Wer seinen Blick über Cockpit und Innenraum eines teuren Autos schweifen lässt, hat gute Chancen einige echte Meßkircher Fabrikate zu entdecken. Verantwortlich dafür ist die Firma Bix Lackierungen, die von zwei Standorten in Meßkirch in die ganze Welt liefert. 200 000 Bauteile werden dort jeden Tag in vollautomatischen Roboterlackieranlagen veredelt, um die Ansprüche von Porsche, Mercedes, AMG, Lamborghini und Co. zu realisieren.

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Früher Einstieg in Technik des Spritzlackierens

High-Tech und Heimat, hier passt beides zusammen. Denn die Firma Bix ist bereits seit 132 Jahren in Meßkirch heimisch und besonders stolz darauf, dass viele Mitarbeiter die Erfolgsgeschichte der Firma oft für Jahrzehnte lang an der Seite der Inhaber mitgestalten. Angefangen hat alles mit Unternehmensgründer Julius Bix, der als Vergolder, Dekorationsmaler und Kutschenlackierer bereits die Vorläufer der Automobilindustrie belieferte. Der frühe Einstieg in die neue Technik des Spritzlackierens half der Firma, während der Kriegsjahre zu überleben.

Seit den 1970er Jahren lackierte Bix in industriellem Umfang, nicht zuletzt für die damals in Meßkirch ansässigen Dual-Werke, die Plattenspieler herstellten. Zur Jahrtausendwende begann die Ära der voll automatisierten Beschichtungstechnik. Heute arbeiten 32 Roboter Tag und Nacht Seite an Seite mit 250 Fachkräften. Von Hand wird nur noch ein Bruchteil des Produktspektrums lackiert.

Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik besprechen die Roboterprogrammierung. Auch die modernste Technik will gesteuert sein.
Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik besprechen die Roboterprogrammierung. Auch die modernste Technik will gesteuert sein. | Bild: Bix

Heute programmieren die Mitarbeiter Roboter

Damit vollzog sich auch ein Wechsel der Kompetenzprofile, die im Unternehmen gebildet werden. Die Mitarbeiter programmieren heute Roboter, optimieren Steuerungssysteme und prüfen Innovationen im hauseigenen Labor. Ausgebildet werden, neben kaufmännischen Berufen, deshalb Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik und Wirtschaftsingenieure. Als Partnerunternehmen der dualen Hochschulen Baden-Württemberg bietet Bix auch Studiengänge an. Da Fertigprodukte zum überwiegenden Teil ins Ausland geliefert werden, von den großen Automobilwerken in Osteuropa bis nach China und Mexiko, ist Internationalität dabei Pflicht. Stolz ist das Unternehmen auch auf seine Spezialisten für dekorative Oberflächen, die jedes Bauteil nach der Veredelung visuell beurteilen und kleinste Abweichungen feststellen können.

Vermessungen im hauseigenen Labor sind Standard. Die Lackschichten sind oftmals so dünn, dass Unterschiede vom menschlichen Auge überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden können. Wie es genau funktioniert, wird Johannes Bix erklären.
Vermessungen im hauseigenen Labor sind Standard. Die Lackschichten sind oftmals so dünn, dass Unterschiede vom menschlichen Auge überhaupt nicht mehr wahrgenommen werden können. Wie es genau funktioniert, wird Johannes Bix erklären. | Bild: Bix

Zahlreiche Preise und Förderungen

Das Unternehmen gilt als Wegbereiter für neue Beschichtungstechnologien und entwickelt diese gemeinsam mit den Fahrzeugherstellern. Wer erfahren will, was bei den Fahrzeugdesignern gerade in Mode ist, schaut sich am besten im Labor und Projektmanagement bei Bix um. Dabei ist die Umweltfreundlichkeit ein besonders erfolgreiches Innovationsfeld. Für viele Entwicklungen hat das Unternehmen Preise und Förderungen vom Bundesministerium für Umwelt und verschiedenen Umweltorganisationen erhalten. Ein Beispiel: Bix hat vor kurzer Zeit eine Technologie zur Marktreife gebracht, die es den Fahrzeugherstellern ermöglicht, Chromeffekt-Akzente im Innenraum zu setzen ohne das umweltschädliche Chrom-VI einzusetzen.

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Nach der Leserführung gibt es Zeit für Austausch

Interesse, mehr zu sehen? Der SÜDKURIER öffnet für seine Leser die Türen der Firma Bix. Der Geschäftsführer aus der jüngsten Generation des Familienunternehmens, Johannes Bix, gewährt Einblicke in die Produktions- und Entwicklungsprozesse. Dabei ist zu sehen, wie Industrie 4.0 an voll klimatisierten Roboterlackieranlagen mit mehreren tausend Sensorpunkten umgesetzt wird. Das Hochregallager, mit seinem über 30 Höhenmeter vollautonom agierenden Regalbediengerät, stellt meist den logistischen Höhepunkt für jeden Besuch dar. Abschließend besteht Zeit und Raum für die gemeinsame Diskussion.