Es ist gegen 10 Uhr vormittags. Die winterliche Kälte der letzten Tage ist einem fast vorfrühlingshaften Sonnenschein gewichen. Das große "Wohnzimmer" der Meßkircher, der Platz vor dem Rathaus, lädt wie jeden Freitag zwischen 8 und 13 Uhr zum Einkaufen und Verweilen ein. Es ist Wochenmarkt.

Gestern boten sieben Händler ihre Waren vom Salatkopf über Brot, Eier und Nudeln bis hin zu Käse und Fisch und weiteren Bio-Produkten an. Die Händler kennen sich untereinander. Das Du zwischen ihnen ist üblich und gilt auch für manchen der vielen Stammkunden, die sich im Verlauf des Freitags zur Einkaufstour auf dem Wochenmarkt aufmachen.

Zwölf Kindergartenkinder unter Leitung von Natalie Witt (rechts) und Daniela Krüger waren auf dem Wochenmarkt unterwegs.
Zwölf Kindergartenkinder unter Leitung von Natalie Witt (rechts) und Daniela Krüger waren auf dem Wochenmarkt unterwegs. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Selbst eine Gruppe von Vorschulkindern aus dem St. Raphael-Kindergarten war auf Schnuppertour auf dem kleinen Marktgelände unterwegs. Die Dreikäsehochs interessierten sich allerdings weniger für die angebotenen Waren. Wie die beiden Begleiterinnen des zwölfköpfigen Expeditionsteams, Natalie Witt und Daniela Krüger, erläuterten, ging es um die Berufe, die mit dem Markt verbunden sind. Für die jüngsten Marktbesucher stand nach dem Rundgang der Bäcker ganz oben auf der kindlichen Rangliste erstrebenswerter Berufe.

Wie spannend und wichtig der Wochenmarkt für alle Altersgruppen sein kann, macht Karl Amann aus Heudorf deutlich. Der 94-Jährige besucht zusammen mit seiner Tochter Christine Bee regelmäßig den Freitagsfrischemarkt vor dem Rathaus. Auf der Einkaufsliste der beiden stehen Gemüse, Äpfel, Eier und manchmal auch Fisch, wie der agile Senior verrät. Für ihn sind Frische und regionale Herkunft wichtig.

"Seit acht Jahren wohne ich in Meßkirch und gehe zum Wochenmarkt. Ich will die regionalen Händler unterstützen."  Gerda Schwack (78), Rentnerin, Meßkirch
"Seit acht Jahren wohne ich in Meßkirch und gehe zum Wochenmarkt. Ich will die regionalen Händler unterstützen."  Gerda Schwack (78), Rentnerin, Meßkirch | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Äpfel spielen im Leben von Sabrina Heiß eine große Rolle. Die junge Frau vom Bodensee verkauft die leckeren Baumfrüchte nicht nur, sie ist auch amtierende Apfelkönigin. Das Familienunternehmen verkauft seit einem guten Vierteljahrhundert die Produkte aus den Bodenseeplantagen in Meßkirch. Die Apfelkönigin kennt die Meßkircher als „nett, freundlich und kauflustig“. Sie ist allerdings nicht jeden Freitag in der Heideggerstadt. Gestern vertrat Heiß ihre erkrankte Mutter.

"Wir kaufen jeden Freitag Äpfel, Eier, Gemüse und manchmal auch Fisch."  Karl Amann (94), Rentner, Heudorf
"Wir kaufen jeden Freitag Äpfel, Eier, Gemüse und manchmal auch Fisch."  Karl Amann (94), Rentner, Heudorf | Bild: Hermann-Peter Steinmülle

In einem Meer von Gemüse wartet Giovanni Giangreco nur wenige Meter entfernt auf die Meßkircher Kundschaft. Der Händler aus Engen im Hegau gehört seit rund 20 Jahren zum festen Stamm der Wochenmarktanbieter: „Wir haben in Engen einen kleinen Laden. Mittwochs und samstags bin ich beim Markt in Rottweil“, beschreibt der Mittfünfziger seinen Aktionsradius. Obwohl das Geschäft mit Salat, Radieschen, Möhren und Co. vor dem Rathaus nicht schlecht läuft, macht er sich Sorgen. Seine Stammkundschaft und viele andere Marktbesucher sind bereits in fortgeschrittenem Lebensalter. Seine Sorge formuliert der Händler aus dem Hegau so: „Uns fehlt die junge Generation!“

"Ich schätze regionale Produkte und freue mich, Bekannte zu treffen."  Karl Gebert (75), Rentner, Meßkirch
"Ich schätze regionale Produkte und freue mich, Bekannte zu treffen."  Karl Gebert (75), Rentner, Meßkirch | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Der Markt in Meßkirch übt auch Anziehungskraft auf das Umland aus. Anton Kille ist zusammen mit seiner Frau aus Buchheim zum Wochenmarkt gekommen. Während der Pensionär über den Markt bummelt und Einkäufe erledigt, nimmt die Gattin einen Frisörtermin wahr. Ein Mann aus Bichtlingen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, trägt eine ganze Kiste mit Gemüse zum Auto. Seine Frau habe ihn geschickt, weil er heute frei habe.

"Für meine Frau und mich ist der wöchentliche Marktbesuch zu einem Ritual geworden."  Gerhard Degen, Rentner, Meßkirch
"Für meine Frau und mich ist der wöchentliche Marktbesuch zu einem Ritual geworden."  Gerhard Degen, Rentner, Meßkirch | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Gerhard und Christa Degen sind ebenfalls im Rentenalter. Das Ehepaar wohnt in der Heideggerstadt und hat zum Wochenmarkt eine ganz besondere Beziehung. „Ich bin als Hausfrau seit vielen Jahren schon immer freitags auf dem Markt. Seit mein Mann in Rente ist, kommt er jedes Mal mit“, berichtet Christa Degen. Gerhard Degen ergänzt: „Wir kaufen bevorzugt Käse, Fisch und Eier. Für uns ist der wöchentliche Marktbesuch zu einem richtigen Ritual geworden.“

Zu den Freunden des Freitagmarkts gehört Bürgermeister Arne Zwick. Im SÜDKURIER-Gespräch unterstreicht das Stadtoberhaupt die Bedeutung des Wochenmarkts für die Belebung der Innenstadt und für die Bürger: „Der Markt ist nicht nur einfach zum Kaufen da. Viele Meßkircher treffen sich hier, plaudern ein bisschen, tauschen Neuigkeiten aus.“ Freitags gilt im Rathaus eine besondere Regelung. Trotz Anwesenheitspflicht dürfen die Mitarbeiter Pause stempeln, um auf dem Markt Besorgungen zu erledigen. Zwick sieht in dieser Regelung aktive Unterstützung für die mobilen Händler vor der Rathaustür.