Ende bebaut werde, werde sich im weiteren Prozess herauskristallisieren. Meßkircher Bürgermeister hofft auf Investoren, die sich beteiligen wollen. Auch Interessenten aus dem medizinischen Bereich, die sich in dem neuen Gebäude niederlassen wollten, könnten sich bei der Stadt melden. Neben weiteren medizinischen Dienstleistern wie etwa Ergotherapeuten kann sich Bürgermeister Zwick auch eine Apotheke in dem neuen Ärztehaus vorstellen.

Ins geplante Ärztehaus will das Meßkircher Gesundheitszentrum umziehen

Am bisherigen Standort nahe der Bahnhofstraße verfügt die Gemeinschaftspraxis von Hausärzten bisher über 250 Quadratmetern an Nutzfläche. 500 Quadratmeter will das Gesundheitszentrum im künftigen Ärztehaus nutzen, sagte Zwick. Es sei mehr Platz in den Praxisräumen nötig. Vertreter des Gesundheitszentrums würden an den architektonischen Planungen für das Ärztehaus beteiligt. Bis Ende des Jahres 2022 sollen alle Vorplanungen abgeschlossen sein, um dann 2023 in die Genehmigungsphase starten zu können, um dann 2024 mit dem Bau beginnen zu können. Zwick geht davon aus, dass sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) finanziell an dem Projekt beteiligt. Konkrete Vereinbarungen habe es bis jetzt aber noch nicht gegeben. Die KV habe sich an den Meßkircher Planungen bisher sehr interessiert gezeigt.

Das Gesundheitszentrum, das sich nahe der Bahnhofsstraße in Meßkirch findet, wird in das geplante neue Ärztehaus umziehen. Die im Bild ...
Das Gesundheitszentrum, das sich nahe der Bahnhofsstraße in Meßkirch findet, wird in das geplante neue Ärztehaus umziehen. Die im Bild zu sehenden Planen gehören zur neuen Niederlassung des Meßkircher Architekturbüros Mauch Offner: Demnächst soll das umgebaute ehemalige Postgebäude bezogen werden. | Bild: Dieterle-Jöchle, Manfred

Junge Mediziner bevorzugen Angestellten-Status

Mit dem geplanten Bau des Ärztehauses reagiert die Stadt auch auf die in den vergangenen Jahren geschrumpfte Zahl an Hausärzten. Mediziner zu finden, die sich auf eine solche Tätigkeit einlassen würden, seien immer schwieriger zu finden. Bereits vor vier Jahren hatte es einen Runden Tisch zu diesem Thema gegeben, so Zwick. Ein Erfolg konnte bisher nicht erzielt werden. Mit dem Projekt Ärztehaus solle auch darauf reagiert werden, dass es heute unter jungen Hausärzten den Trend gebe, lieber angestellt zu arbeiten, als alleine eine Praxis zu besitzen. Auch Teilzeitarbeit solle besser umsetzbar sein. Vor allem junge Medizinerinnen würden solche Modelle bevorzugen.

Weiterer Hausarzt zeigt Interesse

Möglicherweise gibt es bald einen weiteren Hausarzt für Meßkirch. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Zwick, dass ihm das konkrete Interesse eines angehenden jungen Arztes bekannt sei, der sich in der Heidegger-Stadt niederlassen wolle. Er wird voraussichtlich die neue Gemeinschaftspraxis des Gesundheitszentrums verstärken. Zwick geht davon aus, dass die in Meßkirch angesiedelten Hausärzte auch weiter Patienten aus Leibertingen und Sauldorf betreuen. Diese beiden Kommunen bilden mit Meßkirch eine Verwaltungsgemeinschaft. Die meisten Menschen aus Sauldorf und Leibertingen würden zum Einkaufen nach Meßkirch kommen, sagte Zwick in diesem Zusammenhang.

Grundstück bietet ausreichend Parkplätze

Insofern sei der für das Ärztehaus gefundene Standort ideal. Das Grundstück des Stukkateurbetriebs liegt direkt in der Nachbarschaft zu Meßkirchs Discounter-Meile nahe des Stachus. Das Grundstück sei groß genug, um auch ausreichend Parkplätze zu schaffen. Das Areal liege nahe der Innenstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Nach den bestehenden Planungen der Stadt soll ein Bahnübergang beim Bahnhof geschaffen werden. Dieser würde eine schnellere, weil direktere Verbindung vom ehemaligen Bahnareal zur Innenstadt schaffen.

Stukkateur baut in Kreenheinstetten

In der Altstadt gebe es kein Areal mit solchen Voraussetzungen, wie sie das Gelände des Stukkateurbetriebs habe, sagte Zwick. Seit gut zwei Jahren sei er mit Seniorchef Kurt Glocker wegen eines Verkaufs dieses grundsätzlich für die Entwicklung Meßkirchs wichtigen Grundstücks im Gespräch gewesen. Das Glocker-Gebäude auf dem ehemaligen Meßkircher Bahnareal soll abgerissen werden. Im Gewerbegebiet des Leibertinger Ortsteils Kreenheinstetten soll ein Neubau für den Handwerksbetrieb entstehen, sagte Arne Zwick während des Pressegesprächs.

Technik soll entlasten

Johannes Fechner, Vize-Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) von Baden-Württemberg, sieht die weitere technische Entwicklung als einen wichtigen Baustein an, um die regionale Ärzteversorgung zu verbessern. Die KV setzt deshalb auf den Ausbau der Telemedizin. Eine ärztliche Beratung von Patienten via Video-Gespräch gehört ebenso dazu wie das E-Rezept, das bereits seit November 2019 im Kreis Tuttlingen zu haben ist. In diesen neuen Techniken sieht Johannes Fechner, der selber lange als Hausarzt praktizierte, eine Möglichkeit, Patienten eine schnelle Beratung und Hilfe anzubieten und gleichzeitig Freiräume für Hausarztpraxen zu schaffen.