Günter Ackermann, stellvertretender SÜDKURIER-Chefredakteur, hatte zu Beginn die Besucher ermuntert, diese Gelegenheit zu nutzen, die Kandidaten nach ihren Positionen zu den verschiedensten Themenbereichen zu befragen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, bei der jeder Bewerber auch seine Motivation für seine Bewerbung nennen sollte, ging es gleich in die Vollen, als das Bewerber-Sextett aufgefordert wurde, Lösungsvorschläge für die sich zunehmend verschlechterende medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu benennen. "Im Kreis Sigmaringen gibt es einen großen Fachärztemangel und besonders am Wochenende wird die Arztsuche sehr schwierig", leitete Moderator Fahlbusch ein und fragte die Kandidaten nach ihren Konzepten und Vorschlägen.

"Den typischen Landarzt wird es nicht mehr geben", ist Grünen-Vertreter Erwin Feucht überzeugt, dass sich künftig mehrere Mediziner zu einem Ärztezentrum zusammenschließen, die vornehmlich in größeren Kommunen angesiedelt sein werden. Der Bund habe bei der Studienplatzvergabe eine Landarztquote eingeführt, damit Abiturienten, auch ohne 1,0-Abschluss, bevorzugt einen Medizinstudienplatz bekommen, wenn sie später auf dem Land arbeiten, erklärte Thomas Bareiß. Und die Wochenendversorgung der Patienten werde durch die Akutkrankenhäuser gesichert, auch weil junge Ärzte kein Interesse an diesem Dienst hätten. FDP-Mann Dirk Mrotzeck stellte den aktuell noch geforderten Abiturabschluss von 1,0 für ein Medizinstudium in Frage. SPD-Kandidatin Kirgiane-Efremidou will die Infrastruktur wie Kindergartenangebot oder Breitband verbessern, um den ländlichen Raum für junge Ärzte attraktiver zu machen.

Sie bemängelte zudem, dass die Kassenärztliche Vereinigung bei der Ärzteversorgung nur die Region, nicht aber die einzelne Kommune im Blick habe. AfD-Bewerber Hörner kritisierte, dass in der Vergangenheit kleinere und gewinnbringende Krankenhäuser wie in Hechingen zugunsten von Zentralkrankenhäusern geschlossen wurden. "Gesundheit nach Bedarf und nicht nach Profit", lautete die Maxime von Linken-Kandidat Wellington, der Gemeinschaftspraxen fördern will.