Der Wirtschaftswunderfilm über die Verlegergattin Aenne Burda sorgte im vergangenen Jahr in der ARD für gute Einschaltquoten. Da gab es auch einen guten Einblick in das Verlagsgeschäft nach dem 2. Weltkrieg. „So viel hat sich da bis heute eigentlich gar nicht geändert“, sagt Armin Gmeiner. Er hat den Film selbstverständlich angeschaut. Schließlich ist er selbst seit 33 Jahren Verleger. „Man braucht immer noch eine gute Idee und den Willen, diese dann auch umzusetzen“, ist er überzeugt. Die Idee eines Pfarrers brachte ihn eher zufällig zu seiner verlegerischen Tätigkeit.

Dieser wollte Enzykliken des Papstes auf Esperanto herausgeben und bat Gmeiner um seine Unterstützung. Im Gegenzug bezahlte er den ersten PC des späteren Verlegers. „Das war meine Initialzündung“, erinnert sich der Diplomwirtschaftsingenieur für Druck und Verlag. Heute ist sein Verlag in Meßkirch der einzige große Buchverlag im Landkreis. Mit jährlich rund 180 Neuerscheinungen ist man sehr gut auf dem Markt vertreten. 30 Mitarbeiter sorgen dafür, dass den Bücherfans der Stoff nicht ausgeht.

Büchermarkt hat sechs Millionen Leser verloren

Petra Wendler ist schon fünf Jahre mit im Boot. „Wir sind in einem schwierigen Markt,“ sagt die 32-Jährige, die bei Gmeiner für die Pressearbeit zuständig ist. In der Branche rede man davon, dass in den vergangenen Jahren rund sechs Millionen Leser verloren gegangen seien. Deshalb müsse man sich für andere Formen des Buchs öffnen. Das E-Book sei da eine gute Möglichkeit. „Als die ersten 150 E-Books auf dem Markt waren, da stammten zwölf von uns“, sagt Armin Gmeiner und macht damit deutlich, dass man sich Trends nicht verschließen dürfe, aber immer auch das unternehmerische Risiko im Auge haben müsse. E-Books haben bei ihm schon lange eine große Begeisterung geweckt. Das mag auch daher kommen, dass der Verleger eine gewisse EDV-Affinität nicht abstreiten kann. Der Gmeiner-Verlag arbeitet mit zehn E-Book-Händlern zusammen. Neben dem weltgrößten Buchhändler Amazon werden E-Books auch über Apple, Google und Tolino vertrieben.

Neuerscheinung mit einem Loch im Deckel

Kerngeschäft ist aber immer noch das gedruckte Buch. 600 000 Exemplare müssen jedes Jahr produziert und vorfinanziert werden. Das unternehmerische Risiko ist hoch und deshalb ist es wichtig, dass man das richtige Händchen für Themen hat. Und so schnell, wie sich der Leser das vielleicht vorstellt, geht es mit einem neuen Buch auch nicht. Ein Lektor sitzt mehrere Wochen dran und schaut, dass alles auch in der richtigen Form ist. Und dann kommt Jochen Große Entrup ins Spiel. Er ist seit zweieinhalb Jahren bei Gmeiner und für das Marketing zuständig. Die Idee mit dem großen Loch im Deckel der Neuerscheinung „Das Beste aus Baden“ stammt von dem 54-Jährigen, der sich auch um den Vertrieb kümmert. Krimis sind das Hauptstandbein des Verlags.

Und die spielen in allen deutschsprachigen Regionen. „Regionales kommt nicht nur beim Essen gut an“, sagt Wendler. Auf dem Tisch liegt das neueste Werk von Angelika Fehr mit dem Titel „Fasnetsmord“. Schon am Cover ist zu erkennen, dass die Geschehnisse um einen ermordeten Stadthallenpächter in der Region stattfinden. Ein Boppele aus Riedlingen sieht den Leser an und lockt zum Blättern. Das Buch erscheint im Februar. Der SÜDKURIER durfte schon mal darin blättern. Verraten wird aber über den Inhalt noch nichts. Nur so viel: ein Lokalredakteur ist beteiligt und es geht um Kommunisten, Schwarze, Grüne und Heilige. Der erfolgreichste Krimi, den Gmeiner bisher herausgebracht hat, ist „Alpendöner“ von Willibald Spatz mit einer Auflage von weit über 40 000 Stück.

Krimis spiegeln aktuelle Entwicklungen wider

Auch historische Romane kommen beim Publikum an. Würde Gmeiner so etwas wie „Die Wanderhure“ verlegen? „Das würde schon passen“, sagt der 54-Jährige und zieht einen Band der „Salbenmacherin“ aus dem Regal. „Regionale Krimis und Historienromane erreichen über den Heimatbegriff Leser, die sonst selten zu einem Buch greifen“, weiß der Verleger, der überzeugt ist, dass Bücher Zukunft haben. Davon ist auch Jochen Große Entrup überzeugt. „Bücher haben einen Entspannungs- und Entschleunigungseffekt“, sagt er. Und die Krimis würden zudem auch aktuelle Entwicklungen widerspiegeln. Aber: „Ein Buch muss zum Menschen passen“, ist er überzeugt. Zudem seien sie immer noch beliebte Geschenke. Und dass Gmeiner schon regional gedacht hat, als das in der Branche noch gar nicht üblich war, das erweist sich jetzt als Erfolgsrezept.

Petra Wendler und Jochen Große Entrup arbeiten im Verlag und sind große Bücherfans. "Wenn wir das nicht wären, dann könnten wir den Job nicht machen", sagt Petra Wendler.
Petra Wendler und Jochen Große Entrup arbeiten im Verlag und sind große Bücherfans. "Wenn wir das nicht wären, dann könnten wir den Job nicht machen", sagt Petra Wendler. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz