Christine Marx und Irmgard Ehjeij sind im Kirchenleben aktiv, engagiert und wünschen sich, dass den Frauen auch Zugang zu allen Weiheämtern gewährt wird. Sie sehen eine große Chance im weiblichen Potenzial und sind der Meinung, dass junge Menschen nur in der Kirche gehalten oder zurückgeholt werden können, wenn sich die Amtskirche erneuert. „Zur Amtskirche habe ich kein großes Vertrauen mehr, wohl aber zu den Seelsorgern vor Ort, denn sie machen eine sehr gute Arbeit“, erklärt Irmgard Ehjeij.

Düstere Zukunft für die Amtskirche ohne Mut zur Erneuerung

Die beiden Frauen sehen eine düstere Zukunft für die Amtskirche voraus, wenn diese nicht den Mut aufbringe, sich zu erneuern. „Ich verstehe nicht, dass die Amtskirche auf 50 Prozent ihrer Talente verzichtet“, wundert sich Irmgard Ehjeij. Wenn es so weitergehe, werde es von existentieller Bedeutung für die Kirche sein, denn sehr viele junge Menschen hätten sich schon längst von der Kirche abgewendet, da sie ihnen ihre Botschaft nicht mehr glaubwürdig vermitteln könne. „Die Kirche erreicht die meisten Menschen nicht mehr, weil sie sich zu sehr von deren Lebenswirklichkeit entfernt hat“, erklärt Ehjeij. Das hänge auch damit zusammen, dass die Pfarrer mit zu vielen Aufgaben, die nichts mit der eigentlichen Seelsorge zu tun haben, belastet seien, sind sich die beiden engagierten Frauen einig.

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„Wenn es nur zwei Gottesdienste im Monat gibt und Gotteshäuser vor der Schließung stehen, weil kein Mensch mehr hingeht, dann bricht die Gemeinschaft der Gläubigen auseinander“, meint Christine Marx. „Das tut mir weh“, fügt sie an. Vor Gott seien doch alle Menschen gleich, in der Struktur der Amtskirche sei das aber nicht spürbar. „Die Geduld der Frauen geht allmählich zu Ende“, beobachtet Irmgard Ehjeij. Es seien so viele Frauen, die sich für die Kirche engagieren: bei den Ministranten, den Kirchenchören, den Organisten, den Kommunionshelfern und Lektoren, im Religionsunterricht, in der Caritas und in der Seelsorge. Und es seien immer noch hauptsächlich die Mütter und Großmütter, die den Glauben an die nachfolgende Generation weitergeben.

Jacqueline Straub aus Pfullendorf will katholische Priesterin werden, das ist ihr erklärtes Ziel.
Jacqueline Straub aus Pfullendorf will katholische Priesterin werden, das ist ihr erklärtes Ziel. | Bild: Fricker, Ulrich
„Frauen können mehr als nur Kirche putzen und Kuchen backen fürs Pfarrfest.“

Irmgard Ehjeij

„Frauen können mehr als nur Kirche putzen und Kuchen backen fürs Pfarrfest“, betont Irmgard Ehjeij. Es gebe viele Frauen, die der Amtskirche sehr nützlich sein könnten, wenn sie in ein Weiheamt zugelassen würden. „Als Beispiel ist aus der Region Jacqueline Straub zu nennen, die schon lange für das Priesterinnenamt in der katholischen Kirche kämpft und für ihre Berufung brennt“, führt Irmgard Ehjeij an. Frauen wollen in ihrer wichtigen Funktion wahrgenommen werden, da sie intensiv mit ihrem Glauben in Zusammenhang steht. „Wenn ich die Kommunion austeile, hat das für mich Bedeutung“, erklärt Christine Marx. „Die Begabung eines Menschen sollte maßgeblich sein und nicht sein Geschlecht“, fordern beide.

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Wunsch nach mehr Gleichberechtigung auch bei Männern spürbar

In mehr und mehr Leserbriefen in den christlichen Zeitschriften und in Artikeln spüre man, dass ein Aufbruch zu mehr Gleichberechtigung gewünscht sei. „Inzwischen sehe ich, dass zunehmend auch Männer die Forderungen der Frauen unterstützen, darunter auch Priester“, so Ehjeij. Das sei immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer. „Wir Frauen dürfen nicht ruhig sein. Wir müssen uns zusammentun, um zu überlegen, was wir tun und wie wir gestalten können“, meint Christine Marx. Frauen, die es ehrlich meinen und denen das Überleben des christlichen Glaubens wichtig ist, müssten sich zusammenschließen. Einen Streik hält sie für zu negativ. Es gehe darum, für das Thema zu sensibilisieren, miteinander im Gespräch zu bleiben, sich in Gremien wählen zu lassen und zu sagen, was einem wichtig ist. Die Frauen dürften nicht immer nur nett und bequem sein.

„Wir Frauen wollen uns vor Ort wohlfühlen als gleichberechtigte Kirchenmitglieder“, formulieren die beiden einen generellen Wunsch. Sie wollen sich einbringen, ohne sich verbiegen zu müssen. Im Moment entspreche ihrer Meinung nach das kirchliche Recht nicht dem göttlichen Recht. „Wir wollen keine Lückenbüßer mehr sein, sondern Kirche gemeinsam gestalten. Die Frauen wollen nicht an den Grundfesten des Glaubens kratzen, sondern die alten Zöpfe, die nicht mehr ins 21. Jahrhundert passen, abschneiden. „Neben meiner Kritik an der katholischen Kirche und meinem Wunsch nach Reformen schließe ich aber auch alle, die Verantwortung in der Kirche tragen, in meine Gebete mit ein und hoffe, dass sie einen Weg finden, unsere Kirche im Sinne Jesu zu reformieren“, formuliert Ehjeij ihre Hoffnung.

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