Mit einem erwarteten Überschuss von einer halben Million Euro am Jahresende bleibt der Meßkircher Stadtwald eine der wichtigsten Einnahmequellen der Heidegger-Stadt. Wie Kämmerer Joachim Buuk im SÜDKURIER-Gespräch sagte, wäre es ohne diese Holzverkaufserlöse schwierig, einen guten, ausgeglichenen Haushalt auf die Beine zu stellen.

Ökologische Gesichtspunkte immer wichtiger

Beim Rundgang mit Revierleiter Siegbert Arzt durch den Gemeindewald wurde deutlich, dass es Tannen, Fichten, Buchen, Eichen und anderen Baumarten im Meßkircher Kommunalwald gut geht. Es wurde aber auch deutlich, dass ökologische Gesichtspunkte aus der modernen Waldwirtschaft nicht mehr wegzudenken sind.

Thema Waldsterben spielt kaum noch eine Rolle

Das Thema "Waldsterben" spielt im forstlichen Alltag zwischen Langenhart und Rengetsweiler kaum mehr eine Rolle. Der Revierleiter betont: "In unserem Wald ist vom Waldsterben so gut wie nichts mehr festzustellen." Die vor Jahren erfolgte Kalkung des Teils des Stadtwaldes, der auf der Albmoräne steht, habe bis heute den erwünschten Erfolg gebracht. Größere Sorge mache derzeit der Klimawandel.

Wald als Erholungsgebiet

Der Presserundgang findet im Bereich "Münzkreuz" statt. Dieses Waldstück ist bei den Meßkirchern als Naherholungsgebiet und als Standort für den Waldkindergarten beliebt. Arzt spricht vom "städtischen Haupterholungsgebiet". Was praktische Ökologie in diesem Waldbereich bedeutet, macht der Forstfachmann am Beispiel von zwei alten mächtigen Bäumen klar, die am Rande eines Waldstücks wachsen.

Damit Insekten wie dieser Schmetterling genügend Nahrung finden, werden die Wegränder im Meßkircher Forst nur einseitig gemäht.
Damit Insekten wie dieser Schmetterling genügend Nahrung finden, werden die Wegränder im Meßkircher Forst nur einseitig gemäht. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Es sind eine Buche und eine Eiche. Die beiden Bäume könnten aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht gefällt werden. Allerdings würde der Verkaufserlös für ihr Holz die Fällkosten nur knapp übersteigen, so Arzt weiter. Aber nicht allein deswegen bleiben die beiden Bäume unangetastet.

Lebensraum für viele Tierarten

"Sie stehen unter meinem persönlichen Schutz", erklärt Siegbert Arzt und verweist auf die hohe ökologische Bedeutung der mächtigen Gehölze: "Ihr ökologischer Wert ist deutlich höher anzusetzen als der Marktwert ihres Holzes." Dieser Wert erstreckt sich auf die Bedeutung solcher Baumriesen als Lebensraum – beispielsweise für Vögel. Eine andere ökologisch wirksame Maßnahme ist, dass die mit Gras bewachsenen Wegränder jeweils nur einseitig gemäht werden, um Lebensräume für Insekten wie Schmetterlinge zu erhalten.

Kulturbestandspflege heißt für die Waldarbeiter in dieser Jahreszeit, junge Bäumchen von der "Konkurrenzflora" zu befreien. Hier ist Waldarbeiter Jan Keller im Einsatz.
Kulturbestandspflege heißt für die Waldarbeiter in dieser Jahreszeit, junge Bäumchen von der "Konkurrenzflora" zu befreien. Hier ist Waldarbeiter Jan Keller im Einsatz. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Die Arbeit des Revierleiters und seiner drei Waldarbeiter bezieht sich nicht nur auf das Fällen von Bäumen. Die im Wald typische Nachhaltigkeit zeigt sich in den Maßnahmen, die bereits heute getroffen werden, und die die Holzernte in rund 100 Jahren sicherstellen sollen. Das Stichwort in diesem Zusammenhang heißt im Fachjargon der Grünröcke "Z-Baum". Damit sind meist Laubbäume wie Buche, Eiche oder Ahorn gemeint, die von Nachbarbäumen, den "Bedrängern", befreit werden, um Platz und Licht für ein solides Wachstum zu bekommen.

Erntemenge wird festgelegt

Die Nachhaltigkeit im Wald geht auf Hans Carl von Carlowitz zurück, der von 1645 bis 1714 lebte, erklärt Förster Arzt weiter. Bis heute gelte sein Grundsatz, dass nur so viel Holz aus dem Wald genommen werden darf, wie im gleichen Zeitraum nachwächst. Dass dieses Prinzip eingehalten wird, werde durch die Forsteinrichtung garantiert. In diesem für die Bewirtschaftung verbindlichen Planwerk ist festgelegt, wie hoch die jährliche Holzerntemenge sein darf.

Holzernte vor allem im Herbst

Die eigentliche Zeit für die Holzernte ist der Herbst und frühe Winter. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Waldarbeiter jetzt nichts zu tun haben. Derzeit besteht ihre Hauptarbeit im Meßkircher Stadtwald im Freimähen von jungen Bäumchen, damit ihnen die Grashalme nicht zu viel Licht wegnehmen. Im Forstdeutsch heißt das "Kultursicherungsmaßnahmen".

Preise auf gutem Niveau stabilisiert

Der Holzpreis hat sich nach den Beobachtungen von Revierleiter Siegbert Arzt auf gutem Niveau stabilisiert. Genaue Angaben kann und darf der Meßkircher Forstmann allerdings nicht machen, weil aufgrund der Rechtslage die Forstbehörde nichts mehr mit der Vermarktung des Holzes zu tun habe.