Nur noch wenige Tage, dann ist die offizielle Fastenzeit mit dem Beginn der Osterfeiertage vorbei. Richtet sich heute überhaupt noch jemand nach dem Verzichtsgebot der Kirche? Was halten Menschen aus dem Raum Meßkirch überhaupt vom Fasten? Der SÜDKURIER befragte einige Wochenmarktbesucher nach deren Meinung und Erfahrung zum und mit dem Fasten und erkundigte sich auch bei den Kirchengemeinden in Meßkirch.

Für Pfarrer Stefan Schmid ist Fasten mehr als nur der Verzicht auf Essen und Genussmittel.
Für Pfarrer Stefan Schmid ist Fasten mehr als nur der Verzicht auf Essen und Genussmittel. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Für Christen ist das Fasten mehr als nur der zeitlich begrenzte Verzicht auf gewisse Lebens- oder Genussmittel. Der Leiter der katholischen Seelsorgeeinheit Meßkirch-Sauldorf, Meßkirchs Pfarrer Stefan Schmid, erklärte das zu Beginn der Fastenzeit in einem Interview mit dieser Zeitung.

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"Fasten bedeutet nicht nur, auf Pfunde und Kilos zu achten, sondern bedeutet eine Reinigung für Seele und Geist. Fasten ist eine Chance beziehungsweise Anlass, über das eigene Leben nachzudenken, es unter Umständen neu auszurichten, auf das Leben mit Gott auszurichten. Dazu gehören klassischerweise die drei Aspekte: Gebet, Almosen und Fasten."

Gerhard Senft, Pfarrer i.R., Leibertingen: "Für mich ist die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, mich intensiver mit dem Evangelium zu beschäftigen."
Gerhard Senft, Pfarrer i.R., Leibertingen: "Für mich ist die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, mich intensiver mit dem Evangelium zu beschäftigen." | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Sein Kollege, der im Ruhestand lebende Pfarrer Gerhard Senft aus Leibertingen, schildert, wie er die verschiedenen Aspekte der Fastenzeit in seinem persönlichen Alltag umsetzt. Der 74-Jährige erklärt: "Für mich ist die Fastenzeit eine gute Gelegenheit, mich intensiver als sonst mit dem Evangelium zu beschäftigen, um im Gebet Jesus näher zu kommen. Ich verzichte seit Aschermittwoch auf Fleisch."

Sechs Wochen lang Mineralwasser, die Alkoholflasche bleibt zu – das ist eine Form des Fastens in der Zeit vor Ostern.
Sechs Wochen lang Mineralwasser, die Alkoholflasche bleibt zu – das ist eine Form des Fastens in der Zeit vor Ostern. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Die "Evangelische Kirche in Deutschland" (EKD) hat in diesem Jahr zum siebenwöchigen Lügenfasten aufgerufen. Anja Kunkel sagt dazu: "Diese Aktion ist bis zu uns nicht so richtig durchgedrungen." Die evangelische Pfarrerin jedenfalls hat diese bundesweite Aktion in der nun zu Ende gehenden Fastenzeit in der Meßkircher Kirchengemeinde nicht thematisiert. Sie selbst habe aufgrund einer Fülle anderer wichtiger Themen und Aufgaben keine Möglichkeit gesehen, sich dieser Fastenaktion zu widmen.

Renate Heidlauf, Heilpädagogin, Rengetsweiler: "Ich ernähre mich das ganze Jahr über bewusst vegetarisch."
Renate Heidlauf, Heilpädagogin, Rengetsweiler: "Ich ernähre mich das ganze Jahr über bewusst vegetarisch." | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Dazu sei die Sorge und die Beanspruchung durch die Erkrankung ihres Ehemannes Uwe Reich-Kunkel, Pfarrer von Stetten a.k.M., gekommen. Außerdem: "So etwas braucht einen Anstoß aus der Gemeinde." Damit meint die Theologin, dass sich ein oder mehrere Gemeindeglieder bereit erklären, "etwas auf die Beine" zu stellen.

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Persönlich hätten sich einige Gläubige bei ihr gemeldet und erklärt, sie würden auf Smartphones, Süßigkeiten und andere Dinge verzichten. Theologisch spiele die Fastenzeit als Gedenken an die Leiden und den Tod Jesu Christi in der Landeskirche natürlich eine große Rolle, so die Geistliche.

David Hepting, Marktverkäufer, Überlingen: "Fasten und Verzicht mit Maß und Ziel ist gut."
David Hepting, Marktverkäufer, Überlingen: "Fasten und Verzicht mit Maß und Ziel ist gut." | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Am Rande des Wochenmarkts sahen die Befragten übereinstimmend das Fasten und die Fastenzeit eher nüchtern und praktisch. David Hepting ist Marktverkäufer. Der Überlinger sagt: "Ich finde Fasten und den damit verbundenen Verzicht gut." Allerdings, so schränkte der junge Verkäufer ein, müsse alles "in Maßen und ohne Stress" geschehen. Er verzichte auf Schweinefleisch und versuche mehr Zeit für sich, seine Freundin und seine Freunde zu erübrigen.

Ramona Strigel, Einzelhandelskauffrau, Meßkirch: "Ich lebe das ganze Jahr über mehr oder weniger bewusst."
Ramona Strigel, Einzelhandelskauffrau, Meßkirch: "Ich lebe das ganze Jahr über mehr oder weniger bewusst." | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Ganz anders reagierte Ramona Strigel. Sie erklärte, überhaupt keine Beziehung zum Fasten und zur Fastenzeit zu haben, merkte aber an, das ganze Jahr über bewusst zu leben. Renate Heidlauf aus Rengetsweiler betonte, dass sie sich das ganze Jahr über bewusst vegetarisch ernähre und auch ohne Fastenzeit auf Zucker, Smartphone und Fernseher verzichte. Die Heilpädagogin steht dem allgemeinen Verzichtsappell, der mit dem Fasten verbunden ist, grundsätzlich positiv gegenüber.

Anika Lesnik, Fahrerin, Meßkirch: "Dieses Jahr habe ich mir keine Fastenvorsätze gefasst."
Anika Lesnik, Fahrerin, Meßkirch: "Dieses Jahr habe ich mir keine Fastenvorsätze gefasst." | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Positive Erfahrung mit dem Fasten hat Anika Lesnik gemacht. Die Fahrerin hat vor drei Jahren in der Fastenzeit mit dem Rauchen aufgehört und bis heute den Abschied vom Nikotin durchgehalten. "Das lag aber auch an der Geburt meiner kleinen Tochter", so die Meßkircherin.