"Wo wohnt eigentlich die Demokratie", so lautet der Titel des Animationsfilms von Carola Riester, in dem sich Kinder mit den Werten unserer Staatsordnung auseinandersetzen. Mitgewirkt haben die Schüler der Grundschule Rohrdorf. Deren Zeichnungen, Stimmen und Meinungen sind in dem Film zu sehen, der nun im Meßkircher Schloss gezeigt wurde.

Eine Frage, mit denen sich die Kinder im Animationsfilm auseinandersetzten, lautete: Wo werden die Gesetze gemacht? Dazu zeichneten sie ein Bild vom Bundesgerichtshof.
Eine Frage, mit denen sich die Kinder im Animationsfilm auseinandersetzten, lautete: Wo werden die Gesetze gemacht? Dazu zeichneten sie ein Bild vom Bundesgerichtshof. | Bild: Carola Riester

Die zahlreichen Zuschauer im Seminarraum des Schlosses amüsierte die fröhliche Direktheit der Kinder, deren teils tiefgründige Reflexionen brachten das Publikum zum Staunen. Die Themen, die die Kinder anschnitten, boten reichlich Stoff, um über das Verständnis von Demokratie nachzudenken und die eigenen Standpunkte zu überprüfen.

"Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich bin überrascht, auf welche Ideen die Kinder gekommen sind." – Andrea Nipp, Heudorf
"Mir hat der Film sehr gut gefallen und ich bin überrascht, auf welche Ideen die Kinder gekommen sind." – Andrea Nipp, Heudorf | Bild: Isabell Michelberger

Künstlerin realisiert dieses Jahr bereits das zweite Projekt mit Schülern

Edwin Ernst Weber, Geschäftsführer des Kreiskulturforums, sagte: „Ich bin dankbar, dass Carola Riester sich auch diesem Thema gewidmet hat.“ Es handelt sich um das zweite Projekt der Künstlerin, das in diesem Jahr präsentiert wurde.

Riester kreierte ebenfalls die Ausstellung „Kunstfreude durch Kunstfreunde“ mit Arbeiten von Schülern der Meßkircher Goldösch-Schule, ein pädagogisches Begleitprogramm zur Ausstellung „Drei Malerfreunde von der Oberen Donau. Gottfried Graf, Josef Alfons Wirth und Albert Mueller“.

Demokratie als Normalzustand?

Carola Riester dankte Edwin Ernst Weber und der Schulleiterin Daniela Fersch. Beide hätten sofort positiv auf ihre Idee reagiert. „Wir sind noch in den Zeiten des Kalten Krieges aufgewachsen“, beschrieb sie ihre Erinnerungen.

Damals habe man als Kind die weltweite Bedrohung gespürt. Viele hätten sich in jener Zeit Gedanken darüber gemacht, ob die Demokratie denn noch gesichert sei. Für die heutigen Grundschüler sei es normal, im Frieden aufzuwachsen.

„Ich wollte wissen, ob es jungen Menschen bewusst ist, dass wir eine Demokratie haben und dass sie ein hoher, schützenswerter Wert ist“, erläuterte Carola Riester ihre Motivation zu diesem Film.

Die Dritt- und Viertklässler der Rohrdorfer Grundschule setzten sich bei dem Projekt mit Künstlerin Carola Riester (hinten, Mitte) in einen Kreis, um sich über die Bedeutung der Demokratie auszutauschen.
Die Dritt- und Viertklässler der Rohrdorfer Grundschule setzten sich bei dem Projekt mit Künstlerin Carola Riester (hinten, Mitte) in einen Kreis, um sich über die Bedeutung der Demokratie auszutauschen. | Bild: Isabell Michelberger

Aussagen wurden nicht gewertet

Darüber hinaus habe sie die Erfahrung gemacht, dass die Meinung von Kindern oft nicht ernstgenommen werde. Deshalb lasse der etwa 45-minütige Film die Kinder zu Wort kommen, die sich zu Meinungsfreiheit, Wahlrecht, Presse- und Informationsfreiheit, Reisefreiheit sowie zum Selbstbestimmungs- und Persönlichkeitsrecht äußern. „Ich habe die Aussagen nicht gewertet, sondern jeden seine Meinung äußern lassen“, betonte die Filmemacherin.

"Sehr interessant war das – gerade die Aussage über die Fernreisen. Im Vorfeld konnte ich mir nicht vorstellen, wie das Ergebnis aussehen würde." – Oliver Stengele, Rohrdorf
"Sehr interessant war das – gerade die Aussage über die Fernreisen. Im Vorfeld konnte ich mir nicht vorstellen, wie das Ergebnis aussehen würde." – Oliver Stengele, Rohrdorf | Bild: Isabell Michelberger

Zeichnungen bewegen sich passend zu den Aussagen

Das erste Bild des Animationsfilms zeigt eine Schiefertafel, auf die eine unsichtbare Hand in Sütterlinschrift „Wo wohnt eigentlich die Demokratie“ schreibt. Dann werden die Worte weggewischt. Es folgt in kleiner, heute gebräuchlicher Kinderschrift die gleiche Frage.

Nach jedem Wegwischen wird die Schrift größer, bis nur noch ein riesiges „Wo“ erscheint, dessen „O“ sich mit den Deutschlandfarben Schwarz, Rot und Gold füllt. Nächste Szene: Unterlegt mit Marschmusik ist das Reichstagsgebäude zu sehen, das im Jahr 1918 im Mittelpunkt der revolutionären Ereignisse in Berlin stand. Daraufhin werden verschiedene Kinderstimmen lauter, die den Begriff Demokratie erläutern.

Kinderzeichnungen tauchen auf und fangen an, sich passend zu den Aussagen zu bewegen. Münder beginnen zu sprechen, Autos, Traktoren und Fahrräder kreuzen die Bildfläche, auch ein auberginenförmiges Flugzeug setzt sich in Bewegung und nimmt die gezeichneten Figuren mit auf die Reise.

Die Schiefertafel kündigte im Film ein neues Thema an oder fasste ein paar Antworten zu einer Frage zusammen.
Die Schiefertafel kündigte im Film ein neues Thema an oder fasste ein paar Antworten zu einer Frage zusammen. | Bild: Isabell Michelberger

Kinder beschreiben demokratische Prozesse

Die Kinder befassen sich im Film mit Fragen wie: Warum wird ein diktatorischer Herrscher gewählt? Wo werden Gesetze gemacht? Kann man ohne Regeln und Gesetze leben? Wie gehen wir mit Minderheiten um oder wie könnte Deutschland in 20 Jahren aussehen? Auf die Frage, wie sie einen gemeinsamen Schulausflug planen würden, beschrieben die Kinder den demokratischen Prozess der Meinungsfindung mit all seinen Schwierigkeiten.

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Film regt zum Nachdenken an

Das Besondere des Animationsfilms besteht darin, dass die Erst- bis Viertklässler und die ehemaligen Viertklässler frei heraus reden, mal in starkem schwäbischen Dialekt, mal weniger. Dabei ist zu spüren, dass sie sich intensiv und reflektiert mit den Themen Demokratie und Freiheit auseinandergesetzt haben. Carola Riester ist es auf charmante Art und Weise gelungen, das Thema kindgerecht anzugehen, eine inhaltliche Linie zu entwickeln und diese kreativ in Ton und Bild umzusetzen – ein idealer Film, um auch andere Kinder über Demokratie nachdenken zu lassen.

Zum Abschluss der Filmpräsentation formierte sich eine Gesprächsrunde, bei der einige der Schüler Schulleiterin Daniela Fersch, Susanne Bix von der Firma Bix und Bürgermeister Arne Zwick Fragen zu Politik, Wirtschaft und Bildung stellten.