Zum Thema Entschlackung und Säure/Basen-Gleichgewicht hat Ernährungs- und Nährstoffberaterin Renate Laschinger auf Einladung von Gudrun Mauch, Vorsitzende des Seniorenkreises St. Martin, referiert. Rund 25 Seniorinnen und Senioren hatten sich im Herz-Jesu-Heim eingefunden, um mehr über gesunde Ernährung im Alter zu erfahren. Gudrun Mauch, die seit drei Jahren den Seniorenkreis leitet, hatte dieses Thema ausgewählt, weil sie fand, dass Ernährung, Gewicht und alles, was damit zusammenhängt, das ganze Leben eine große Rolle spiele. „Jeder Bissen ist zwei Minuten im Mund, drei Stunden im Verdauungstrakt und Wochen später auf der Hüfte“, so ihr humorvoller Einstieg in den Informationsnachmittag. Über gesundes Essen sei nie genug zu erfahren, was insbesondere im Alter wesentlich sei. „Wir sind gespannt, was uns Frau Laschinger zu erzählen hat“, sagte sie.

Referentin Susanne Laschinger (links) hatte viele unbequeme Wahrheiten mitgebracht. Doch klar ist: Senioren müssen auf ihre Ernährung achten.
Referentin Susanne Laschinger (links) hatte viele unbequeme Wahrheiten mitgebracht. Doch klar ist: Senioren müssen auf ihre Ernährung achten. | Bild: Susanne Grimm

„Macht sauer lustig?“. Unter diesem Motto führte Renate Laschinger in die komplizierten Geheimnisse des Säure-Basen-Haushalt des menschlichen Körpers ein. Gerade im Alter, wenn die Nieren als Säure ausscheidende Organe und die körpereigenen Puffersysteme nicht mehr so leistungsfähig seien wie in jungen Jahren, könne es zu einem Beschwerdebild mit einer Vielzahl von unterschiedlichsten Symptomen kommen, erklärte die die 70-jährige Fasten- und Meditationsleiterin. Das geschehe, wenn der ph-Wert ins Saure abgleite, zuwenig Vitalstoffe vorhanden seien und sich die neutralisierte Säure als „Schlacken“ im Organismus ablagerten. Durch Fasten würden diese wieder frei werden.

Warnung vor der Mikrowelle

Die Nährstoffberaterin warnte vor als harmlos geltenden Dingen wie der Mikrowelle – „sie vertrahlt ihr Essen und zerstört Zellen“ – und alltäglichen Lebensmitteln. Kaffee, Schwarztee, Alkohol, Zusatz- und Süßstoffe „sind Nervengifte“, auch die von vielen Menschen geliebte Schokolade zählte Renate Laschinger dazu. Denn diese vereinige in sich Fett und Zucker, zwei Substanzen, die in der Natur nie gleichzeitig vorkämen. Deshalb seien solche Nahrungsmittel möglichst zu meiden. „Wie Lebensmittel von Natur aus sind, sind sie richtig“, unterstrich die Referentin, „jedes Hinzufügen oder Wegnahme verändert die Bioverfügbarkeit“. Aussagen wie diese stießen bei den Zuhörern offensichtlich auf Zustimmung, jene über die Mikrowelle jedoch sorgte für Verunsicherung. „Auch Kochen zerstört Zellen und verändert die Nahrung“, argumentiere eine Zuhörerin.

Zuhörer fragen kritisch nach

Renate Laschinger plädierte dafür, nach 18 Uhr nichts mehr zu essen, schon gar kein Obst. Eine über 90-jährige Dame erzählte, dass sie jeden Abend einen Apfel esse, der ihr ganz offensichtlich bislang nicht geschadet habe. Die Referentin riet ihr davon ab, da der Apfel in ihrem in der Nacht nicht arbeitenden Darm liege. Ganz still wurde es im Raum und Ratlosigkeit zeichnete sich auf den Gesichtern ab, als sie sagte: „Eine gesunde Verdauung ist geräusch- und geruchslos.“ Ganz sicher einig gingen die Zuhörer aber mit dem Rat, „in sich hineinzuspüren, um herauszufinden, was einem guttut und was nicht“. „Die Lebensqualität erhöhen, das sollte ihre Maxime sein“, sagte die in Schwenningen wohnhafte Berlinerin. Gudrun Mauch verabschiedete die Referentin – ausgerechnet – mit einer Packung Pralinen.

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Zum Stoffwechsel bei Senioren

Warum beschäftigt sich Renate Laschinger mit Ernährungsthemen? „Man hört ja nie auf, neugierig zu sein. Ich bin auch schon 70 Jahre alt, möchte aber immer noch viel Neues erfahren. Für mich, die bisher Wander- und Fastenseminare gegeben hat und noch gibt, war es spannend, in meiner Zusatzausbildung zur Ernährungs- und Nährstoffberaterin mehr über die Veränderung im Stoffwechsel älterer Menschen zu erfahren“, sagt sie. Sie möchte mithelfen, die Ernährungssituation alter Menschen zu verbessern, die gerade in den Krankenhäusern und den Altenpflegeheimen, wo eigentlich höchste gesundheitliche Ernährungsstandards gelten sollten, in ihren Augen alles andere als optimal sei. Denn es sei nie zu spät, Veränderungen einzubringen. Einseitige Ernährung, weniger Bewegung und ein verlangsamter Stoffwechsel trügen dazu bei, dass der Säure-Basen-Haushalt bei Senioren aus dem Gleichgewicht gerate und es wegen Übersäuerung zu Rheuma, Gicht, Hautkrankheiten, Entmineralisierung und Schlimmeren wie Verätzungen der Nerven und sogar des Gehirns kommen könne. „Natürliche basenüberschüssige Nahrung wie Gemüse, glutenfreie Getreide, Salat und Obst, so schonend wie möglich zubereitet, wenig oder gar keine Fleisch- und Wurstwaren, den Tag über verteilt viel trinken, am besten Wasser, ist die Formel für ein möglichst beschwerdefreies Leben“, sagt Laschinger.