Wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge in zwei Fällen im Raum Meßkirch verurteilte das Schöffengericht am Amtsgericht in Sigmaringen unter Vorsitz von Richter Jürgen Dorner einen 36-jährigen Angeklagten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Übernahme der Drogen in der eigenen Wohnung und Weitergabe an Unbekannten

Aus der Anklageschrift ging hervor, dass der 36-Jährige im Januar und im April 2017 jeweils ein Kilogramm Marihuana mit einem hohen THC-Gehalt von zehn Prozent gekauft hatte. Gleich zu Beginn der Verhandlung räumte der 36-Jährige die ihm zur Last gelegte Anklage ein, berichtete allerdings, dass die Übernahme zwar in seiner Wohnung stattgefunden habe, aber er sei nicht der eigentliche Käufer gewesen. Vielmehr habe er im Auftrag gehandelt und dafür 80 bis 100 Gramm Kleinschnitt von der Droge erhalten. Den eigentlichen Käufer kenne er nicht. Er wisse nur, dass der Unbekannte aus Mengen russisch gesprochen habe. Der Kontakt habe immer über den Messenger Telegram stattgefunden.

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Freimütig berichte der Angeklagte, dass er seit seinem zwölften Lebensjahr Drogen konsumiere. Der Drogenkonsum ziehe sich wie ein roter Faden durch sein Leben. In Meßkirch habe er ab Juni 2018 einen Canabidiol-Shop betrieben. Der Verkauf des Hanf-Öls sei zwar legal, aber nach einer Hausdurchsuchung habe er den Shop im April 2019 wieder geschlossen. Als gelernter Handwerker habe er neun Jahre gearbeitet, doch nach einem Diebstahl aus der Kasse sei ihm gekündigt worden. Dann sei er obdachlos geworden. Nach einem Aufenthalt in einer Obdachlosen-Hilfe in Landshut habe er dort Kontakt zu einer sozial-therapeutischen Einrichtung für Obdachlose mit Problemen gesucht und gefunden. Mit seinem letzten Geld habe er sich eine Fahrkarte gekauft und sei dort hin gefahren. Nach seiner Vorstellung habe man ihn am 7. Januar aufgenommen und dort werde er seither therapiert.

Bereits fünf Mal in Zusammenhang mit Drogen von Gerichten verurteilt

Aus dem von Dorner verlesenen Auszug aus dem Bundeszentralregister ging hervor, dass der Angeklagte in der Zeit von 2004 bis 2018 von Gerichten in Ravensburg und Sigmaringen insgesamt fünf Mal wegen unerlaubten Handeltreibens und Anbau von Betäubungsmitteln sowie wegen Betrugs verurteilt wurde.

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Nach dem ausführlichen Geständnis verzichtete das Gericht auf die Befragung von fünf bereits geladenen Zeugen. In ihrem Plädoyer verwies Staatsanwältin Graf darauf, dass die Überführung des Angeklagten auch ohne dessen Geständnis möglich gewesen wäre. Weil der Angeklagte für seine Tätigkeit als Vermittler beim Drogenkauf den so genannten „Drogenschnitt“ bekommen habe, sei er als Täter zu verurteilen. Dafür würden auch seine einschlägigen Vorstrafen, die nicht unerhebliche Menge und der hohe THC-Gehalt sprechen. Der Rest-Schnitt sei als Gewinn aus dem Drogenkauf an zu sehen. Auch käme keine Bewährung mehr in Frage. Der Verteidiger verwies an den über zwei Jahrzehnte andauernden Drogen-Konsum seines Mandanten und seinen Entschluss, sich therapieren zu lassen.

Angeklagter hat nach Ansicht des Gerichts noch einmal die Kurve bekommen

Das Schöffengericht verurteilte den 36-Jährigen unter Einbeziehung einer Verurteilung vom März 2018 durch das Amtsgericht Sigmaringen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Zum Urteil des Schöffengerichts gehört auch die Einziehung von 10 000 Euro (Wertersatz) für den Gewinn beim Angeklagten. Gemäß Weisung darf der 36-Jährige die therapeutische Einrichtung nicht vor dem 1. Mai 2021 verlassen. In seiner Urteilsbegründung stellte Richter Dorner fest, dass der Angeklagte kein Schwerverbrecher sei und noch einmal die Kurve bekommen habe. Der Angeklagte erklärte mit seinem Verteidiger sofort Rechtsmittelverzicht.